Handwerker des Monats Siegfried Müller Seeg 12_2017

Handwerker des Monats: Staat muss Wärmewende mehr fördern!

Unser Handwerker des Monats Dezember leitet seinen 1883 gegründeten Betrieb, die Müller Wasser & Wärme GmbH & Co. KG mit Sitz in  der Hauptstraße 26 in 87637 Seeg, seit 1979 – das sind fast vier Jahrzehnte! Im Interview berichtet der Gas- und Wasserinstallationsmeister Siegfried Müller uns aus seinem alltäglichen Handwerk rund um die Solarthermie. Außerdem erklärt er, warum der Staat die Solarthermie mehr fördern muss.

Siegfried Müller, unser Handwerker des Monats, beschreiben Sie bitte kurz Ihren Betrieb!

Unser Familienunternehmen befindet sich im idyllischen Allgäu mit einer herrlichen Aussicht auf die Allgäuer Bergwelt. Zusammen mit unseren engagierten acht MitarbeiterInnen gehen wir die Besonderheiten eines jeden weiteren kommenden Projektes in den Bereichen Sanitär und Heizung an. Der Einsatz erneuerbarer Energien ist uns sehr wichtig und dies versuchen wir auch dem Kunden so weiterzugeben.

Wegen der Ferienregion Allgäu mit ihren vielen Ferienwohnungen/-häusern haben wir mit sehr vielen unterschiedlichen Charakteren zu tun, es lässt sich hier also kein typisches Kundenbild finden. 

Gerade in unserer ländlichen Gegend mit seinen vielen Landwirten wird der Rohstoff Holz noch hoch geschätzt und dies ist im Zusammenspiel mit einer Solarthermie-Anlage eine wunderbare Angelegenheit. 

Handwerker des Monats 12_2017 Siegfried Müller Wasser & Wärme GmbH 6 Co. KG
Der Betrieb unseres Handwerkers des Monats Dezember 2017 Siegfried Müller : die Müller Wasser & Wärme GmbH & Co. KG. Foto: Siegfried Müller, Müller Wasser und Wärme GmbH & Co. KG

Wie kamen Sie zu dem Beruf und was gefällt Ihnen daran? Was heißt es für Sie, einen Betrieb zu führen, der 1883 gegründet wurde?

Das Unternehmen in seiner Urform wurde 1883 von Josef Kranemann in Lengenwang gegründet und verkaufte überwiegend Eisenwaren. 1943 übernahm mein Vater Franz Müller das Geschäft und verlagerte es nach Seeg. Nach dem Umzug nach Seeg wurde der Eisenwaren-Betrieb um Sanitärinstallationen erweitert. Im Jahr 1979 habe ich den Betrieb von meinem Vater übernommen und mit dem Schwerpunkt Sanitär, Heizung und Spenglerei ausgebaut. Anmerkung der Redaktion: Ein Spengler ist ein Handwerker, der Gegenstände aus Metall bearbeitet und fertigt. Der Spengler, der auch Klempner genannt wird, verarbeitet Bleche zu Bauteilen im Bauwesen oder zu Handelswaren.

Mit der Firmenumstellung 2016 haben wir den Zweig Spenglerei aufgegeben, um uns mehr ums Kerngeschäft Sanitär- und Heizungstechnik zu kümmern. Damit haben wir auch die ersten Grundsteine zum weiteren Firmenbestehen gelegt. 

Wie kommt’s, dass das Thema Solarthermie auf der Liste Ihrer Dienstleistungen steht?

Wie schon angesprochen ist uns das Thema Erneuerbare Energie sehr wichtig und welches Medium, wenn nicht die Sonne, bietet uns kostenlose Energie in diesem Ausmaß, um sie nicht auch sinnvoll privat zu nutzen – sei es nun zur Heizungs- und Warmwasserunterstützung oder sogar, um sein heimisches Wohlfühlschwimmbad effizient und regenerativ zu beheizen?  

Wie ist bei Ihnen die Lage auf dem Solarthermie-Markt: Besteht eine rege Nachfrage? Wonach suchen die Kunden und welche Motive treiben sie in die Heizungsmodernisierung?

Wir sind sehr zufrieden, was die Nachfrage nach Solarthermie angeht: Wir befinden uns hier immer in einem gleichbleibenden Level. Viele Kunden wollen einfach ein System, das funktioniert – von einem Heizungsbauer, zu dem sie Vertrauen haben. Wir können hier sehr stolz sagen, dass wir zusammen mit Paradigma ein sehr gutes und qualitatives Produkt verbauen und dank eigener Überzeugung davon auch unsere Kunden überzeugen können.  

Siegfried Müller, Sie sind Paradigma-Partner. Was sind die Gründe dafür?

Anfang der 1990er-Jahre und angesichts der wachsenden Ölkrisen haben wir uns natürlich auch Gedanken darüber gemacht, ob ein fossiler Brennstoff wie Öl eine Zukunft haben kann. Wir mussten hier nicht lange überlegen, um auf die Antwort “Nein!” zu kommen. Dann galt es selbstverständlich, eine Alternative zum Heizen mit Öl zu finden. Auf der Suche danach sind wir sehr schnell auf Paradigma aufmerksam geworden: Heizen mit dem regenerativen Energieträger Holz in Verbindung mit einer Top Solarthermie-Anlage – das heißt, unabhängig von Öl zu heizen, einfach mit einem lokalen, natürlichen Brennstoff sowie mit  der allgegenwärtigen Sonne als Energielieferanten. 

