Solarthermie als Prozesswärme, Teil 4 – Bestand weltweit im Detail

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Wie in Teil 3 „Bestand weltweit“ meiner Serie zu solarer Prozesswärme angekündigt, werfe ich euch heute einen genaueren Blick auf die in der dort vorgestellten Weltkarte erfassten Anbieter bereits laufender Anlagen, die solare Prozesswärme erzeugen.

Wie schon für Teil 3 meiner Reihe zu Solarthermie als Prozesswärme, der den weltweiten Bestand an entsprechenden Anlagen wiedergab, stütze ich mich auch für Teil 4 auf den Artikel „Solare Prozesswärme – Beliebter als gedacht“ der Kollegen vom Fachmagazin Sonne, Wind & Wärme (SW&W). Der Artikel erschien dort in der Ausgabe 1+2/2017 und ist hier auf Englisch zu lesen.

Weltweites Angebot an solarer Prozesswärme ist vielseitig

Die Leistung an solarer Prozesswärme der Teilnehmer an der Befragung zur Weltkarte solarer Prozesswärme von Solrico variiere demnach sehr deutlich. Mehr als die Hälfte der befragten Teilnehmer fertige selbst Solarthermie-Kollektoren an. Dabei seien

  • sogenannte Parabolrinnen mit 18 Herstellern der häufigste Kollektortyp,
  • gefolgt von Flachkollektoren (9 Hersteller),
  • Vakuumröhrenkollektoren (5 Hersteller)
  • sowie Fresnel- und Dish-Kollektoren (jeweils 4 Hersteller).

70 Prozent der Teilnehmer (45 Unternehmen) würden ihren Kunden einen bestimmten Solarertrag garantieren. Das sei ein Aspekt, in dem sich die Anbieter von Prozesswärme-Anlagen deutlich von den Anbietern kleiner Solaranlagen für den Privatgebrauch unterscheiden würden, schreibt die Autoren Eva Augsten in der SW&W, denn kommerzielle Industriekunden forderten Leistungsgarantien (siehe Abb. 1).

Fast genauso viele Unternehmen würden demnach auch Betrieb und Wartung der Anlagen anbieten. Und ein Drittel (21 Unternehmen) träte auch als sogenannter Contracting-Anbieter auf, der seinen Kunden das Bereitstellen der Wärme als Dienstleistung anbieten würde. Das passe laut SW&W-Bericht dazu, dass 78 Prozent der Teilnehmer der Aussage zugestimmt oder stark zugestimmt hätten, dass Wärmelieferverträge ein wichtiges Geschäftsmodell seien, um den Einsatz von solarer Prozesswärme zu erhöhen. Keine andere These über den Markt der solaren Prozesswärme hätte demnach so viel Zustimmung erhalten.

Zur Systematik der Datenerhebung

Wie zuvor seien die Unternehmen auch für die 2017er-Weltkarte danach gefragt worden, wie zufrieden sie mit ihrer Geschäftsentwicklung für das zurückliegende Jahr seien. Da die Erhebung Ende 2016 erfolgte, habe sich diese Frage auf das Jahr 2015 bezogen.

  • Weltweit zeigten sich knapp über die Hälfte (52 Prozent) der Teilnehmer mit ihrem aktuellen Absatz sehr zufrieden oder zufrieden.
  • 43 Prozent hätten sich unzufrieden oder eher unzufrieden gezeigt.

Auffallend sei, dass die Unternehmen in den vier Schwerpunktländern des Projektes „Solar Payback“ (Brasilien, Mexiko, Indien und Südafrika) deutlich optimistischer gewesen seien: Dort waren 70 Prozent der Teilnehmer mit dem aktuellen Absatz zufrieden oder sehr zufrieden. Nur 26 Prozent seien eher unzufrieden oder unzufrieden gewesen.

Nach Markthindernissen gefragt,  wurden auffallend häufig niedrige Preise für fossile Energien genannt. Weitere häufig genannte Antworten seien demnach:

  • zu hohe Preise für die Anlagen,
  • zu lange Amortisationszeiten,
  • und zu wenig Förderung

gewesen – Antworten also, die allesamt auf das Argument „Wirtschaftlichkeit“ hinausliefen, schreibt die Autorin in der SW&W.

Der Geschäftsführer eines Anbieters wurde mit der Aussage zitiert, dass die meisten Entscheidungsträger in der Industrie nicht offen für Investitionen seien, die sich nicht innerhalb von vier Jahren oder weniger amortisierten.

Hohe Preise für fossile Energie und Solarvorschriften sorgen für gute Marktentwicklung

Als mit Abstand wichtigstes Kriterium für eine gute Marktentwicklung hätten die Befragten hohe Preise für fossile Energien genannt. Das ergebe sich nicht nur im Umkehrschluss zu niedrigen Energiepreisen als Markthindernis, sondern sei von 42 Prozent der Teilnehmer explizit so genannt worden. Das Ergebnis passt ebenfalls gut dazu, dass die Firmen im Top-Markt Indien öfter als in anderen Ländern die gute Wirtschaftlichkeit der vergleichsweise günstigen Anlagen als Argument angeführt hätten.

Dennoch seien auch die politischen Rahmenbedingungen sehr wichtig. Verpflichtungen zum Einsatz solarer Prozesswärme hätte jeder fünfte Teilnehmer als eine gute Voraussetzung für eine positive Marktentwicklung genannt –und das noch vor der finanziellen Förderung (18 Prozent).

