EU-Solarthermie-Barometer

Solarthermie im Aufwind: Europäischer Markt wuchs 2018 um 8,4 Prozent

Das Konsortium The EurOberserv’ER beobachtet und analysiert seit 1998 die Entwicklung Erneuerbarer Energien in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU). In Branchen-Barometern werden die Analysen regelmäßig veröffentlicht. Im neusten EU-Solarthermie-Barometer melden die Analysten vom EurObserv’ER, dass die europäische Solarthermie erstmal seit zehn Jahren an Fahrt gewinne. Im Vergleich zum Jahr 2017 sei der europäische Markt für Solarthermie demnach 2018 um 8,4 Prozent gewachsen.

Das neue Barometer für Solarthermie in der EU hat das Konsortium EurObserv’ER am 8. Juli 2019 veröffentlicht. Ihr könnt es euch als 11-seitiges PDF in englischer Sprache von der Internetseite des Konsortiums (siehe Link) herunterladen.

Laut dem Solarthermie-Barometer seien in den 28 Mitgliedstaaten der EU zum Ende des Jahres 2018 Solarthermie-Kollektoren mit einer

  • Fläche von knapp 53,5 Millionen Quadratmeter
  • und einer thermischen Gesamtleistung von 37,4 Gigawatt

installiert gewesen.

Nach einer Dekade mit schwacher Leistung habe sich der europäische Solarthermie-Markt demnach im Jahr 2018 mit einem Wachstum von 8,4 Prozent gegenüber den Ergebnissen von 2017 erholt. Und die Tendenz sei steigend: Im vergangenen Jahr 2018 seien in der EU rund 2,2 Millionen Quadratmeter neue Solarthermie-Kollektoren installiert worden. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 waren es „nur“ rund zwei Millionen Quadratmeter Solarthermie-Zubaufläche.

Aber: Das positive und eine Trendwende markierende Gesamtergebnis beruhe dem EU-Solarthermie-Barometer zufolge auf Entwicklungen in den einzelnen EU-Ländern, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Schauen wir uns das einmal genauer an!

Unser Nachbarland Polen, ein traditionelles Kohleland, überrascht die Analysten mit der stärksten Dynamik bei der Entwicklung der Solarthermie – und mit einer Zunahme der Installationen um 180 Prozent beziehungsweise einem Zubau an Solarthermie-Kollektorfläche von 310.000 Quadratmetern.

Spitzenleistungen hätten laut dem EU-Solarthermie-Barometer auch

  • Griechenland mit 4 Prozent Wachstum (plus 328.500 Quadratmeter)
  • und Spanien mit 2 Prozent Wachstum

erbracht. Die Analysten vom EurObserv’ER schreiben, dass das Wachstum der Solarthermie in Griechenland und Polen insbesondere der Durchführung von kommunalen Ausschreibungen geschuldet sei.

Solarthermische Kraftwerke hätten dem EU-Solarthermie-Barometer zufolge vor allem in Spanien eine Zukunft. Der Grund dafür sei, dass der spanische PNIEC Plan Nacional Integrado de Energía y Clima, ein von der spanischen Regierung gesetztes Programm zum verstärkten Ausbau Erneuerbarer Energien  bis 2030, diese Entwicklung unterstütze. Im PNIEC sei das Ziel von 4. 803 Megawatt (MW) an thermodynamischer Solarenergie im Jahr 2025 (bei einer Produktion von rund 13,9 Terrawattstunden (TWh) und 7. 303 MW im Jahr 2030 festgehalten. Allein die thermodynamische Solarenergie könnte zu diesem Zeitpunkt 6,7 Prozent der Stromerzeugung des Landes ausmachen, was laut EurObserv’ER einem Beitrag nahe der Kernenergie (7,3 Prozent) entspräche. Die Technologie habe demnach zwar längst ihre Zuverlässigkeit und Robustheit bewiesen, ebenso ihre Fähigkeit, zum Gleichgewicht des Netzwerks beizutragen – dennoch hätte sie aber noch nicht „ihren aktuellen Kurs der Kostensenkung bestätigt”, heißt es im EU-Solarthermie-Barometer dazu.

