Das war das Solarthermie-Jahr 2016 – sonnige Trends mit Schattenseiten

Solarthermie Jahresrückblick 2016

Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende. Zeit für uns Solarthermie-Blogger hier auf Ecoquent Positions, einmal inne zu halten und zurückzuschauen. In Sachen Solarthermie ist in den vergangenen Monaten viel passiert – ich habe hier für euch einen bunten Mix an Daten, Fakten und Trends zur Solarthermie 2016 zusammengestellt.

Das Jahr 2016 brachte der Solarthermie-Branche Veränderungen. Die aus meiner Sicht wichtigste:  Es werden mehr und mehr Großanlagen zur Erzeugung solarer Wärme gebaut. Ein Trend, der, das wage ich hier zu behaupten, auch in 2017 anhalten wird:

Trend 1: Großanlagen zur Versorgung mit solare Nah- und Fernwärme werden mehr

Laut einem Bericht des Magazins für Wind-, Solar- und Bioenergie „Erneuerbare Energien“ hätte sich die Solarthermie-Branche seit Jahren schon das Ziel gesetzt, den Solarthermie-Markt weg vom Ein- und Zweifamilienhaus hin zu Großanlagen zu drehen. Sie tue das aus gutem Grund: Denn bei der  Nah- und Fernwärmeversorgung sei die Solarthermie mit Preisen zwischen drei und fünf Cent pro Kilowattstunde durchaus konkurrenzfähig – wobei die Preise abhängig von der Größe der Anlage seien, erklärte demnach Thomas Pauschinger, den ich übrigens auch schon interviewt habe, vom Steinbeis Forschungsinstitut für Solare und Nachhaltige Wärmeenergiesysteme auf der diesjährigen Solar District Heating Conferenz im dänischen Billund. Konkurrenzfähigkeit erreiche die Solarthermie dank Speichern. Und Henrik Lund von der Uni Aalborg ergänzte bei dieser Gelegenheit laut dem Branchen-Magazin, dass die Kosten für die Kilowattstunde gespeicherter Solarwärme mit steigender Größe des Speichers sinken würden, der wiederum von einer entsprechend großen Solarthermie-Anlage befüllt werden müsse.

Wir berichteten euch in diesem Jahr ausführlich über folgende Großanlagen mit Beteiligung von Ritter XL Solar – einem Unternehmen der Ritter Gruppe, die (wie ihr wisst) hinter unserem Blog steht:

Trend 2: Größere Anlagen für Mehrfamilienhäuser werden mehr

Ende November berichtete Christian Kerschl, Geschäftsführer des Sonnenhaus-Instituts, auf der Jahreshauptversammlung, dass im Vergleich zu den Vorjahren der Anteil an hauptsächlich solar beheizten Mehrfamilienhäusern weiter ansteige. Genauso verhalte es sich demnach bei Sonnenhäusern. Sonnenhäuser mit großen Solarthermie-Anlagen sind nach wie vor der häufigste Bautyp, zeige die Jahresstatistik. Doch auch wenn weiterhin Einfamilienhäuser die Spitze der neu errichteten Sonnenhäuser einnähmen, zeige sich, dass Mehrfamilienhäuser mit entsprechend größer dimensionierten Solaranlagen bzw. Solarheizungen aufholten. Dies treffe vor allem auf den Geschosswohnungsbau zu, der über vier oder mehr Wohneinheiten verfüge.

Trend 3: Kleinanlagen für Ein- und Zweifamilienhäuser werden weniger

Es ist kein Geheimnis: Der Absatz für kleine Solarthermie-Anlagen sinkt in Europa seit Jahren. Ob das zurückliegende Jahr 2016 da auch voll im Trend liegt oder nicht, wird sich zeigen: Wie genau sich der Absatz entwickelte, werden uns ESTIF & Co. im neuen Jahr sicher sagen. Die Zahlen von Anfang Dezember 2016 drehten sich ja noch rund um das vorhergehende Solarthermie-Jahr 2015. Nichtdestotrotz will ich sie euch hier nicht vorenthalten:

Das Jahr 2016 brachte uns den Überblick über das Solarthermie-Jahr 2015 …

In ihrer Marktübersicht für die Solarthermie macht die European Solar Thermal Industry Federation (ESTIF) auf dem gesamteuropäische Markt einen Rückgang um 6,6 Prozent im Jahr 2015 aus. Der Rückgang resultiere aus vielen schrumpfenden Einzelmärkten, aus denen zwei Ausnahmen signifikant heraus stechen würden: In Dänemark sei die Nachfrage demnach um satte 47,6 Prozent gestiegen. Und auch in Polen stehe die Solarthermie nach wie vor hoch im Kurs.

Während sich die Märkte in Kroatien und Griechenland kaum verändert hätten und der Nachfragerückgang in Schweden mit 1,5 Prozent weit unter dem Durchschnitt liege, sei der Absatz auf dem deutschen Solarthermie-Markt um überdurchschnittlich hohe 10,4 Prozent gesunken. In konkreten Zahlen geschrieben: 2015 wurden hierzulande nur noch 806.000 Quadratmeter neue Kollektorfläche installiert. Zum Vergleich: In 2014 waren es noch 900.000 Quadratmeter.