Ein weiterer oft als Hindernis genannter Aspekt sei fehlendes Wissen über solare Prozesswärme. Dabei hätte sich die Wortwahl in Bezug auf die Kunden von „skeptischer Haltung“ bis zu „Unwissenheit“ und „Ignoranz“ bewegt. Aber auch seitens der Planer fehle es an Wissen und Ausbildung, hätten die Befragten angegeben. Und zwei hätten ausdrücklich die schlechte Performance bestehender Anlagen als Markthindernis bezeichnet.

Welche hohe Bedeutung dem Thema „Bewusstsein“ für den Markt der solaren Prozesswärme zukomme, zeige sich auch damit, dass 71 Prozent der befragten Unternehmen mit der Aussage übereinstimmten, dass Solarwärme in vielen Marktsegmenten bereits wettbewerbsfähig sei und dass das den Kunden aber zu wenig bekannt sei.

Schwieriger einzuordnen sei die Bedeutung von Finanzierungsschwierigkeiten für den Markt der solaren Prozesswärme. Sie seien bei der Frage nach den Markthindernissen ebenfalls recht oft aufgetaucht. Allerdings sei anhand der freien, stichwortartigen Formulierung nicht immer klar zu erkennen gewesen, ob die fehlende Kreditwilligkeit der Banken oder das Fehlen staatlicher Zuschüsse beklagt werde. Der Aussage „Schwierigkeiten eine Finanzierung zu erhalten sind eine der wichtigsten bremsenden Faktoren“ hätten 54 Prozent der Umfrageteilnehmer deutlich zugestimmt, 22  Prozent hätten zugestimmt und nur 24 Prozent hätten der Aussage widersprochen.

Wichtige Trends der Umfrage 2013 bestünden nach wie vor

Weil für die Weltkarte solarer Prozesswärme 2017 die  Zielgruppe der Befragung erweitert worden sei, könne man nicht alle aktuellen Aussagen mit der Umfrage von vor drei Jahren vergleichen, heißt es in der SW&W weiter.

So seien von den 36 gelisteten Kollektor-Herstellern aus 2013 acht Hersteller sogenannter Dish-Kollektoren aus Indien gewesen. Für sie hätte im Vergleich zu den Herstellern linearer Kollektoren die Textilindustrie eine deutlich größere Bedeutung, die Lebensmittelbranche wäre dagegen weniger herausragend gewesen. In der Umfrage von Ende 2016 wären unter den insgesamt 64 Firmen ebenfalls acht indische Unternehmen gewesen, davon aber nur noch vier Hersteller von Dish-Kollektoren.

Zudem sei es naheliegend, dass in der aktuellen Umfrage, die auch Anlagen mit Flach- und Vakuumröhrenkollektoren berücksichtige, die Bedeutung von Prozessen bei niedriger Temperatur gestiegen sei.

  • Die Zahlen hätten gezeigt, dass die Lebensmittel- und Getränkeindustrie nach wie vor die wichtigste Zielbranche für solare Prozesswärme
  • Auf Platz 2 seien die Sektoren Gewerbe und Dienstleistung aufgerückt. (Gut zu wissen: Diese Branche habe man wegen der Vergleichbarkeit zu 2013 als Kundenkreis mit abgefragt, gleichwohl die Anlagen in der aktuellen Weltkarte nicht aufgeführt worden seien).
  • Die Textilindustrie sei dagegen leicht abgerutscht und liege nun auf Platz 3 des Rankings.

Auch bei den Marktfaktoren gelte demnach:

Der wichtigste Faktor, die Preise für fossile Energien, hält sich trotz der geänderten Systematik auf dem ersten Platz.

Eine Veränderung habe es dagegen auf den nachgeordneten Plätzen gegeben:

Finanzielle Förderung läge nunmehr auf Platz 3, während politische Vorschriften von Platz vier auf Platz zwei vorgerückt seien.

Photovoltaik-Wärme: Konkurrenz zu Solarthermie?

Wie schon 2013 seien die Anbieter auch Ende 2016 gefragt worden, ob sie die Photovoltaik eine Konkurrentin ihrer Technologie Solarthermie sei. Das sei insofern interessant, ist in der SW&W zu lesen, als dass im Endkundenmarkt die Kombination von Photovoltaik und Wärmepumpen der Solarthermie in den letzten Jahren noch stärker zugesetzt hätte als schon in 2013.

Auch bei den solaren Prozesswärme-Anbietern scheine sich demnach die Konkurrenz etwas stärker bemerkbar zu machen. 2013 hatten 13 Prozent der Befragten der Aussage zugestimmt, dass Photovoltaik-Wärme zur Konkurrenz für die Solarthermie werden würde, seien es 2016 schon 34 Prozent gewesen. Diese Entwicklung bleibe grundsätzlich bestehen, wenn man aus der jüngsten Umfrage nur die Antworten der Herstellerfirmen berücksichtige. Auch von diesen sähen inzwischen immerhin 31 Prozent in der Photovoltaik eine Konkurrentin der Solarthermie.

Im kommenden Teil 5 dieser Serie schauen wir uns die Solarthermie-Kollektoren näher an, die sich für die Bereitstellung solarer Prozesswärme eignen. Bleibt dran!

Foto (Titel): david dieschburg / photocase, grafische bearbeitung: doreen brumme

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