In Frankreich befände sich die Solarthermie-Branche laut EU-Solarthermie-Barometer seit dem vergangenen Jahr im Wachstum – die dynamische Entwicklung resultiere vor allem aus den französischen Übersee-Gebieten, die von gezielten Förder-Anreizen profitieren würden. Vor allem auf Guadeloupe und La Réunion seien Solarthermie-Anlagen zur Warmwasserbereitung in großen Mengen installiert worden.

Und was ist mit Deutschland? Für den gemäß EU-Solarthermie-Barometer mit insgesamt 19.269.490 Quadratmetern Solarthermie-Kollektorfläche, davon 573.500 neu installierten Quadratmetern im Jahr 2018, nach wie vor größten Solarthermie-Markt Europas sei für das Jahr 2018 im Vergleich zu 2017 ein Rückgang des Solarthermie-Zubaus um knapp 12 Prozent (genaugenommen seien es 11,8 Prozent) zu vermelden. Und das, so merken die Analysten von The EurOberserv’ER an, trotz der großzügigen finanziellen Förder-Anreize für den Einbau einer Solarthermie-Anlage mit neuem Heizkessel (bis zu 3.600 Euro).

Nur zur Info: Auch in Italien schwächele der Markt.

EU-Solarthermie-Barometer: Prozesswärme und solare Nahwärmenetze sind im Kommen

Zwar ziele die europäische Solarthermie-Industrie laut dem EU-Solarthermie-Barometer noch immer vorrangig auf den Wohnungsmarkt ab, doch wende sie sich inzwischen auch neuen Märkten zu, zum Beispiel mit Solarthermie-Anlagen zur Erzeugung von Prozesswärme für industrielle Prozesse.

Zudem würden demnach viele Akteure verstärkt auf die Entwicklung von Wärmenetzen setzen. Der Anteil der Solarthermie in den Nah- bzw. Fernwärmenetzen sei schon während der vergangenen Jahre spürbar gewachsen.

Als Vorreiter benennt das EU-Solarthermie-Barometer hier eindeutig Dänemark: Dort hätten bereits über 100 Kommunen und Städte Solarthermie-Anteile in ihren Nahwärmenetzen. Teilweise würden in Dänemark Solarthermie-Anlagen im Sommer sogar schon die gesamte Wärmeversorgung der Kommune deckeln. In Schweden, Deutschland, Österreich, und Frankreich ziehe die Nachfrage nach solarthermischen Kollektorsystemen zur Nahwärmeversorgung laut dem EU-Solarthermie-Barometer an.

Zusammenfassend beschreibt das EU-Solarthermie-Barometer den europäischen Markt als noch „ruhend“: Demnach würden mehrere Projekte voraussichtlich bis 2020/21 abgeschlossen, darunter das seit Ende Oktober 2018 in Betrieb befindliche Kraftwerk Ello in den östlichen Pyrenäen sowie mehrere größere Projekte in Sizilien: Solecaldo 41 MW, Reflex Solar Power 12,5 MW, Lentini 55 MW.

Bleibt uns nur, dem EU-Solarthermie-Barometer zuzustimmen: Bei aller Freude über die jüngste positive Entwicklung der europäischen Solarthermie kommt die Trendwende ganz klar zu spät. Bis 2020 werden die europäischen Wachstumsaussichten für den Solarthermie-Sektor deutlich hinter den Zielen zurückbleiben, die die EU-Mitgliedstaaten in ihren nationalen Aktionsplänen für den Ausbau Erneuerbarer Energien festgelegt haben.

Foto: Titel des EU-Solarthermie-Barometers (PDF-Dokument)