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Wärmepumpe 2026 (3): Was bringt eine Wärmepumpe wirklich? JAZ, COP, SCOP und die Altbau-Frage

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Aufgrund der aktuellen Entwicklungen zum Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) haben wir unsere Artikelreihe „Warum sich der Kauf einer Wärmepumpe 2026 lohnt” unterbrochen, um euch zeitnah zu informieren. Heute geht es mit der Artikelreihe weiter. Drei Buchstabenkombinationen begegnen euch bei jedem Wärmepumpenangebot: JAZ, COP, SCOP. Sie stehen für die technischen Kennzahlen, die entscheiden, ob sich eine Wärmepumpe für euer Haus wirklich lohnt. In diesem Teil erklären wir sie verständlich, zeigen euch, warum die Vorlauftemperatur eures Heizsystems die eigentliche Schlüsselgröße ist, und beantworten die Frage, die viele von euch aus Teil 1 dieser Reihe mitgenommen haben: Funktioniert eine Wärmepumpe wirklich auch im Altbau?

JAZ, COP, SCOP: drei Kennzahlen, ein Prinzip

Alle drei Kennzahlen beschreiben dasselbe Grundprinzip, nur mit unterschiedlichem Zeitbezug: Wie viel Wärme liefert die Wärmepumpe pro eingesetzter Kilowattstunde (kWh)  Strom?

  1. COP (Coefficient of Performance): Das ist der Momentanwert. Er beschreibt die Effizienz an einem einzigen, genau definierten Betriebspunkt, etwa bei sieben Grad Celsius (°C) Außentemperatur und 35 °C Vorlauftemperatur. Ein COP von 4 bedeutet: In diesem Moment entstehen aus einer kWh Strom vier kWh Wärme. Zum besseren Verständnis: Der COP ist wie der Tachostand eures Autos: Er zeigt die Geschwindigkeit in genau diesem Augenblick, nicht das Durchschnittstempo der ganzen Fahrt.
  2. SCOP (Seasonal Coefficient of Performance): Das ist der COP über eine gesamte Heizperiode gemittelt, mit unterschiedlichen Außentemperaturen und unterschiedlicher Teillast, wie sie über den Winter tatsächlich auftreten. Der SCOP ist damit deutlich aussagekräftiger als ein einzelner COP-Wert, weil er die reale Schwankung von warmen Herbsttagen bis zu kalten Januarnächten abbildet. Bleiben wir bei der Auto-Analogie: Der SCOP ist der Durchschnittsverbrauch, den euer Auto über die ganze Fahrt tatsächlich anzeigt, nicht nur der Momentanverbrauch bei einem bestimmten Streckenabschnitt.
  3. JAZ (Jahresarbeitszahl): Sie ist dem SCOP inhaltlich sehr ähnlich, wird aber anders berechnet: Sie bezieht sich auf die konkrete, bereits installierte Anlage in eurem Haus, gemessen über ein tatsächliches Betriebsjahr. Während SCOP ein Laborwert nach europäischer Norm ist, den ihr beim Kauf vergleichen könnt, ist die JAZ der reale Wert, der sich erst zeigt, wenn die Anlage bei euch läuft. Beide Werte liegen für eine gut geplante Anlage meist nah beieinander, können aber auseinanderfallen, wenn die Wärmepumpe im Betrieb schlecht eingestellt ist oder das Heizsystem nicht optimal dazu passt.

Was JAZ & Co. für eure Heizkosten bedeuten

Eine Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von 4 liefert aus einer kWh Strom vier kWh Wärme. Bei einem Strompreis von 31 Cent pro kWh kostet eine kWh Wärme damit rund 7,75 Cent. Sinkt die JAZ jedoch auf 2,5, weil die Anlage unter ungünstigen Bedingungen läuft, steigen die Kosten pro kWh Wärme auf 12,4 Cent, also um mehr als die Hälfte. Genau deshalb lohnt es sich, die nächsten Abschnitte aufmerksam zu lesen.

Vorlauftemperatur als die Schlüsselgröße für Effizienz

Wenn eine einzige Zahl darüber entscheidet, wie gut eure Wärmepumpe arbeitet, dann ist es die Vorlauftemperatur. Sie beschreibt, wie warm das Wasser sein muss, das die Wärmepumpe durch Heizkörper oder Fußbodenheizung schickt, damit es in euren Räumen warm wird.

Der Grund, warum das so entscheidend ist, liegt in der Physik des Wärmepumpenkreislaufs, den wir in Teil 2 dieser Reihe erklärt haben: Je größer der Temperaturunterschied zwischen der Wärmequelle draußen und der benötigten Vorlauftemperatur drinnen, desto mehr Arbeit muss der Verdichter leisten, und desto mehr Strom verbraucht die Anlage.

