Club of Rome Earth for all

Thinktank Club of Rome: “Earth for all” – neuer Bericht liefert Anleitung zur Rettung der Welt

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Noch sei die Welt zu retten. Davon gehen zumindest die Verfasser des neuen  Berichts des Club of Rome “Earth for all” aus. Vor 50 Jahren rüttelte ihr Bericht “Die Grenzen des Wachstums” die Welt bereits auf und gilt bis heute als die einflussreichste Veröffentlichung zum Kollaps, der unserem Planeten droht. Schon damals warnten die Forscher davor, dass Wirtschaft, Umwelt und Lebensqualität zusammenbrechen würden, wenn es der Menschheit nicht gelänge ihre Art und Weise zu wirtschaften und zu verbrauchen zu ändern. Anfang September erschien der neue Bericht in deutsche Sprache (siehe Titelfoto). Er ist eine, teils sehr konkrete, Gebrauchsanleitung zur Rettung der Welt. 

Der neue Bericht des Club of Rome beginnt mit diesen Sätzen, die den Handlungsbedarf mehr als deutlich machen:

“Dies ist ein Buch über unsere Zukunft – die kollektive Zukunft der Menschheit in diesem Jahrhundert, um genau zu sein. Die Zivilisation steht an einem Scheideweg. Während wir dieses Buch schreiben, ist die Welt immer noch im Griff einer Pandemie, verheerende
Brände wüten und Kriege werden geführt – sichere Zeichen dafür, dass Gesellschaften trotz beispielloser Fortschritte extrem schockanfällig bleiben. Abgesehen von den unmittelbaren Bedrohungen befinden wir uns inmitten eines planetaren Notstands, den wir selbst verursacht haben. Dieses Buch will darlegen, dass die Zukunft der Menschheit langfristig davon abhängt, ob unsere Zivilisation – eine bewundernswerte, unbekümmerte, vielgestaltige, inspirierende und verwirrende Zivilisation – in den kommenden
Jahrzehnten fünf außerordentliche Kehrtwenden vollzieht.”

Fünf Kehrtwenden, um die Welt zu retten

Dem neuen Bericht des Club of Rome zufolge müsse die Menschheit fünf Kehrtwenden vollziehen, um die Welt zu retten und sich damit eine Zukunft zu eröffnen:

  1. Beendigung der Armut,
  2. Beseitigung der eklatanten Ungleichheit,
  3. Ermächtigung der Frauen,
  4. Aufbau eines für Menschen und Ökosysteme gesunden Nahrungsmittelsystems
  5. und Übergang zum Einsatz sauberer Energie.

Für den aktuellen Club-of-Rome-Bericht, an dem laut Medienberichten wie diesem der Süddeutschen Zeitung unter anderem Sandrine Dixson-Declève, Ko-Präsidentin des Club of Rome, und der Erdsystemwissenschaftler Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung als Hauptautoren mitgeschrieben hätten, sei die Computersimulation “Earth4All” genutzt worden. Aus den möglichen Szenarien zur Weltrettung, die sich daraus ergeben hätten, seien zwei für das Buch ausgewählt worden:

  1. “Too Little Too Late” (auf Deutsch in etwa: “zu wenig zu spät”)
  2. und “Giant Leap” (“Riesensprung”).

Das Szenario “Too Little Too Late” zeige demnach, was geschehen könnte, wenn wir Menschen mit dem aktuell dominierenden Wirtschaftssystem mehr oder weniger so weiterwirtschaften würden wie im zurückliegenden halben Jahrhundert.

“Giant Leap” dagegen eröffne einen Weg, das Wirtschaftssystem mit mutigen, außerordentlichen Bemühungen umzugestalten, um so eine resilientere Zivilisation aufzubauen.

Anschaulich gemacht würden die potenziellen Entwicklungen der kommenden Jahrzehnte am fiktiven Schicksal von vier im Jahr 2020 geborenen Mädchen aus China, den USA, Bangladesch und Nigeria.

Laut den Experten hinter dem Club-of-Rome-Bericht, hänge eine lebenswerte Zukunft vor allem von mehr Gleichheit und Gerechtigkeit ab. Ein extremes Maß an Ungleichheit sei demnach äußerst destruktiv, “auch für die Reichen”, warnen sie. Denn es begünstige Verhältnisse, die für alle gefährlich seien.

