Paradigma Projekt des Monats Bostelmann & Euhus - Wärmepumpe als Teamplayer

Wärmepumpe 2026 (5): Als Teamplayer mit PV, Solarthermie und Speicher smart kombiniert

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In Teil 4 unserer Artikelreihe „Warum sich der Kauf einer Wärmepumpe 2026 lohnt” habt ihr gesehen, wie stark der Strompreis die Betriebskosten einer Wärmepumpe bestimmt. Genau hier setzt dieser Teil an: Wie lässt sich dieser Kostenfaktor selbst beeinflussen? Die Antwort führt aufs eigene Dach. Wer eine Wärmepumpe mit Photovoltaik (PV), Solarthermie oder beidem kombiniert, senkt die laufenden Kosten oft deutlich stärker, als es die reine Anlageneffizienz aus Teil 3 vermuten lässt. Lernt hier die Wärmepumpe als Teamplayer kennen!

Paradigma Wärmepumpe als Teamplayer WP Hypernova
Unsere Paradigma Wärmepumpe WP Hypernova ist leiser und effizienter als andere Wärmepumpen in der Kategorie Luft-Wasser. Damit führt die die BAFA-Liste an, und ihr als Anlagenbetreiber:innen könnt mehrere hundert Euro Heizkosten pro Jahr sparen.  Foto: Paradigma

PV plus Wärmepumpe als wichtigster Hebel zur Kostensenkung

Eine Wärmepumpe ist der mit Abstand größte Stromverbraucher im Haus. Genau deshalb lohnt sich eine eigene PV-Anlage bei einer Wärmepumpe besonders. Während ein Haus ohne Wärmepumpe meist mit 5 bis 7 KIlowattPeak (kWP) Anlagenleistung auskommt, sollte eine PV-Anlage bei vorhandener Wärmepumpe größer dimensioniert sein, üblich sind 10 bis 12 kWP. Die Investition dafür liegt derzeit bei rund 18.500 bis 20.500 Euro.

Wie viel Eigenverbrauch realistisch ist: Eine 10-kWp-PV-Anlage erzeugt in Deutschland im Jahresdurchschnitt rund 9.500 bis 10.000 Kilowattstunden (kWh) Strom. Ohne Batteriespeicher liegt die Eigenverbrauchsquote bei rund 25 bis 40 Prozent, weil sich Sonnenschein und Wärmebedarf zeitlich kaum überschneiden, was zwei Gründe zugleich hat:

  • Die PV-Anlage produziert am meisten Strom in den Mittagsstunden, wenn es draußen am wärmsten ist und die Raumheizung deshalb am wenigsten arbeiten muss. Gleichzeitig sind viele Menschen mittags nicht zu Hause, sondern in Kita, Schule oder Arbeit, sodass auch der Warmwasserverbrauch in dieser Zeit gering ausfällt. Den größten Strombedarf hat die Wärmepumpe deshalb morgens und abends, wenn beide Effekte zusammenkommen: kühlere Temperaturen und aktive Warmwassernutzung, während die Sonne dann kaum oder gar nicht scheint. Diese Werte bestätigt auch die große Feldstudie „WP-QS im Bestand” des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme, die sechs PV-Wärmepumpen-Kombinationen vier Jahre lang im Realbetrieb gemessen hat: Ohne Batteriespeicher erreichten die untersuchten Anlagen 25 bis 40 Prozent Autarkie und 22 bis 37 Prozent Eigenverbrauch. Mit passend dimensioniertem Speicher stiegen diese Werte auf bis zu 62 Prozent Autarkie und bis zu 83 Prozent Eigenverbrauch.

Ein Rechenbeispiel: Bei 30 Prozent Eigenverbrauchsquote ohne Speicher nutzt ihr rund 2.850 kWh selbst. Jede dieser KWh spart euch den Bezugspreis von 31 Cent, kostet euch aber die Einspeisevergütung von aktuell 7,78 Cent, die ihr sonst dafür bekommen hättet. Netto bleibt eine Ersparnis von rund 23 Cent pro selbst verbrauchter kWh, macht bei 2.850 kWh rund 661 Euro im Jahr. Mit Batteriespeicher zeigt die Fraunhofer-Studie Eigenverbrauchsquoten von 40 bis 83 Prozent im Feldtest. Bei 9.500 kWh Jahreserzeugung liegt die Ersparnis damit je nach Anlage und Nutzungsverhalten zwischen rund 874 und 1.814 Euro im Jahr, deutlich mehr als ohne Speicher.

Solarthermie plus Wärmepumpe: die unterschätzte Kombination

Dass Solarthermie und Pelletheizung ein starkes Team sind, haben wir in unserer Pelletheizung-Reihe ausführlich gezeigt. Weniger bekannt ist, dass dieselbe Logik auch für Wärmepumpen gilt, aus einem Grund, der direkt mit der Jahresarbeitszahl (JAZ) aus Teil 3 zusammenhängt.