Beschreiben Sie uns bitte Ihr aktuelles Paradigma-Solarthermie-Projekt!

Angefangen hat das Hotel-Projekt (Land- und Wellnesshotel Panorama) bereits im Jahr 2005 mit den ersten Solarthermie-Kollektoren und einem Pufferspeicher. Mit der steten Modernisierung und Erweiterung des Hotels wurde auch dessen Energiebedarf größer. Wegen der großen Zufriedenheit mit dem System und seiner Effizienz war der Wunsch auf Seiten der Hotelbetreiber da, die Solarthermie-Anlage 2009 um weitere Kollektoren auf 48 Quadratmeter (m²) zu erweitern. Ende 2015 folgten die nächste Vergrößerung des Hotels und der Bau eines Außenschwimmbades. Dafür stecken wir gerade in der Planung, um die Solarthermie-Anlage entsprechend zu erweitern.   

Solarthermie-Anlage Land- und Wellnesshotel Wanner Allgäu, Handwerker des Monats 12_2017 Siegfried Müller Seeg
Dem Land- und Wellness-Hotel Wanner im Allgäu hat unser Handwerker des Monats bereits mehrfach zu heute insgesamt 48 Quadratmetern Solarthermie-Kollektoren verholfen, um Heizung und Warmwasserbereitung zu unterstützen. Derzeit plant Siegfried Müller die solare Erwärmung des neu errichteten Außenschwimmbades. Foto: Siegfried Müller, Müller Wasser und Wärme GmbH & Co. KG

Würden Sie uns das Hotelprojekt als ein Projekt des Monats näher vorstellen?

Das mache ich sehr gerne!

Welches der von Ihnen bislang umgesetzten Solarthermie-Projekte ist Ihr Lieblingsprojekt und warum ist es das?

Selbstverständlich ist jedes Projekt, das wir mit Solarthermie ausführen können, ein Projekt, was uns am Herzen liegt. Aber wenn ich wählen müsste, wäre das ganz klar unsere Solarthermie-Anlage direkt hinter unserem Geschäft auf dem liebevoll genannten „Dorf-Ofen“. Dort haben wir ein Nahwärmeversorgungsnetz mit bislang 14 angeschlossenen Abnehmern, darunter

  • das Gemeindezentrum,
  • das Post-/Tourismusamt,
  • das Caritas Pflegeheim
  • und der Kindergarten,

das mit Wärme aus Biomasse und von einer Solarthermie-Anlage mit knapp 45 m² versorgt wird. Mit dem großen Pufferspeicher (13.200 Liter Fassungsvermögen) für die Bereitstellung der Energie geht hier jedes Quäntchen Energie der Sonne direkt ins Netz. Im Sommer können wir hier dank der Sonneneinstrahlung bis zu sechs Stunden Kessellaufzeit pro Tag einsparen! 

Beschreiben Sie uns bitte Ihr größtes Erfolgserlebnis in Sachen Solarthermie!

Das größte Erlebnis in Sachen Solarthermie, das lässt sich auf Anhieb gar nicht so einfach benennen. Es ist ja doch immer wieder aufs Neue eine Freude, wenn man nach der Heizungsmodernisierung mit Solarthermie die Reaktionen der Eigentümer hört: Zum Beispiel, wie effizient und toll die Anlage jetzt laufe. Und wenn ich von so manchen Kunden sogar konkrete Zahlen bekomme, die mich dann denken lassen: Wow! Die Anlage läuft mehr als perfekt! Die Zufriedenheit meiner Kunden ist auch meine. 

Und wo drückt der Schuh im Alltag? Welche Hürden sind im alltäglichen Umgang mit Solarthermie gegebenenfalls besonders hoch beziehungsweise schwer zu nehmen?

Viele Kunden sind von so vielen Eindrücken und Meinungen so überfordert, dass wir hier oft ganz neu ansetzen müssen. Insbesondere, wenn es um das Thema „Solarthermie ist das nicht dasselbe wie Photovoltaik (PV)“ geht. Hier muss ich mir jedoch ganz klar vor Augen führen, dass ich die Sonnenenergie für das Heizungsnetz nicht besser verwerten kann als mit einer Solarthermie-Anlage. Leider haben viele Leute aber noch die rosarote Brille auf, wenn es um Photovoltaik und den Eigenverbrauch geht … Man darf nicht vergessen: Während ich bei einer Solarthermie-Anlage mein Medium direkt mit der Sonne aufheize, muss ich bei der PV den gewonnen Strom erst wieder in Wärme umwandeln. 

Was wünschen Sie sich als Handwerke des Monats für Ihren Solarthermie-Job?

Dass die Energiewende nicht nur eine reine Stromwende bleibt beziehungsweise wird. Hier muss so viel zusammengreifen, auch eines jeden Heizsystem. Wir werden nicht alle Heizungen mit Strom beheizen können … Das muss der Staat erkennen und er muss mit Förderungen vor allem im Bereich Solarthermie frühzeitig einlenken. 

Vielen Dank, Siegfried Müller, dass Sie sich heute Zeit für unser Interview genommen haben! Wir sind gespannt auf das Hotel-Projekt, das wir in Kürze vorstellen!

Fotos: Siegfried Müller, Müller Wasser & Wärme GmbH & Co. KG