Eine nicht minder wichtige Rolle spiele dafür Bildung, die kritisches Denken und komplexes Systemdenken vermittle und zwar für Mädchen wie Jungen gleichermaßen.

Die bedeutendste Herausforderung unserer Tage: Unfähigkeit zwischen Fakt und Fake zu unterscheiden

Denn die bedeutendste Herausforderung unserer Tage sei demnach weder der Klimawandel, noch der Verlust an Biodiversität oder Pandemien. Das bedeutendste Problem sei unsere kollektive Unfähigkeit, zwischen Fakten und Fiktion zu unterscheiden. Es gebe demnach in sozialen Medien eine Industrie der Falsch- und Desinformationen, was der Polarisierung von Gesellschaften Vorschub leiste und dazu beitrage, “dass wir angesichts der kollektiven Herausforderungen unfähig sind, zusammenzuarbeiten oder uns auch nur über Grundtatsachen zu verständigen”.

Zu den Herausforderungen bei der Transformation des globalen Energiesystems zähle laut dem Bericht des Club of Rome die “sehr reale Gefahr” einer gesellschaftlichen Destabilisierung im Zuge der Umgestaltung des Energiesystems. Wenn die ärmste Mehrheit von den steigenden Energiekosten am stärksten betroffen sei, werden diese Menschen gegen die Energiepolitik protestieren, ist zu lesen. Im zugehörigen Kapitel des Berichts geht es unter anderem um:

Die Energiekehrtwende: Vollständige Elektrifizierung

  • Herausforderungen
  • Nur nicht nach oben schauen
  • Lösung 1: Einführung systemischer Effizienz
  • Lösung 2: Elektrifizierung von (fast) allem
  • Lösung 3: Exponentielles Wachstum neuer erneuerbarer Energien
  • Energiekehrtwende in der Earth4All-Analyse
  • Hürden und Hindernisse

“Wir wissen, was Sie jetzt sagen werden”, heißt es zum Ende des mehr as 240 Seiten umfassenden Berichts des Club of Rome.

  • Die Aufgaben seien gewaltig.
  • Die Hindernisse seien riesig.
  • Die Gefahren seien enorm.
  • Die Zeit, die uns bleibt, sei kurz.

Die schwersten Aufgaben der schnellsten wirtschaftlichen Transformation der Geschichte müssten demnach dennoch im ersten Jahrzehnt angepackt werden.

Doch so entmutigend Ausmaß und nötige Geschwindigkeit der Transformation erscheinen mögen – vielleicht gebe es eine gute Nachricht, schreibt die Süddeutsche Zeitung: Möglicherweise sei die Entwicklung an mancher Stelle schon weiter als gedacht und es bedürfe nur noch eines Stupses, um sie endgültig in Gang zu bringen. So ehrgeizig der mit “Earth for All” präsentierte Leitfaden sei, er sei auch “beharrlich optimistisch”.

In der Pressemeldung zur Buchveröffentlichung heißt es über den Bericht des Club of Rome, dass mit ihm ein Genesungsprogramm für unsere krisengeschüttelte Welt vorliege. “Earth for All. Ein Survivalguide für unseren Planeten” erkunde  die vielversprechendsten Wege aus dem Notstand. In jahrelanger Arbeit
und unter Beteiligung einer Vielzahl renommierter Ökonomen und anderer Wissenschaftler seien Pfade identifiziert worden, auf denen mit vergleichbar kleinen Weichenstellungen der größte humanitäre, soziale, ökologische und wirtschaftliche Nutzen für alle erreicht werden könne: gegen die Armut im globalen Süden und die grassierende Ungleichheit und für eine regenerative und naturverträgliche Landwirtschaft, eine umfassende Energiewende und die Gleichstellung der Frauen.

“Earth for all” sei demnach nichts weniger als ein Mittel gegen die Verzweiflung. Geschrieben in einem offenen, zugänglichen und inspirierenden Stil mit klarer Sprache und eindrucksvollen Grafiken.

Titelgrafik: Oekom – Gesellschaft für ökologische Kommunikation mbH