Heizen mit Gas wird teurer

Start der Heizsaison 2021/22 – Achtung: Heizen mit Gas wird teuer!

Veröffentlicht von

Am 1. Oktober startet in Deutschland die Heizsaison. Kurz vor dem Start berichten die Medien landauf landab und darüber hinaus auch in Österreich, dass Verbraucher mit höheren Ausgaben fürs Heizen mit Gas rechnen müssten. Wir erklären euch hier, was Sache ist. 

Laut einem Online-Bericht der Nachrichtensendung Tagesschau sollten sich Verbraucher auf einen teureren Winter vorbereiten, da die Preise für Erdgas seit Monaten gestiegen seien. Diese Nachricht trifft viele Heizungsbetreiber in Deutschland, denn die meisten Deutschen heizen aktuell mit Gasheizungen.

Gesamtbestand Heizungen Deutschland 2020

Gasheizungen – meist genutzte Wärmeerzeuger in Deutschland

Den jüngsten Zahlen des Bundesverbandes der deutschen Heizungsindustrie (BDH) zufolge seien im ersten Halbjahr dieses Jahres in Deutschland 320.000 neue Gasheizungen verbaut worden. Damit habe sich der Absatz von Gasheizungen im zurückliegenden Halbjahr nach dem Rekordjahr 2020 noch einmal um 18 Prozent erhöht. Insgesamt sei der Gasheizungsmarkt in den ersten sechs Monaten 2021 um 26 Prozent auf 459.000 Geräte gewachsen. 

Warum Heizen mit Gas in der kommenden Heizsaison 2021/22 teurer wird

Höhere Großhandelspreise für Erdgas

Laut dem bereits erwähnten Tagesschau-Bericht seien die Großhandelspreise für Erdgas seit Monaten nach oben geklettert. Das wirke sich demnach immer stärker auf die Verbraucher aus, denn die regionalen Gasanbieter würden ihre Preise entsprechend erhöhen. Die Tagesschau beruft sich auf Angaben des Vergleichsportals Verivox, demnach hätten mit Stand vom 20. September 2021 bereits 32 Gasanbieter für September und Oktober Preiserhöhungen von durchschnittlich 12,6 Prozent angekündigt. Das Beheizen eines Einfamilienhauses würde somit jährliche Mehrkosten von 188 Euro verursachen. Ein sattes Plus, das fast die Hälfte aller deutschen Haushalte träfe.

Die Tagesschau online erklärt, dass noch im Frühjahr 2020 Gas verhältnismäßig günstig gewesen sei… Doch das habe sich demnach seit dem vergangenen Winter geändert. Die Einfuhrpreise für Erdgas, die das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ermittele, seien allein zwischen Januar und Juli 2021 um 42 Prozent gestiegen. Der von der Tagesschau zitierte Verivox-Energieexperte Thorsten Storck erwarte in diesem Herbst eine größere Gaspreiswelle… Heizen mit Gas wird teurer.

Leere Speicher

Die Gasheizkosten stiegen laut der Tagesschau online auch deshalb, weil sich nach dem Wiederanlaufen der Wirtschaft nach der pandemiebedingten Pause die weltweite Nachfrage nach Erdgas wieder normalisiert habe. Dabei beruft sich die Nachrichtensendung auf Fabian Huneke vom Beratungsunternehmen Energy Brainpool.

Hinzu komme, dass die Gasspeicher in Europa nach dem vergleichsweise kalten Winter 2020/21 noch nicht wieder komplett aufgefüllt seien. In Deutschland seien sie aktuell zu weniger als zwei Drittel gefüllt, wie eine Recherche auf der Datenplattform der Betreiber ergeben hätte. Vor einem Jahr habe der Füllstand dagegen gut 94 Prozent betragen. Auch in den meisten Jahren zuvor seien die Speicher vor Beginn der Heizsaison deutlich besser gefüllt gewesen als zurzeit.

Der Tageschau online zufolge würden sich die Fachleuten uneins darüber sein, warum die Gasspeicher heuer so leer seien. Ausfälle und Wartungsarbeiten an der Gas-Infrastruktur in Europa hätten zur Folge gehabt, dass die Gasspeicher nicht so stark wie sonst üblich über den Sommer gefüllt werden konnten. Mit diesen Worten zitiert die Nachrichtensendung Eren Çam vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität Köln. Der Essener Energiekonzern RWE verweise laut der Tagesschau online zudem auf das Auslaufen der Erdgasproduktion in den Niederlanden.

Darüber hinaus könne auch der zurzeit hohe Erdgaspreis eine Rolle bei den vergleichsweise ungefüllten Speichern spielen. Denn die Unternehmen würden sich scheuen, zu viel teures Gas vorrätig zu halten. Die Annahmen des Marktes zur weiteren Entwicklung der Preise hätten dazu geführt, dass in der bisherigen Einspeisesaison weniger Gas eingelagert worden sei. Das sagte ein Sprecher des Energiekonzerns Uniper der Tagesschau online. Uniper verfüge demnach über die größte Speicherkapazität in Deutschland, die derzeit zu etwa 88 Prozent gefüllt sei.

Erdgaslieferant Gazprom – leere Speicher in Deutschland und Europa – Heizen mit Gas wird teurer

Wohin die Abhängigkeit Deutschlands von Lieferanten fossiler Brennstoffe wie Gazprom aus Russland führen könne, zeigt die Tagesschau online in ihrem Bericht auch auf – sie zitiert Oliver Krischer, den Fraktionsvizen der Grünen im Bundestag mit den Worten: “Die Situation bei den leeren Gazprom-Speichern in Deutschland und Europa dürfte bewusst herbeigeführt worden sein”. Dazu müsse man wissen, dass Gazprom über seine Tochterfirma Astora unter anderem den Speicher im niedersächsischen Rehden betreibe, der mit einem Volumen von vier Milliarden Kubikmetern einer der größten in Europa sei. Am 15. September habe die Datenplattform für den Speicher in Rehden einen Füllstand von weniger als fünf Prozent ausgewiesen.

Mit Blick auf das Genehmigungsverfahren für die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 warne Krischer Deutschland davor, “in eine Situation mit Erpressungspotenzial” zu geraten. Die Tagesschau online berichtet weiter, dass der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow kürzlich Vermutungen zurückgewiesen hätte, dass die Energiegroßmacht Russland irgendetwas mit der derzeitigen Preisrally bei den Erdgaspreisen zu tun hätte.

Sebastian Bleschke, Geschäftsführer des Speicher-Branchenverbandes warne der Nachrichtensendung zufolge, dass wenn die Gasspeicher nicht ausreichend befüllt seien, es zu Zeiten hoher Nachfrage zu Gas-Versorgungsunterbrechungen kommen könne. Wobei er auch anmerkt, dass zum jetzigen Zeitpunkt nicht die Gefahr einer Versorgungslücke bestünde.

Die Zahlen und Fakten sprechen nicht gerade für den Brennstoff Heizgas. Weil er importiert werden muss, bleibt Deutschland abhängig von den Lieferanten. Diese Abhängigkeit ist politisch wie wirtschaftlich. Hinzu kommt die vergleichsweise schlechte Klimabilanz des fossilen Brennstoffs. Stellt sich die Frage nach der Zukunftsfähigkeit des Wärmeerzeugers Gasheizung: Solange dieser mit fossilem Brennstoff läuft, sieht es nicht rosig aus.

Foto: Doreen Brumme