Und auch wenn die Bundesrepublik Deutschland immer noch der größte europäische Markt für Solarthermie sei, seien – bezogen auf den Ausbau von Solarthermie je Einwohner und deren Anteil an der gesamten Energieversorgung – die beiden Nachbarn Österreich und Dänemark längst viel weiter. Man muss sich das mal vorstellen: Die Dänen haben die Grenze von über einer Million Quadratmetern Solarthermie-Kollektorfläche inzwischen geknackt. Und hier schließt sich dann auch der Kreis zu Trend 1, denn Dänemark ist auch deshalb ein Schlüsselmarkt für die Solarthermie, weil dort Großanlagen gebaut werden.

… und teilweise auch schon erste Zahlen für 2016

Auch wenn es noch keine Gesamtjahreszahlen für die Solarthermie 2016 gibt, so habe ich doch die eine oder andere Zahl für euch zusammengetragen, die bereits aus diesem Jahr stammt:

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) teilte uns im Frühjahr dieses Jahres mit, dass die Verkaufszahlen von Solarthermie-Anlagen von November 2015 bis März 2016 um rund sieben Prozent höher gelegen hätten als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Ein Aufwärtstrend?

Mal sehen: Einen aktuellen Stand der Dinge auf dem Solarthermie-Markt kann man hierzulande immer ganz gut an den Antragszahlen für Mittel aus dem Marktanreizprogramm (MAP) ablesen, die die Nachfrage nach Fördermitteln für Solarwärmeanlagen widerspiegeln.

Für Oktober 2016 gibt’s folgende Zahlen: „Nach Angaben des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) wurden im Berichtsmonat 1.784 Anträge nach entsprechenden Fördermitteln aus dem Marktanreizprogramm gestellt. Das ist ein Rückgang um 34 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 2.717 Anträgen. Auch im Vergleich zum Vormonat September (2.205 Anträge) zeigt sich ein deutliches Minus“, berichtet EUWID hier. Das spricht eher gegen einen Aufwärtstrend. Bleibt tatsächlich dei Gesamtauswertung des Solarthermie-Jahres 2016 abzuwarten.

Trend 4: „Kannibalisierung auf dem Dach“ – Photovoltaik vs. Solarthermie – geht weiter

In einem Trendbericht zum österreichischen Solarthermie-Markt auf Grundlage des Branchenradars „Thermische Solarkollektoren“ in Österreich schätzt das Portal Baulinks.de die Lage dort wie folgt ein: Mit Beginn des Booms bei der Photovoltaik vor sieben Jahren sei der Markt für thermische Solarkollektoren in eine veritable Krise geschlittert, in deren Folge sich die Nachfrage bis heute mehr als halbiert hätte. Und ein Ende der Talfahrt sei demnach nicht absehbar. 2016 seien die Herstellerumsätze in diesem Bereich bei leicht sinkendem Durchschnittspreis (minus 2,5 Prozent gegenüber 2015) voraussichtlich um mehr als neun Prozent auf nunmehr nur noch 18,5 Millionen Euro gefallen. Begründet wird der starke Rückgang im Wesentlichen mit der “Kannibalisierung” durch die Photovoltaik: Beim Kampf um den Platz auf dem Dach ziehe die Solarthermie eindeutig den Kürzeren. In der Photovoltaik sähen viele gegenüber der Solarthermie einfach den größeren Nutzwert. Zudem seien Siliziumzellen in der öffentlichen Meinung zweifelsohne „sexyer“ als die „schwarzen Matten“ der Solarthermie. Dies gelte demnach insbesondere für private Bauherren. Ein Trend der sich nicht nur in Österreich trendy ist.

Was das Solarthermie-Jahr 2016 sonst noch so brachte: Mehr Fördergeld und Extra-Geld aus der Aktion Wintersonne

Der Januar 2016 brachte uns die Erhöhung der Zuschüsse zum Einbau neuer Heizungen plus Solarthermie. Die Förderung für den Austausch veralteter Heizungen wurde im Zuge dessen um 20 Prozent erhöht, wenn Solartechnik dabei zum Einsatz kommt. Damit summiert sich der Zuschuss für Hausbesitzer auf eine Höhe von mindestens 3.600 Euro. Enthalten ist auch ein einmaliger Investitionszuschuss von 600 Euro für die notwendigen Maßnahmen zur Optimierung der Energieeffizienz.

Förderfähig in diesem Sinne sind alte Heizungen, die

  • mit fossiler Energie (Heizgas oder Heizöl) betrieben werden,
  • weder Brennwerttechnik noch Brennstoffzellentechnologie nutzen
  • und die nicht unter die gesetzliche Austauschpflicht nach § 10 der Energieeinsparverordnung (EnEV) fallen

Für den Investitionszuschuss müssen folgende Schritte zur Optimierung der gesamten Heizungsanlage  durchgeführt werden:

  • Bestandsaufnahme und Analyse,
  • hydraulischer Abgleich und
  • Umsetzung aller nötigen Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz am gesamten Heizungssystem

Der Antrag für den zusätzlichen Zuschuss kann beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gestellt werden. Die Antragsformulare stehen seit Mitte Januar zum Download zur Verfügung.

Und wenn wir schon über Geld reden, dann will ich hier auch das Extra-Geld von Hersteller Paradigma, der auch zur Ritter Gruppe gehört, nennen, das ihr euch im Rahmen der Aktion “Wintersonne” sichern könnt, die ich euch hier bereits ausführlich vorgestellt habe.

So das war’s mit dem Blick zurück! Jetzt schauen wir nach vorn! Was bringt uns das Solarthermie-Jahr 2017?

Grafik: Doreen Brumme

 

 

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Vielen Dank und sonnige Grüße

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