Dirk Herrlein verkauft Solarthermie mit viel Gefühl | Handwerker des Monats 09/2015

Handwerker Dirk Herrlein

Wir schreiben den 1. September und so präsentieren wir unseren nächsten „Handwerker des Monats“: Dirk Herrlein, Geschäftsführer und Gesellschafter der Herrlein Sanitär-Heizung GmbH & Co. KG aus Würzburg. Im Interview erzählt uns der Solarthermie-Experte, warum die Solarthermie trotz dessen, dass er sich beim ersten Aufeinander-treffen zuerst buchstäblich die Finger an ihr verbrannte, zu seinem Steckenpferd wurde – und er sie heute mit viel Gefühl verkauft.

Dirk Herrlein, beschreiben Sie bitte kurz Ihren Betrieb!

Dirk Herrlein, Handwerker des Monats: Wir sind ein Familienbetrieb in der zweiten Generation mit sechs Mitarbeitern, davon zwei Azubis. Ich bin Geschäftsführer und Gesellschafter, gemeinsam mit meiner Mutter. Wir sind nur im Bestand beziehungsweise in der Modernisierung tätig – kein Neubau – und arbeiten sehr regional im Stadtgebiet Würzburg und den umliegenden Gemeinden.

Wie kamen Sie zu dem Beruf und was gefällt Ihnen daran?

Für meinen Beruf habe ich mich erst auf dem zweiten Weg entschieden – und mir gefällt besonders der tägliche Kontakt mit den Kunden und die Aufgabenstellung bei technischen Problemen beziehungsweise deren Lösung.

Wie kommt’s, dass das Thema Solarthermie auf der Liste Ihrer Dienstleistungen steht?

1995 haben wir unsere erste solarthermische Anlage gebaut …

… das sind heuer zwei Jahrzehnte Solarthermie, Glückwunsch!

Danke! (lacht) mit Heatpipe-Röhren. Nach der Inbetriebnahme habe ich mir – ich war ein junger und unerfahrener Monteur – beim Isolieren die Finger verbrannt, weil schon ordentlich Leistung vom Dach kam. Da hat mich fasziniert und ich habe mich in den nächsten Jahren konsequent in das Thema eingearbeitet. Kostenlose Energie vom Dach – einfach prima!

Inzwischen sehe ich die Sonnenenergie als einzige unerschöpfliche und kostenlose Energiequelle – die muss man einfach nutzen! Was mit den fossilen Brennstoffen passiert, kann man zwischen den Zeilen der Nachrichten lesen. Solarthermie ist mein Steckenpferd!

Sie sind Paradigma-Partner. Was sind die Gründe für diese Partnerschaft?

Im Laufe der Jahre haben wir verschiedene Systeme ausprobiert und unsere Erfahrungen gesammelt. Ich hatte immer den Eindruck, dass Solarthermie nur ein Nebenprodukt bei den Herstellern war und auch so behandelt wurde. Die Systeme wurden immer komplexer und dadurch wurde die Wirtschaftlichkeit reduziert.

Bei Paradigma bin ich erstmals auf Menschen gestoßen, die genauso dachten wie ich und die der Sonne im Heizsystem oberste Priorität einräumten. Die Systeme wurden einfacher und unter Beachtung der physikalischen Grundsätze sehr leistungsstark. Ausschlaggebend war dann das Aqua System – dies hat mich sofort überzeugt. Und die Möglichkeit einer einfachen Nachrüstung war genial. Damit ist die Entscheidung für eine Partnerschaft gefallen.

Welches der von Ihnen bisher realisierten Solarthermie-Projekte ist Ihr Lieblingsprojekt und warum ist es das?

Jedes Projekt ist mein aktuelles Lieblingsprojekt! (lacht) Beispielhaft jedoch ist ein Projekt aus diesem Frühjahr: Ein 3-Familienhaus ist von Ölheizung auf Pellets umgestellt worden, unterstützt von 15 Quadratmetern CPC-Vakuumröhrenkollektoren und Expresso-Frischwasserspeicher.

Beschreiben Sie uns bitte Ihr größtes Erfolgserlebnis in Sachen Solarthermie!

