Ausgerechnet Dänemark?, dachte ich, als ich zum ersten Mal von der Vorreiterrolle des Landes bei solarthermischen Großanlagen las. Hatte ich doch in meinem Auslandssemester die Sonne nur selten gesehen. Allerdings war das auch ein Winterhalbjahr 🙂 Und irgendwie passt es dann doch, denn Dänemark hat generell in Sachen Erneuerbare Energien die Nase ziemlich weit vorn. Nicht nur bei der Stromerzeugung aus Windenergie, sondern auch bei der Fernwärme.
Solare Fernwärme seit 1988
Die größten Solaranlagen Europas sind fast alle in Dänemark angesiedelt – Claudia hat ja sowohl diese Datenbank solarer Großanlagen in Europa als auch die größten dänischen Solaranlagen schon mal genauer unter die Lupe genommen. Angefangen hatte alles mit der Anlage in Nordjütland, in Saltum. Die 1.000 m² große Anlage ist seit 1988 in Betrieb. 25 Jahre später – im vergangenen Frühjahr – erfolgte der Spatenstich für Dänemarks größte Solaranlage in Dronninglund. Geplant sind 35.000 m² Kollektorfläche für einen Solarertrag von 15.000 MWh jährlich – nachzulesen auf dem Nachrichtenportal Solarthermalworld. Damit wird sie die bisher größte dänische Anlage in Marstal nochmal um bald 2.000 m² übertreffen. Die dänischen solaren Großanlagen arbeiten übrigens alle mit Flachkollektoren.
Eine Kilowattstunde Wärme zu 3 – 4 ct
Auf Solarthermalworld findet sich auch eine Studie zum Download: Long Term Experiences with Solar District Heating in Denmark. Ihr zufolge kostet die Kilowattstunde Wärme lediglich 3 – 4 ct / kWh. Zugrunde liegt eine Anlagenlebensdauer von 20 Jahren. Die Studie enthält aber nicht nur Langzeiterfahrungen der Vergangenheit, sondern bescheinigt Dänemark auch ein riesiges Potential für die Zukunft in Sachen Solarthermie.
Vierzig Prozent solare Fernwärme bis 2050
Gleich mehrere dänische Institutionen und Behörden sind sich einig, dass 10 % des Fernwärmebedarfs in Dänemark bis zum Jahr 2030 durch Solarenergie gedeckt werden können – das entspricht rund 8 Millionen m² Kollektorfläche oder einer Leistung von 2.7 TWh (Terawattstunden); die Hälfte davon kann schon bis 2020 realisiert werden. Die Dänische Energieagentur im Klima- und Energieministerium kommt darüber hinaus zu dem Schluss, dass bis 2050 sogar 40 % des Fernwärmebedarfs aus Solarthermie gedeckt werden können. Wie ernst es Dänemark meint, sieht man an den geplaten Anlagen. Da wird einem ganz schummrig vor Augen. Auch die anderen Grafiken und Erklärungen dieser Präsentation sind sehenswert.
Biomasse, Solarthermie und Kraft-Wärme-Kopplung
Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg der Solarthermie in der Fernwärme ist die konsequente Kombination mehrerer Technologien: Solarwärme und Biomasse im Doppel erzeugen kontinuierlich Wärme, Kraft-Wärme-Kopplung sorgt für Wärme und Stromerzeugung zugleich. Weiters setzen die Dänen auf Wärmespeicherung. Herzstück der neuen Anlage in Dronninglund wird ein Wasserspeicher mit 60.000 m³ Inhalt sein.
Dänemark meint es ernst mit der Energiewende – bereits jetzt deckt das Land gut 20 % seines Energiebedarfs erneuerbar. Ein wichtiger Beitrag zu dem ehrgeizigen Ziel der Dänen, bis 2050 komplett unabhängig von fossilen Energien zu sein.
Wie viel kostet Solarthermie in Deutschland und Österreich?
Was meint ihr? Wie ist dieser Preis möglich und warum wird hierzulande nicht auch endlich in dieser Preissprache (Wärmepreis/Gestehungskosten) gesprochen? Wo liegt man derzeit in Deutschland und Österreich bei den Kosten von Solarer Fernwärme? Ich weiß, wir sind euch schon lange einen Beitrag zum Thema Gestehungskosten von Solarthermie schuldig, wir sind aber noch immer am Zusammentragen von Informationen und es scheint nur wenige bis gar keine Institutionen zu geben, die sich dem Thema annehmen.
