UN-Klimakonferenz: Was geht mich Paris an?

Während in Paris inzwischen Tag und Nacht um jeden einzelnen Paragrafen eines Weltklimaschutzvertrags gefeilscht wird wie auf einem Markt, ist es an uns, mir und dir, dem Vertrag die Verbindlichkeit zu geben, die er braucht. Es ist an uns, unsere zur COP21 abgesandten politischen Führer beim Wort zu nehmen und auf den hoffentlich zustande kommenden Vertrag zu pochen und den klimaschützenden Worten klimaschützende Taten folgen zu lassen. Klimaschutz ist mit der Weltklimakonferenz zwar endlich Chefsache – das hat Paris gezeigt –  doch schultern müssen wir ihn alle. Ich und Du. Und deshalb geht Paris uns an. 

Von meinen Hoffnungen und Erwartungen …

Es weckt meine Hoffnung, wenn ich sehe, wie Abgesandte, Staats- und Regierungschefs von rund 150 Nationen unserer Welt – der UN zufolge kamen noch niemals zuvor so viele auf einem Haufen zusammen wie am ersten Tag der 21st Conference of the Parties, kurz COP 21 – sich in Frankreichs Hauptstadt Paris treffen, um einen Weltklimaschutzvertrag schlussendlich auszuhandeln (die Vorverhandlungen laufen seit Langem und entsprechende Entwürfe machten bereits Runde für Runde – mehr zum Geschehen im Vorfeld hier) und zu unterzeichnen.

Hoffnung deshalb, weil das doch ein Vertrag wäre, der das Klima und somit unsere Welt vor dem Untergang retten könnte. Doch bei aller Grünäugigkeit, mit der ich die Welt gerne betrachte, ich hoffe nicht auf den Vertrag an sich, denn der wäre das Papier, auf dem er geschrieben wird, nur wert, wenn er verbindlich wäre. Doch kann er das überhaupt sein? Verbindlich? Ich fürchte: Nein. Dazu gleich mehr.

Ich setze meine Hoffnung nicht auf das Papier, sondern auf das Zeichen, das Paris für mich ist, und darauf, dass dieses von vielen als solches verstanden wird: Das Weltklima ist endlich Chefsache. Der Reigen der Redner am Tage der Eröffnung der COP21 machte das mehr als deutlich.

(Wobei ich nicht umhin komme, zu denken, dass die Welt die COP21 auch nutzt, um ein politisches Signal in Richtung internationaler Terrorismus zu setzen: Nach den im Pariser Stadtteil Saint Denis gezündeten Terrorbomben des 13. November zeigt man jetzt am Ort des Geschehens Schulterschluss – und machen wir uns nichts vor: Viele Gespräche am Rande der Klimakonferenz drehen sich um den Terror und darum, wie man mit ihm fertig wird. Paris ist eben nicht mehr nur eine Stadt der Liebe und eine Stadt der Mode, Paris ist seit diesem Jahr auch eine Stadt, in der der Terror mordete. Ich hege meine Zweifel daran, dass der Klimawandel bei den Randgesprächen als eine Ursache für den Terror, für die Flucht von Millionen von Menschen, für Fluchtgründe wie Hunger, Armut, Arbeitslosigkeit und und und eine Rolle spielt. Die Hoffnung darauf stirbt zuletzt …)

Der Klimaschutzvertrag braucht Verhandelnde, der Klimaschutz braucht Handelnde

Warum ich meine Hoffnungen nicht an einen Klimaschutzvertrag von Paris hänge? Weil ich Taten erwarte. Taten,  die den jetzt gesagten Worten folgen. Denn nicht mehr und nicht weniger ist COP21. Ein Ort, wo – zugegeben in dieser Konstellation erstmals und insbesondere am ersten Tag – Reden geschwungen wurden, die vielversprechend klangen. Ist ja klar, da stehen wortgewandte und sich ihrer medialen Wirksamkeit bewusste Staatsoberhäupter am Mikro, die (bei manchen komme ich um ein: endlich! nicht umhin) die Klimafahne schwingen. Wie schön! Doch machen wir uns nichts vor! Die Redner  können sich teils nicht mal sicher sein, ob ihnen jemand aus der eigenen Nation die Stange hält. Sprich: Ihnen dabei hilft, im eigenen Land für Klimaschutz zu sorgen.

Ein Blick nach Hause zeigt doch Tag für Tag die klimazerstörende Realität. Oder glaubt hier jemand, nur weil der Staatschef in Paris von Klimaschutz redet, würden daheim in, sagen wir mal: den USA, plötzlich Frackingbohrer, Erdölpumpen oder Atomreaktoren abgestellt? Nicht vergessen: Das Staatsoberhaupt ist nicht allein angereist. Die mächtige Lobby der Befürworter fossiler und atomarer Energie ist doch auch in Paris. Und diktiert mehr oder weniger machtvoll (Stichwort: Payroll) die Worte der Abgesandten. Wer auch die Randberichterstattung zur COP21 liest, erfährt beispielsweise, dass machtlosere und längst aktiv klimaschützende Akteure in Paris oft nicht mal die Chance bekommen, überhaupt an ein Mikro zu treten.

Egal: Der Klimaschutz wird nicht vor dem Mikro in Paris gemacht. Es gelang der Welt bis heute nicht, sich auf einen Klimavertrag mit konkreten Zielen zu einigen. Warum soll das in Paris jetzt plötzlich anders sein? Und um den Begriff noch einmal zu bemühen: Der Klimaschutz wird die Welt eine Stange Geld kosten. Und die Finanzierung müssen die Staatschefs in ihren eigenen Ländern klären.

