Familie Heß geht aufs Ganze

Hausdach: Photovoltaik-Solarthermie-Kombination

Ein 60er-Jahre-Haus als Öko-Vorbild

Solarthermie oder Photovoltaik? – Für Olaf Heß keine Frage, er wollte die energetische Optimierung ohne Wenn und Aber – ecoquent bis ins letzte Detail sozusagen. 42 m² Photovoltaik und ebensoviel Fläche für Solarthermie, der Optik wegen als Flachkollektoren, bedecken jetzt die südliche Dachseite. Das Haus aus dem Jahr 1960 ist nicht wiederzuerkennen. 30 cm Dämmung halten die Wärme drinnen, für Frischluft sorgt diskret ein Lüftungssystem mit Wärme- und Feuchterückgewinnung.

Im Westerwald, da pfeift der Wind so kalt

Früher zog es durch die Wände, erinnert sich Olaf Heß, der schon als Kind hier gewohnt hat. Daaden liegt auf nur etwa 380 Metern Höhe, aber der Wind im Westerwald ist sprichwörtlich. Vor der Sanierung waren 4500 Liter Öl pro Jahr nötig, um das Haus mehr schlecht als recht zu heizen. Heute sammelt die Solarthermieanlage 9000 KWh ein, außerdem verheizen die Heß etwa 3,5 m³ Scheitholz und 180 Kilo Pellets für eine Wohnfläche von für die 120 m².

Der Holzofen steht im Keller, damit das Wohnzimmer span- und aschefrei bleibt. Wenn die Heß ihn nicht mit Scheiten bestücken wollen oder können – wegen Abwesenheit etwa – dann schaltet er automatisch auf Pelletbetrieb um. Natürlich nur, wenn nicht die Solarthermie die Heizung versorgt. Der Holzofen hat Wassertaschen, die den knapp 2000 Liter großen Pufferspeicher speisen. Gut 30.000 Euro hat das ausgeklügelte Heizsystem gekostet, den Kachelofen im Wohnzimmer nicht einbezogen, der ein Herzenswunsch von Gabi Heß und eigentlich „nicht nötig“ war. – 30.000 Euro, rechnet sich das? Der Hausherr reagiert mit Gegenfragen: Wenn sie sich ein neues Sofa kaufen, fragen sie, ob es sich rechnet? Oder ein Auto?

Heizkosten um den Faktor 30 gesenkt

Dann rückt er aber doch noch mit der Antwort raus: Bei Heizkosten von 100 Euro pro Jahr sparen die Heß im Vergleich zu früher 3000 Euro. Demnach dürfte sich dieser Posten innerhalb von zehn Jahren amortisieren – wenn man von gleichbleibenden Ölpreisen ausgeht.

Zwar müssen auch die Kosten für Dämmung und Fenster in die Rechnung mit einbezogen werden. Da das Haus aber sowieso saniert werden musste, ist der Anteil, den die energetische Optimierung zusätzlich kostet, vergleichsweise gering.

„Wenn ich im Neubaugebiet sehe, dass manche noch immer Ölheizungen einbauen … “ Der Satz bleibt unvollendet, und Gabi Heß hebt ratlos die Schultern. Ihr fehlen schlicht die Worte. Gabi und Olaf Heß sind mir ihrem Werk zufrieden. Sie haben für sich und ihre drei kleinen Kinder ein behagliches und zukunftsfähiges Heim geschaffen.

„Das Schwierigste war, Handwerker zu finden“, resümmiert der Hausherr. Vom Heizungsbauer bis zum Dachdecker – viele der örtlichen Fachleute standen den Ideen von Gabi und Olaf Heß skeptisch gegenüber. Nach gründlicher Recherche, viel Überzeugungsarbeit und einer Menge Eigenleistung haben die beiden ihr Ziel erreicht.

Die alten Heizkörper hat Olaf Heß übrigens nicht ausgebaut. Die könnten jetzt – zusätzlich zur Fußbodenheizung und zum Kachelofen – das Quecksilber höher treiben. Aber das wäre definitiv zuviel des Guten. Zum Abschluss noch ein Bild vom Haus vor der Sanierung – wirklich bewundernswert, was da gelungen ist!