Im Sommer muss eine Wärmepumpe für die Warmwasserbereitung das Wasser auf 55 bis 60 Grad Celsius (°C) erhitzen, deutlich mehr als die 30 bis 45 °C, die für die Raumheizung nötig sind. Dieser hohe Temperaturhub drückt die Effizienz genau in der Phase, in der die Anlage sonst am effizientesten laufen könnte. Eine Solarthermieanlage übernimmt diese Aufgabe stattdessen mit kostenloser Sonnenenergie.

Rund 60 Prozent des jährlichen Warmwasserbedarfs lassen sich mit einer passend dimensionierten Solarthermieanlage solar decken. Beispiele dafür findet ihr zuhauf in unseren “Projekten des Monats“. Bei einem typischen Warmwasserbedarf von 2.500 kWh im Jahr sind das rund 1.500 kWh Wärme, die die Wärmepumpe nicht mehr erzeugen muss. Für die Warmwasserbereitung arbeitet eine Wärmepumpe mit einem eher ungünstigen COP von rund 2,5, weil dafür höhere Temperaturen nötig sind als für die Raumheizung. Um die eingesparte Wärmemenge zu erzeugen, hätte die Wärmepumpe also rund 600 kWh Strom gebraucht, das entspricht bei 31 Cent pro kWh einer direkten Ersparnis von rund 186 Euro im Jahr.” Hinzu kommt ein Effekt, der sich schwerer in Euro fassen lässt, aber real ist: Weil die ineffizienteste Betriebsphase der Wärmepumpe wegfällt, verbessert sich die Jahresarbeitszahl (JAZ) für das gesamte Jahr spürbar.

Die technischen Details zur Solarthermie selbst, von der Kollektorfläche bis zur Speicherauslegung, haben wir bereits in Teil 5 unserer Solarthermie-Reihe ausführlich erklärt.

Das vollständige Solardach: Wärmepumpe, Solarthermie und PV

Wer Platz auf dem Dach hat, muss sich nicht zwischen Solarthermie und PV entscheiden. Für die Warmwasserbereitung reichen 8 bis 10 Quadratmeter Solarthermiekollektorfläche, den Rest des Dachs könnt ihr für PV nutzen. Bei einem typischen Einfamilienhaus mit 30 bis 50 Quadratmetern nutzbarer Dachfläche bleibt damit ausreichend Raum für beides.

Diese Kombination bündelt die Vorteile aus beiden vorherigen Abschnitten:

  1. Solarthermie entlastet die Wärmepumpe bei der Warmwasserbereitung und verbessert die JAZ,
  2. PV deckt einen erheblichen Teil des verbleibenden Wärmepumpenstroms und des übrigen Haushaltsstroms.

In der Praxis ist das vollständige Solardach häufig die wirtschaftlichste Gesamtlösung, weil beide Technologien genau dort ansetzen, wo die jeweils andere ihre Grenzen hat. Wir haben dieses Konzept bereits in unserer Pelletheizung-Reihe als „vollständiges Solardach” vorgestellt, dort mit Pelletkessel statt Wärmepumpe als Wärmeerzeuger, das Prinzip der Flächenaufteilung ist identisch.

Die intelligente Energiezentrale

Moderne Wärmepumpen sind längst mehr als reine Wärmeerzeuger, sie sind Teil eines vernetzten Energiesystems. Der technische Standard dafür heißt SG-Ready, kurz für „Smart Grid Ready”. Rund 95 Prozent der aktuell verkauften Luft-Wasser-Wärmepumpen erfüllen diesen Standard bereits.

Was das konkret bedeutet: Eine SG-Ready-fähige Wärmepumpe kann mit der PV-Anlage und dem Energiemanagementsystem im Haus kommunizieren. Wird gerade überschüssiger Solarstrom erzeugt, den ihr sonst nicht selbst verbraucht und der nur zur niedrigen Einspeisevergütung ins Netz fließen würde, erhöht die Wärmepumpe automatisch ihre Leistung und speichert die zusätzliche Wärme im Pufferspeicher, statt sie sofort zu benötigen. Diese vorausschauende Steuerung erhöht den Eigenverbrauch, ohne dass ihr selbst eingreifen müsst.

Batteriespeicher oder Wärmespeicher – oder sogar beides?

Diese Frage stellt sich fast jede:r, die:der eine PV-Anlage mit Wärmepumpe kombiniert, und die Antwort ist kein einfaches Entweder-oder.

Der Wärmespeicher, also der Pufferspeicher, den jede Wärmepumpenanlage ohnehin braucht, ist die kostengünstigste Form, überschüssigen Solarstrom indirekt zu nutzen, indem die Wärmepumpe bei PV-Überschuss vorheizt. Zusätzliche Kosten entstehen dabei kaum, weil die Komponente bereits Teil des Systems ist.