Mein größtes Erfolgserlebnis bestand darin, einen sehr kritischen Kunden von den Vorteilen und Vorzügen eines neuen Heizsystems mit Solarthermie zu überzeugen und diese Anlage zu montieren. Wir haben dort ein Modula NT, ein Expresso 840 und zwei CPC 45 montiert. Das große Erlebnis kam dann nach anderthalb Jahren in Form einer E-Mail: Der Kunde hat mir die Abrechnung seines Gasversorgers mit der Bemerkung geschickt, dass die versprochene Energieeinsparung deutlich überschritten wäre und tatsächlich bei rund 25 Prozent liegen würde! Begeisterung pur …

Und wo drückt der Schuh im Alltag? Welche Hürden sind im alltäglichen Umgang mit Solarthermie gegebenenfalls besonders hoch beziehungsweise schwer zu nehmen?

Im Alltag machen uns die wechselhaften Förderungen Kummer – und die ewige Verwechslung von Photovoltaik (PV) und Solarthermie. Das wird in den Medien alles über einen Kamm geschert und nicht unterschieden! Selbst in Fachzeitschriften entdeckt man immer wieder Beiträge über Solarthermie und PV ist auf den Fotos abgebildet. (Anm. der Red.: Cornelia hat hier schon mal eine Bildanleitung für Journalisten geschrieben, damit dieses Problem beherrschbarer wird).

Das beobachten wir leider auch häufig …

Weiterhin ist beim Kunden noch nicht der Unterschied zwischen Flach- und Röhrenkollektoren angekommen, selbst  sogenannte Fachleute können den Unterschied manchmal nicht erklären und werfen alles in einen Topf.

Eine ertragsbezogene Förderung würde hier Wunder wirken und die effizienten Röhrenkollektoren fördern. Auch steigende Preise für fossile Brennstoffe würden zu einem Umdenken führen.

Was wünschen Sie sich für Ihren Solarthermie-Job?

Steigende Energiepreise, mehr Transparenz über die tatsächlichen Kollektorerträge, stabile Förderungen, faire Berichterstattungen …

Herr Herrlein, in Gesprächen mit Handwerkern hören wir mitunter, dass es so manchem Kollegen lieber sei, ein Bad einzubauen, als eine Solarthermie-Anlage aufs Dach zu montieren. Wie sehen Sie das „Baddilemma“ – und falls es so ist, was müsste Ihrer Meinung nach zugunsten der Solarthermie verbessert werden?

Da wir auch ein Fachbetrieb für Badsanierungen sind, kann ich das Thema von beiden Seiten betrachten:

Ein Badezimmer ist viel emotionaler als eine Heizungsanlage. Hier kommen mehr Gefühle, Wellness und Entspannung ins Spiel, als bei einer Heizung. Eine Heizung wird fast immer rational betrachtet und zusätzliche Investitionen werden unter dem Aspekt der Amortisation bewertet. Das kommt daher, dass die Heizung fast unsichtbar im Keller montiert ist und sowieso gebraucht wird. Frieren will keiner … Bei einem Bad hat mich noch kein Kunde nach der Amortisation gefragt!

Seit ich Sonnenheizungen emotionaler verkaufe, läuft es besser …

Wie lässt sich Solarthermie emotionaler verkaufen?

Schlagworte hierzu sind Komfort, Unabhängigkeit, Umweltfreundlichkeit, Kostenentlastung – auch im Alter. Familien mit Kindern reagieren hier besser als Senioren …

Dem Thema Amortisation begegne ich mit der Frage,  wann sich die Alufelgen des Familienautos rentieren (lacht). An schönen Dingen hat man seine Freude und die Anschaffung kostet halt Geld. Damit ist dieses Thema entschärft.

Steigende Energiepreise unterstützen die Sonnenheizung. Wer seine Freude an Solarthermie hat, gibt dafür auch gerne Geld aus. Hier sind die Paradigma Anlagen wieder Vorreiter, da man sehr leicht die Leistung und Erträge ablesen kann. Besonders die Frauen sind nach meiner Erfahrung später in der Praxis diejenigen, die genau über die Leistungen und Einsparungen Bescheid wissen.

Weiterhin kann ich meine Begeisterung für diese Technik oftmals auf die Kunden übertragen und somit den Wunsch nach einer Solarthermie-Anlage „verstärken“.

Herr Herrlein, Ihre Strategie der Emotionalisierung der Solarthermie ist Klasse. Die sollte Schule machen! Danke, dass Sie so offen aus der Werkzeugkiste geplaudert haben!

 

 

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