Klimaangst

Klimakatastrophe: Hab keine Klimaangst! … oder doch?

Die Aussichten sind schlecht: Das Klima wandelt sich bereits massiv unter dem Einfluss von uns Menschen. Davon zeugen Berichte aus aller Welt: zum Beispiel dieser mit dem Titel “Ganz Venedig sackt ab!” oder dieser darüber, wie Simbabwe versucht, Elefanten zu retten. Den Klimawandel zu stoppen, scheint angesichts der täglich neuen schlechten Nachrichten aussichtlos. Ihn zu bremsen, um die Katastrophe hinauszuzögern, das bräuchte unser aller Handeln. Jetzt. Doch daran mangelt es. Stattdessen herrscht Klimaangst. 

Angst stellt sich ein. Bei Groß und bei Klein. Angst vor einer bislang nie da gewesenen Gefahr: Die Angst vor dem Ende der Menschheit. Die Prognosen für den Planeten und uns darauf sind bei einem ungebremsten Klimawandel mehr als düster: Unzählige Landteile unter Wasser, weil der Meeresspiegel ansteigt. Dürregebiete. Umwetter.  Millionen Menschen auf der Flucht. Leid. Krankheit. Tod. Dazu Krieg um Nahrung und Trinkwasser. Noch mehr Tote.

Die menschengemachte Klimakatastrophe ist für manche Menschen bereits alltägliche Gegenwart, während andere ihren Eintritt in der Zukunft – mal näher, mal ferner –  fürchten. Beides ist beängstigend. Klimaangst lähmt. Klimaangst macht krank. Wer Klimaangst hat, schottet sich ab. Klimaangst macht einsam. Dem Klimawandel die Stirn bieten, das fällt schwer, wenn man Klimaangst hat und tief verwurzelte Fluchtinstinkte einsetzen. Von einer gemeinsamen Front gegen ihn ganz zu schweigen.

Die, die bereits direkt von der Klimakatastrophe betroffen waren oder sind, entwickeln Ängste und Deperessionen, nachdem sie Flut, Dürre oder anderes überlebt haben. Posttraumatisch. Die, die wir die Bilder von Auswüchsen der Klimakatastrophe in Zeitungen, TV und Internet sehen, bekommen Angst vor dem, was uns vielleicht schon bald trifft. Auch das lässt Deperessionen aufkommen.

Eltern wie ich, ich bin eine #motherof4, sehen sich plötzlich mit den diffusen oder konkreten Ängsten ihrer Kinder konfrontiert, die sie, wenn sie ticken wie ich, vielleicht gleichfalls empfinden – der Umgang mit der Angst, der der Kinder und der eigenen, wirft Fragen auf. Fragen, die dringend einer Antwort bedürfen.

Denn Angst kann auch mobilisieren.

Als Mutter von vier Kindern, um deren Zukunft ich mehr fürchte als um meine eigene, lese ich derzeit alles, was mir zum Umgang mit der Klimaangst unter die Finger kommt. Meine besten Fundstücke stelle ich euch hier vor. Denn ich will #hope4future entfachen, auch wenn es nur ein Fünkchen ist, das ich hiermit zu entzünden vermag:

  • Klima-Angst kann auch mobilisieren” – unter diesem Titel zeigt der Beitrag auf dem Portal Klimareporter auf, dass insbesondere der Jugend neben der Angst vor dem Klimawandel auch ein gehöriges Maß an Optimismus innewohnt.
  • Zwischen Depression und Angst: Wie gehe ich mit meinen Gefühlen zum Klimawandel um?” – in diesem Beitrag geht es um die Gefühle, darunter auch Angst, von Lisa, 22, zum Klimawandel und ihrem Umgang damit. Außerdem kommt eine Psychotherapeutin zu Wort, die erklärt, warum allein die Bilder des real existierenden Klimawandels in uns Depressionen verursachen und was wir dagegen tun können.
  • Negative Schlagzeilen: Stoppt die Überflutung!” – Dieser Beitrag beschreibt, wie die Flut schlechter Nachrichten unser negatives Weltbild bedingt und krank macht. Er zeigt zudem auf, was jeder tun kann, um diesem Stress zu entkommen und nimmt auch die Macher der schlechten Nachrichten, die Journalisten, in die Verantwortung, die eher konstruktiv denn negativ über das Weltgeschehen, darunter den Klimawandel, berichten sollten. Wer mehr von der Beitragsautorin Prof. Dr. Maren Urner lesen will, sollte sich ihr Buch “Schluss mit dem täglichen Weltuntergang” reinziehen.
  • Mit den Worten “Ich habe Klima-Angst.” bekennt sich die Bloggerin Jenny auf ihrem Blog “Mehr als Grünzeug” zu ihrem Gefühl und beschreibt ihren Umgang damit – persönlich, nahbar.
  • Der Beitrag “Das entscheidende Gefühl. Hoffnung in der Klimakrise” von Rico Grimm auf Krautreporter.de ist “Ein Text für Menschen, die Angst haben” und ich empfehle seine Lektüre von Herzen. Denn er macht #hope4future: “Die Hoffnung liegt nun unten bei den Menschen, die heute vielleicht noch nicht wissen, dass sie durch die Klimakrise die Gelegenheit bekommen, die Themen anzugehen, die ihnen am Herzen liegen. Wenn sie das aber zu ahnen beginnen, wenn sie plötzlich wieder die Möglichkeit für echte politische Veränderung sehen, die nicht blockiert werden kann von den heute Mächtigen, weil wir und diese Welt auf dem Spiel stehen, werden sie auf die Klimakrise anders schauen.”
  • Hier könnt ihr ein spannendes Interview mit Jan Lenarz lesen, indem er unter anderem erklärt, was Klimaangst ist und wie man damit umgehen kann. Lenarz selbst ist Aktivist für mentale Gesundheit, Autor und Verleger. Im Februar 2020 erscheint sein „Leitfaden für eine gesunde Psyche auf einer kranken Erde“. Jan hat auch den @klimaangst ins Leben gerufen, auf dem er über Klima-Angst aufklärt. Seine Internet-Seite heißt: klima-angst.
  • Der Focus wertet in seinem Bericht hier die Shell-Studie 2019 aus, für die im Frühjahr dieses Jahres 2.572 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 12 und 25 Jahren anhand eines standardisierten Fragebogens zu ihren aktuellen Werten, Sorgen und Ängsten interviewt worden sind. Ihre Botschaft sei demnach:
    “Wir bleiben zuversichtlich, aber hört auf uns, und achtet jetzt auf unsere Zukunft”.
  • Die Wochenzeitung Zeit schreibt in ihrer Online-Ausgabe, dass “Die Apokalypse … leider auserzählt” sei. Er fordert Immanuel Kants Ultima Ratio als letzten “Anker der im kantischen Sinn Vernünftigen, als Immunisierung gegen die Egoisten, Zynikerinnen und Scheinvernünftigen, die glauben, die halbgekrümmte Erde sei in irgendeiner Weise realistisch” ein, um der Klimakatastrophe zu begegnen: “Jedes Mitglied dieser Gesellschaft kann – zumindest, wenn es den Ausgleich zwischen seinen und anderen Interessen als notwendig akzeptiert – Klimaschützerin zunächst nur für sich selbst sein. Denn Klimaschutz kann nur aus einer grundlegenden Motivation heraus geschehen wie etwa dem Respekt vor der Schöpfung, den eigenen Kindern oder schlicht der Idee, kein gewissenloses Arschloch zu sein. Er ist verloren oder wird notwendig terroristisch, wenn er mit allen Mitteln zu verhindern sucht, was doch seine Gewissheit ist, so überheblich sie auch klingt: Als erste Generation der Menschheitsgeschichte können die jetzt Lebenden – auch aufgrund ihres immensen Wissens – realistisch damit rechnen, dass ihr eigenes Ende mit einem Ende oder radikalen Bruch dieser Geschichte zu tun hat.”
  • Der Trend- und Zukunftsforscher, Publizist und Visionär Matthias Horx hat mich schon während meines Studiums in einem Workshop zur Zukunftsforschung sehr beeindruckt. In seinem Text “Warum die Klimakatastrophe nicht kommen wird. Plädoyer für einen neuen Öko-Realismus“, den er zusammen mit Dr. Daniel Dettling verfasste, benennt er unter anderem “Teller, Gabel und Messer” als “die schärfsten Waffen gegen den Klimawandel”. Weiter heißt es darin: “Um ein komplexes Spiel im Sinn eines »Win-Win«-Ergebnisses zu gewinnen, müssen alle Player an einem Strang ziehen, ihre Interessen koordinieren und synchronisieren. Um die große Transformation zu schaffen, braucht es neben der Politik die Bürger UND die Unternehmen. Bislang hat die Industrie gezögert, die Bürger gezweifelt und die Politik reflexhaft agiert, je nach Stimmungslage.” Außerdem liefern Horx und Dettling uns eine “Prognose: Der ‘Carbon Peak’, der Gipfel des globalen CO2-Ausstosses, werde schon in den nächsten zehn Jahren erreicht. Damit sei noch nicht alles gewonnen, aber solche Entwicklungen seien erfahrungsgemäß selbstverstärkend. 2050 werde das Wort ‘Klimakatastrophe’ aus dem öffentlichen Wortschatz verschwunden sein. Wir würden uns wieder über schlechtes Wetter aufregen – ‘zu heiß, zu kalt, zu windig’. Es werde wärmer sein auf dem Planeten, aber deshalb nicht unbedingt dauerhaft katastrophisch. Ökologie handele dann nicht mehr von Schuld, Sünde, Strafe und Enthaltsamkeit. Eine Ökologie der Schuld funktioniere demnach nur für eine moralische Minderheit. Die postfossile Sanierung unseres Planeten brauche aber eine gesellschaftliche Mehrheit, die Lust auf Zukunft mache. Und die Dinge zusammenfüge, die tatsächlich zusammen gehörten. Ökologie und Ökonomie. Technik und Natur. Fortschritt und Schönheit. Das gehe. Wetten?

Die Wette steht!

Wer ähnlich gute Lesestücke zum Thema Klimaangst und dem Umgang damit kennt, schreibt die Fundstellen bitte in den Kommentar! Danke dafür!