Eine Fußbodenheizung braucht typischerweise nur 30 bis 40 °C Vorlauftemperatur, weil sie die Wärme über eine große Fläche abgibt. Für eine Wärmepumpe ist das der komfortabelste Arbeitsbereich, mit entsprechend hohen JAZ-Werten von 4 bis 5. Klassische Heizkörper, wie sie in vielen Altbauten verbaut sind, benötigen dagegen häufig 55 bis 70 °C Vorlauftemperatur, weil sie über eine kleinere Fläche mehr Wärme abgeben müssen. Bei diesen Temperaturen sinkt die JAZ spürbar, oft auf Werte zwischen 2 und 3.

Die Faustregel: Jedes Grad weniger Vorlauftemperatur verbessert die Effizienz der Wärmepumpe messbar. Deshalb lohnt es sich vor dem Kauf, prüfen zu lassen, mit welcher Vorlauftemperatur euer bestehendes Heizsystem tatsächlich läuft, und ob sich diese durch einzelne größere Heizkörper oder einen hydraulischen Abgleich senken lässt.

Funktioniert eine Wärmepumpe wirklich im Altbau?

Das ist die Frage, die sich viele von euch stellen. Die Antwort ist differenzierter als ein einfaches Ja oder Nein, aber grundsätzlich positiv.

Moderne Hochleistungswärmepumpen sind heute technisch in der Lage, auch bei 60 bis 75 °C Vorlauftemperatur zuverlässig zu arbeiten, und das selbst bei Außentemperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt. Das unterscheidet sie von älteren Gerätegenerationen, die bei solchen Anforderungen entweder gar nicht mehr liefern konnten oder nur mit stark abfallender Effizienz.

Ein Beispiel aus dem aktuellen Marktangebot: Leistungsstarke Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichen heute maximale Vorlauftemperaturen von 70 bis 75 °C, und halten davon selbst bei minus 10 bis minus 25 °C Außentemperatur noch 60 bis 70 °C konstant. Das bedeutet: Ein Altbau mit alten Heizkörpern, der bislang mit einer Gas- oder Ölheizung bei 65 °C Vorlauf betrieben wurde, kann grundsätzlich auch mit einer solchen Wärmepumpe versorgt werden, ohne dass sämtliche Heizkörper getauscht werden müssen.

Aber: Möglich heißt nicht automatisch effizient. Auch ein Hochleistungsgerät arbeitet bei 65 °C Vorlauf mit einer niedrigeren JAZ als bei 35 °C. Die realistische Erwartung für einen unsanierten Altbau mit hohen Vorlauftemperaturen liegt bei einer JAZ zwischen 2,5 und 3,5, während ein Neubau mit Fußbodenheizung Werte von 4 bis 5 erreicht. Beide Szenarien können wirtschaftlich sein, wie wir in Teil 4 dieser Reihe konkret vorrechnen, aber der Unterschied bei den Betriebskosten ist real und sollte vor dem Kauf einkalkuliert werden.

Praktisch heißt das: Wer im Altbau eine Wärmepumpe plant, sollte

  1. auf ein Gerät setzen, das für hohe Vorlauftemperaturen ausgelegt ist, und
  2. vorab prüfen lassen, ob sich die tatsächlich benötigte Vorlauftemperatur mit punktuellen Maßnahmen wie größere Heizkörper in einzelnen Räumen oder ein hydraulischer Abgleich noch senken lässt.

Beides zusammen macht oft den Unterschied zwischen einer mittelmäßigen und einer guten JAZ.

Was bei sehr kalten Außentemperaturen passiert

Der deutsche Winter ist selten extrem, aber er kennt durchaus Phasen mit anhaltendem Frost und gelegentlichen Kältewellen bis minus 15 oder minus 20 °C. Was passiert dann mit eurer Wärmepumpe?

Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen sind für den Betrieb bis minus 20 oder minus 25 °C Außentemperatur ausgelegt und liefern auch bei solchen Bedingungen noch Heizleistung, allerdings mit spürbar sinkendem COP. Bei minus 10 °C Außentemperatur und 55 °C Vorlauf bewegen sich realistische COP-Werte häufig zwischen 2 und 2,5.

Für die seltenen, besonders extremen Situationen verfügen viele Anlagen über einen elektrischen Heizstab als Backup. Er springt automatisch ein, wenn die Wärmepumpe allein die benötigte Heizlast nicht mehr decken kann, und arbeitet dann wie eine klassische Elektroheizung, also mit einem COP von 1. Das klingt zunächst nach einem Nachteil, ist in der Praxis aber unproblematisch: Ein gut dimensionierter Heizstab kommt in den meisten deutschen Wintern nur an wenigen Stunden im Jahr überhaupt zum Einsatz. Der überwiegende Teil der Heizperiode läuft über die eigentliche Wärmepumpe.