Foto: © Peregrine981 | wikipedia.org
Die Preise sind denke ich auch in Deutschland, Österreich oder der Schweiz zu erreichen. Ich hatte im Sommer mal Kontakt zu einem großen Projekt bei dem die Solarwärme für 5,5 Cent verkauft werden, also die Gestehungskosten noch mal etwas darunter liegen müssten (hier nachzulesen: http://www.sonnewindwaerme.de/solarthermie/contracting-endlich-eine-referenz)
Und das geht noch günstiger, da die Anlage nur einige hundert Quadratmeter hat. Die Economy-of-Scale lässt da denke ich noch einiges zu.
Oh sehr cool! Immer her mit solchen Beispielen. EoN Hanse Wärme steht ohnehin schon lange auf dem Blog-Speiseplan 😉 5,5 Ct Verkaufspreis sind ja echt der Hammer. Wieso wird da so viel um den heißen Brei geredet? Warum gibt es so wenige Studien zu dem Thema? Liegt es daran, dass die Bandbreiten noch zu groß sind? Das hat die PV ja auch nicht davon abgehalten endlich mal Vergleiche zu ziehen und mittlerweile gibt es wirklich belastbares Material.
1.) Die Systeme sind komplexer und schwerer vergleichbar. Die Leistung der ST-Anlage stark abhängig von den Randbedingungen wie Verbraucherlast, Rücklauftemperatur, Speicher, Verrohrung im Kollektorfeld, Wärmeträgermedium, Bauart des Kollektors usw. von Montage, Ausrichtung und Anstellung noch nichteinmal gesprochen.
2.) Wer gut schmiert der gut fährt. Für damals gut 50ct/kWh PV kann man davon ausgehen das dort reichlich Material gesammelt wird. Im ST Bereich ist oft nur in F&E- Projekten eine adequate Datengrundlage vorhanden, bei manchen Betreibern speziell in SE sind teilweise nicht wirklich große Interessen an Solaranlagen vorhanden. Stillstandszeiten, zu hohe KOllektortemperaturen, … werden nicht registriert.
Genossenschaftliche Betreibermodelle quasi non profit, hohe Steuern auf fossile Kraftstroffe und ein hoher Anteil Windenergie machen die Projekte in Dänemark rentabel. DAs Herzstück bildet jedoch dort eher der große Speicher der verbraucherlastunabhängigen Betrieb von KWK und Elektorheizstab ermöglicht und somit die Teilnahme am Spot- und REgelenergiemarkt an der skandinavischen Strombörse.
Österreich Wels und Graz Solare Wärmegestehungskosten 6-8 ct/kwh (Quelle: S.O.L.I.D.)
Interessantes Projekt, Bioenergiedorf Büsingen: http://www.bioenergiedorf-buesingen.de/ (Solarcomplex)
Danke Herr Derbholz! Ich weiß, dass die Solarthermie viel schwieriger zu bewerten ist als Photovoltaik, aber dennoch kann es nicht komplexer sein als ein Atomkraftwerk, wo es ja auch gemacht wird. Es muss endlich etwas mehr Transparenz in den Markt, damit auch klar wird, wo noch Handlungsbedarf besteht. Was ich ja bis heute nicht verstehe, ist warum es nicht mehr Wärmemengenzähler gibt.
Haben Sie noch mehr Informationen zum Thema Spot- und Regelenergiemarkt? Können die Heizkraftwerke da tatsächlich direkt teilnehmen?
In Dänemark gibt ordentliche Fördersummen für den Einbau von Elektroboilern/Heizstäben zur Beteiligung am Regelenergiemarkt. Für Wärmepumpen sind sie (noch) etwas geringer.
Bei weiterem Interesse sind folgende Links interessant. Behandeln beide unter anderem diese Thematik.
http://lup.lub.lu.se/luur/download?func=downloadFile&recordOId=2174449&fileOId=2174452
http://energioresund.org/pic_m/18_verdi_182_MajaBaungaardKandidatspeciale.pdf
(für die Inhalte sind allein die Autoren verantwortlich, gefunden via google)
Danke für die tiefergehenden Informationen – das gibt uns wertvollen Input für unsere weiteren Artikel. Viele Grüße!
In den nächsten Wochen werden wir an das Fernwärmenetz Grassau- Rottau angeschlossen. Wir haben einen Pufferspeicher mit 800 Liter und benötigen einen Warmwasserspeicher ! Der Installateur ist der Meinung: ” Der Pufferspeicher müsste ausgetauscht werden ! Ich frage, warum ?
Ihre Antwort erwartend verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
Hans-Peter Lohrmann