Der Batteriespeicher kostet zusätzlich, aktuell rund 300 bis 315 Euro pro kWh Speicherkapazität, empfohlen werden meist 8 bis 12 kWh. Er speichert ausschließlich Strom, den ihr aber für jeden beliebigen Zweck im Haushalt nutzen könnt, zum Beispiel für die Waschmaschine, das Licht oder das Laden eines Elektroautos am Abend, wenn die Sonne längst untergegangen ist. Genau das ist der entscheidende Unterschied: Ein Wärmespeicher hilft ausschließlich der Wärmepumpe, ein Batteriespeicher dem gesamten Haushalt.

Das heißt für euch: Wer in erster Linie die Wärmepumpe optimieren will, kommt oft auch ohne zusätzlichen Batteriespeicher zu guten Ergebnissen, weil der vorhandene Pufferspeicher und eine intelligente Steuerung bereits viel abdecken. Wer zusätzlich den gesamten Haushaltsstrombedarf möglichst autark decken möchte, für den lohnt sich der Batteriespeicher als Ergänzung, mit einer Autarkiequote von bis zu 62 Prozent statt 25 bis 40 Prozent ohne Speicher.

Hybridlösung mit Pelletkessel

Für besonders große Häuser oder Gebäude mit stark schwankendem Wärmebedarf kann auch eine Kombination aus Wärmepumpe und Pelletkessel sinnvoll sein. Die Wärmepumpe übernimmt dabei die Grundlast an den meisten Tagen des Jahres, der Pelletkessel springt nur bei sehr niedrigen Außentemperaturen ein, wenn die Effizienz der Wärmepumpe spürbar sinkt. Das schont die Wärmepumpe und hält den Stromverbrauch auch in kalten Wintern kalkulierbar. Die technischen Voraussetzungen und Investitionskosten für diese Hybridlösung haben wir bereits in Teil 5 unserer Pelletheizung-Reihe aus der umgekehrten Perspektive beschrieben.

Paradigma Projekt des Monats September 2025 Bostelmann & Euhus
Unser Paradigma “Projekt des Monats September 2025” – unsere Luft-Wasser-Wärmepumpe WP Aero Calima mit einer Nennleistung: 13 Kilowatt (kW) beheizt ein 200 Quadratmeter großes Haus (Baujahr 1998).  Foto: Bostelmann & Euhus

Praxisbeispiel: So sieht die Kombination bei unseren Paradigma Kund:innen aus

In unserem Paradigma “Projekt des Monats September 2025” (Titelfoto) zeigt sich genau die Kombination, um die es in diesem Teil geht, und dazu noch bei einer Zielgruppe, die in Teil 1 dieser Reihe besonders zögerlich war: einem frisch pensionierten Ehepaar. In ihrem 200 Quadratmeter (m2) großen Einfamilienhaus, Baujahr 1998, ersetzte unser Paradigma Partnerbetrieb Bostelmann & Euhus aus Visselhövede die 27 Jahre alte Ölheizung mit einer Paradigma Wärmepumpe WP Aero Calima (13 kW, A+++, JAZ zwischen 5,68 und 6,08). Zur Wahl standen zwei Angebote, eine Wärmepumpe oder ein Pelletkessel, jeweils kombiniert mit Solarthermie. Das Ehepaar entschied sich bewusst für die Wärmepumpe, weil sie im Alltag komfortabler ist als das Nachfüllen von Pellets, mit der Begründung: „Wir werden nicht jünger.” Dazu installierte der Partnerbetrieb zwei Solarthermiekollektoren mit rund 8 m2 Gesamtfläche, eine 12-kWp-PV-Anlage und einen Batteriespeicher mit 8,7 kWh Kapazität, alles auf der Rückseite des Dachs rund um das Zwerchdach verteilt. Eine Wallbox für ein künftiges Elektroauto ist bereits vorbereitet. Das Projekt zeigt anschaulich, dass die in diesem Artikel beschriebenen Kombinationen längst keine Theorie mehr sind, sondern in genau der Altersgruppe ankommen, die der Technologie oft am skeptischsten gegenübersteht.

Was diese Kombinationen für eure Entscheidung bedeuten

Eine Wärmepumpe allein ist bereits eine wirtschaftliche und klimafreundliche Lösung, wie wir in Teil 4 gezeigt haben. Mit PV, Solarthermie oder beidem zusammen verbessert sich diese Rechnung noch einmal deutlich, weil ihr den größten Kostenfaktor, den Strompreis, teilweise selbst in der Hand habt. Welche Kombination für euer Haus am sinnvollsten ist, hängt vor allem von der verfügbaren Dachfläche und eurem Budget ab, nicht von einer pauschalen Empfehlung.

Wie ihr die passende Wärmepumpe für euer konkretes Haus findet, von der Bauart bis zur richtigen Aufstellung, zeigen wir euch in Teil 6 dieser Reihe.

Alle Teile dieser Artikelreihe „Warum sich der Kauf einer Wärmepumpe 2026 lohnt” auf einen Klick

Fotos: Paradigma, Bostelmann & Euhus