So sah das Haus vor der Sanierung aus. (c) Heß

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Bild: (c) Vetters

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9 Kommentare zu “Familie Heß geht aufs Ganze”

    1. Cornelia Daniel

      Hallo Herr Stute,

      vielen Dank! Es braucht viel mehr spezialisierte Firmen wie Ihre. Leider passiert zu viel Pfusch, sodass oft ganze Branchen darunter leiden. Ich sehe, dass Sie auch Röhrenkollektoren verwenden. Wie ist die Akzeptanz dieser für viele neue Technologie bei den Kunden? Arbeiten Sie Winteroptimiert? Also mit steilerer Aufständerung?

  1. Hilbert

    Guter Beitrag! 3 Mio. mehr als 30 Jahre alter Heizungen warten in Deutschland darauf saniert zu werden. Volkswirtschaftlich absolut sinnvoll und weitaus effizienter als alles Geld in der Energiewende zu versenken. Aber dafür gibt es keine Lobby!

    1. Sven Tetzlaff

      Ich sehe jetzt nicht wirklich einen Widerspruch zwischen Energiewende und Heizzungssanierung. Ganz im Gegenteil, fuer mich gehoert das zusammen.

      Dabei sollte allerdings nicht gelten: alter Kessel raus -> Neuer rein. Warum nicht gleich 100% Erneuerbar ? Oder fuer die Agnostiker eben ein kleines 4kW GasBrennwert-Backup.

      Ich halte sowieso den Begriff „Heizungsunterstuetzung“ fuer groben Unfug. Das Backup hat Solar (bzw. EE) zu unterstuetzen. Mithin sollte es eigentlich „Solarunterstuetzung“ heissen.

      Und wenn man das im Kopf erst mal umgestellt hat, dann ist es zu den 100% EE nur noch ein kleiner Schritt, welcher technisch gesehen kalter Kaffee ist..

      So far …

      bye Sven

    2. Katrin Vetters Post Author

      Vielen Dank für das Feedback, Hilbert! Ich glaube, anhand solcher „Fallgeschichten“ sieht man, dass es sich lohnt, ausgetretene Pfade zu verlassen.
      Wir werden sicherlich weitere Beispiele vorstellen, wenn das so gut ankommt.

    3. Cornelia Daniel

      Danke Herr Tetzlaff für diese wunderbare Beschreibung: Es muss Solarunterstützung heißen und nicht Heizungsunterstützung. Genau diesen Paradigmenwechsel braucht die Solarthermieindustrie. Leider wollen die Kesselhersteller noch immer möglichst große und nicht möglichst kleine Kessel verkaufen… und die sind (noch) an der Macht.

  2. Sven Tetzlaff

    Solar ist, wie man deutlich sieht, ausserdem ein erheblicher Beitrag zur Gebaeudeverschoenerung. Es gibt (kein Quatsch) immer noch Staedte bzw. Staedtchen, die Solar innerhalb der Stadtmauern verbieten. Teterow (MV) ist so eine. Gegen manche Haeuser dort, die immer noch den sproeden Charme der 70iger DDR-Jahre ausstrahlen, ist selbst das Vorher-Bild noch eine Augenweide.

    Solche Gesetze gehoeren eigentlich auf den Muellhaufen. Damit man es den Entscheidern etwas einfacher macht, waere es gut, eine Positiv-Bilder-Liste zu publizieren. „Die schoensten Solarhaeuser der Welt“ oder so…. Ich bin gerne bereit da mitzumachen … vielleicht finden sich ja welche, die da auch Spass dran haetten ?

    So far …

    bye Sven

    1. Katrin Vetters Post Author

      Besten Dank, Sven, für diese Anregung! Kann mir vorstellen, dass wir diese Idee – mit ein bisschen Vorlauf – aufgreifen werden. Deshalb: Beispiele bitte bereithalten!

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