Ein verbindlicher Klimaschutzvertrag – ein Ding der Unmöglichkeit?

Selbst wenn es zum festgeschriebenen Klimaschutzvertrag von Paris käme, dann stünde dessen Verbindlichkeit in Frage. Die Berichterstattung von den auf Tag 1 – den Tag der hoffnungsvollen Worte – folgenden Tagen der COP21 lässt meine Hoffnung auf einen verbindlichen Vertrag schrumpfen. Da wird am letzten Tag bevor die Minister die Verhandlungen übernehmen sollen (Sonntag, 6.12.2015) noch immer um die Knackpunkte des Vertrags gestritten, allen voran:

  • um eine Obergrenze für die Erwärmung der Erde auf 2 oder 1,5 Grad Celsius
  • um die Finanzierung des Klimaschutzes in den ärmeren Staaten.

Von einer potenten Strategie wie einen Preis für emittiertes CO2 einzuführen ganz zu schweigen.

Woran es fehlt, um sich zu einigen? Das ist doch klar! Vertrauen. Die Bereitschaft, einander zuzuhören. Miteinander zu reden. Zu verhandeln. Wer glaubt, dass Staaten, die sich gegenseitig bekriegen, in Sachen Klima plötzlich kompromissbereit sein können, der lebt nicht oder noch nicht lange auf diesem Planeten.

Ein weltumfassender Klimaschutz braucht mehr, als das Bekenntnis seiner Staatsoberhäupter. Er braucht uns alle. Und deshalb gefällt mir der Gedanke, dass ich und du – sprich: wir! – den Klimaschutz schultern. Ich las heute auf Facebook den Satz: Wenn X Leute glauben, sie schafften das oder das nicht allein, dann sind das immerhin X Leute, die an das Gleiche glauben. Man stelle sich mal vor, sieben plus Milliarden Menschen würden heute um 19:23 Uhr plötzlich denken: Ich will das Klima retten! Großartig, nicht wahr? Ich sage: Einen Klimaschutzvertrag von Paris brauchen wir als Symbol – nicht als mehr, nicht als weniger.

Paris geht mich an!

Denn ich traue es der Welt (noch) nicht zu, einen verbindlichen Weltklimaschutzvertrag zu schreiben, der Ziele setzt, Strategien zu ihrem Erreichen enthält, Kontrollmöglichkeiten nennt und Konsequenzen, mit denen Vertragsbrüche geahndet werden können. Wäre das möglich, gäbe es längst einen Weltfriedensschutzvertrag, einen Weltbildungsschutzvertrag, einen Welternährungsschutzvertrag, einen Weltgesundheitsschutzvertrag und und und.

Aber: Paris kann dennoch ein Schritt auf dem Weg zu einem Weltklimaschutzvertrag sein. Nämlich dann, wenn wir – die sieben plus Milliarden – für die Verbindlichkeit sorgen, die das Papier COP21 braucht: Indem wir unsere Abgesandten bei ihrem Wort nehmen und darauf pochen, dass sie ihren Worten sofort Taten folgen lassen. Ich bin dabei. Ich bin eine. Eine von sieben plus Milliarden, die Paris angeht.

Der Beitrag erscheint in der Reihe “Blogchallenge” der Energieblogger.

Foto: BMUB (Das Titelfoto zeigt Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks (rechts) und Staatssekretär Jochen Flasbarth (Mitte) bei der ersten Pressekonferenz im deutschen Pavillon.)

Darf’s ein bisschen mehr sein? Passend zum Thema:

  • The same procedure as every IPCC-Report: Weltklimarat warnt vor Klimawandel…

  • Eva Bulling-Schröter live von der Klimakonferenz: Vorreiterrolle Deutschlands wird angemahnt!
  • KLIMAKONFERENZEN
    10 Milliarden Preisausschreiben für die Welt statt dämlicher Klimakonferenzen

  • Letzte Chance Doha: Weltklimakonferenz 2012
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3 Kommentare zu “UN-Klimakonferenz: Was geht mich Paris an?”

  1. Mathias

    Seit Ende 2015 müsste jedes Unternehmen bereits ein Energieaudit durchgeführt haben. Doch was ist das eigentlich, wer ist betroffen und wie läuft es ab?

    Das Audit kann für Unternehmen als Einstieg in das Thema Energieeffizienz oder zur Überprüfung bereits erfolgter Energieeffizienzmaßnahmen dienen. Die Erfahrung zeigt, dass Unternehmen mit nicht- oder geringinvestiven Maßnahmen bis zu 10 % ihres Energieverbrauchs einsparen können und dementsprechend ihre Energiekosten senken können. Mittels eines Energiemanagementsystems sollen Maßnahmen entwickelt, geplant und umgesetzt werden, die unterm Strich einen minimalen Energieeinsatz im Unternehmen sicherstellen. Dazu wird der Energieverbrauch dokumentiert und ausgewertet. Auf dieser Basis können Entscheidungen bezüglich Investitionen und Arbeitsabläufen getroffen werden, die die Energieeffizienz des Unternehmens verbessern und die Kosten auf Dauer kontinuierlich senken. So könnten beispielsweise Verbesserungen bei der Beleuchtung, Wärmetauschern, Druckluftsystemen oder Heizungsanlagen erfolgen.

    Alles zusammen erhöht die Datentransparenz, wirkt sich häufig unter anderem positiv auf das Bild des Unternehmens in der Öffentlichkeit aus und von staatlicher Seite wird man ebenfalls belohnt, indem man beispielsweise vom Energieaudit ausgenommen wird

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