Realitätscheck für deutsche Winter: Die durchschnittliche Wintertemperatur liegt in den meisten Regionen Deutschlands auch in kalten Monaten über dem Gefrierpunkt, und Tage mit deutlich zweistelligen Minusgraden sind selten. Eine korrekt dimensionierte Wärmepumpe deckt den weit überwiegenden Teil des Jahreswärmebedarfs effizient ab, während der Heizstab lediglich Verbrauchsspitzen abfedert, die sich auf die Jahresbilanz kaum auswirken.

CO2-Bilanz: Wie grün ist eine Wärmepumpe wirklich?

Eine Wärmepumpe verbrennt selbst keinen fossilen Brennstoff, ihre CO2-Bilanz hängt aber vom Strommix ab, mit dem sie betrieben wird. Hier die aktuellen Zahlen:

Nach Berechnungen des Umweltbundesamts (UBA) lag der Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Bruttostromverbrauch im Jahr 2025 bei 55,1 Prozent.

Erneuerbare Energien Anteile am Stromverbrauch 2026
Erneuerbare Energien 2025: Der Anteil Erneuerbarer Energien am deutschen Bruttostromverbrauch im Jahr 2025. Grafik: UBA

Der CO2-Emissionsfaktor für den deutschen Strommix, also die durchschnittlichen Emissionen pro erzeugter kWh Strom, sank im gleichen Jahr auf 344 Gramm CO2 pro kWh (g/kWh), nach 353 g im Jahr 2024 und 379 g im Jahr 2023. Der Trend zeigt seit Jahren kontinuierlich nach unten, weil der Anteil erneuerbarer Energien wächst und fossile Kraftwerke zunehmend verdrängt werden.

Was das für eure Wärmepumpe konkret bedeutet: Bei einer JAZ von 4 und einem Jahreswärmebedarf von 15.000 kWh verbraucht die Anlage rund 3.750 kWh Strom. Multipliziert mit dem aktuellen Emissionsfaktor von 344 g/kWh ergibt das rund 1,29 Tonnen (t) CO2 pro Jahr. Zum Vergleich: Dieselbe Wärmemenge mit einer Gasheizung zu erzeugen, verursacht bei einem Emissionsfaktor von rund 202 g CO2 pro kWh Gas etwa 3,0 t CO2 im Jahr, also deutlich mehr als das Doppelte.

Wichtig: Wer seine Wärmepumpe zusätzlich mit einer eigenen Photovoltaikanlage kombiniert oder einen zertifizierten Ökostromtarif nutzt, senkt die CO2-Bilanz noch einmal deutlich, teilweise nahezu auf null für den selbst erzeugten und verbrauchten Anteil. Wie diese Kombination konkret funktioniert und was sie an Betriebskosten spart, zeigen wir euch ausführlich in Teil 5 dieser Reihe.

Die Entwicklung spricht zusätzlich für die Wärmepumpe: Anders als eine Gasheizung, deren Emissionsfaktor über die Lebensdauer der Anlage praktisch konstant bleibt, wird eine Wärmepumpe automatisch grüner, je weiter der Anteil erneuerbarer Energien im deutschen Stromnetz wächst, ganz ohne dass ihr selbst etwas an der Anlage verändern müsst.

Was JAZ & Co. für eure Kaufentscheidung bedeuten

JAZ, COP und SCOP sind die Zahlen, mit denen sich eure künftigen Heizkosten am zuverlässigsten abschätzen lassen. Wer ein Angebot vergleicht, sollte immer nach dem SCOP-Wert bei der für das eigene Haus realistischen Vorlauftemperatur fragen, nicht nach einem allgemeinen Bestwert, der unter Laborbedingungen bei niedrigem Vorlauf gemessen wurde.

Und die Vorlauftemperatur bleibt die zentrale Stellschraube: Wer sie vor dem Einbau realistisch einschätzen und wo möglich senken lässt, holt aus jeder Wärmepumpe spürbar mehr heraus, unabhängig davon, ob das Haus ein Neubau mit Fußbodenheizung oder ein Altbau mit klassischen Heizkörpern ist.

Was eine Wärmepumpe in der Anschaffung und im laufenden Betrieb tatsächlich kostet, und wie sich diese Kennzahlen konkret in Euro und Cent niederschlagen, rechnen wir euch in Teil 4 dieser Reihe vor.

Alle Teile dieser Artikelreihe „Warum sich der Kauf einer Wärmepumpe 2026 lohnt” auf einen Blick

Fotos: Paradigma, UBA (Grafik)