Wärmenetze bieten Riesenchance für die Wärmewende!

Wärmenetze

Bei der Diskussion der Energiewende liegt das Hauptaugenmerk immer noch auf dem Strom – oder bestenfalls beim Heizen mit der Wärmepumpe oder besserer Dämmung. Immer noch viel zu selten hört man von Alternativen zur Einzelversorgung durch Wärmenetze: In Deutschland ist der Anteil an Fernwärme am Endenergiebedarf gerade mal bei 6 %. In Dänemark, das dabei sehr stark auf Solarthermie setzt, liegt der Anteil zehnmal so hoch!

Sieben deutsche Institutionen empfehlen Ausbau von Nah- und Fernwärme

Um die Wärme-Energiewende auch bei uns voranzubringen, haben sieben deutsche Institutionen ein gemeinsames Positionspapier „Bedeutung von Wärmenetzen für die Energiewende“ herausgegeben:

  • KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg
  • Öko-Institut e.V.
  • Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW)
  • Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
  • Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM
  • Institut für ZukunftsEnergieSysteme (IZES)
  • Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu)

Das Positionspapier arbeitet die Bedeutung des Wärmesektors für die Energiewende heraus und empfiehlt ein stärkeres Engagement für die Nah- und Fernwärme – wärmstens, sozusagen!

Wärme und Strom ergänzen sich

Als Wärmeerzeuger eignen sich besonders Blockheizkraftwerke (BHKW), weil hier Strom und Wärme gleichzeitig produziert werden und sich auch gegenseitig ergänzen können. Zum Beispiel, indem man überschüssigen Strom in Wärmespeicher einspeist. Außerdem sind Wärmenetze und –speicher offen für Erneuerbare Energiequellen wie Solarthermie oder Geothermie, oder auch die Einspeisung von Industrieabwärme.

Vorurteile abbauen, Vorteile nutzen

Das macht Wärmenetze flexibel und stärkt die Versorgungssicherheit; und die Wertschöpfung bleibt im Ort. Trotzdem fürchten sich viele Hausbesitzer offenbar vor der langfristigen Bindung an einen Wärmenetzbetreiber und höheren Kosten. Tatsächlich aber macht man sich laut Dr. Volker Kienzlen von der KEA bei der Einzelversorgung mit Erdgas und Heizöl noch viel mehr abhängig von den Rohstoffpreisen und der Verfügbarkeit. Für den Endverbraucher hat die zentrale Wärmeversorgung eine Reihe von Vorteilen:

  • Zentrale Wärmeversorgung ermöglicht günstigere Wärmepreise
  • Wegfall laufender Kosten und Komfortgewinn (eigene Heizanlage entfällt)
  • Keine Brennstoffbeschaffung und –lagerung
  • Geringer Platzbedarf für die Übergabestation
  • Netzbetreiber kümmert sich um Anpassung an neue Technologien und Wärmequellen

Kommunen als Wegbereiter der zentralen Wärmeversorgung

Das Positionspapier sieht kommunale Wärmepläne als wesentlichen Baustein für den Netzausbau. Dabei können Städte und Gemeinden von den Erfahrungen anderer Kommunen und Länder profitieren. Nicht nur in Dänemark wird Fernwärme mehr und mehr zur Standardversorgung bei Wohnhäusern, auch niederländische Wärmenetze setzen auf Solarthermie – die hochkarätigen Experten zitieren in ihrem Positionspapier sogar unseren Artikel dazu 🙂 Hier die wichtigsten Instrumente für einen Schub beim Netzausbau:

  • Kommunale Wärmepläne
  • Machbarkeitsstudien für die in Frage kommenden Quartiere; quartiersweise Umsetzung
  • Einführung von Abwärmekatastern
  • Einrichtung eines Nahwärme-Beraterpools für Kommunen, Genossenschaften, Stadtwerke
  • Förderberatung für potenzielle Investoren
  • Die Kommunen können so auch leichter und umfassender Einfluss auf den Klimaschutz und den Einsatz von Erneuerbaren Energien auf ihrem Gemeindegebiet nehmen.

Hohe Verantwortung der Energieversorger

Dadurch kommt Kommunen und Betreibern der zentralen Wärmeversorgung natürlich auch eine hohe Verantwortung zu, die richtigen Entscheidungen zu treffen und den Bürgern die genannten Vorteile auch wirklich anbieten zu können. Voraussetzung ist ein langfristiges Engagement, eine stabile Struktur des Versorgungsunternehmens und stabile politische Unterstützung.

Bild: REHAU AG + Co

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2 Kommentare zu “Wärmenetze bieten Riesenchance für die Wärmewende!”

  1. Ramona

    Das klingt ja alles schön und logisch, aber leider wird das Monopol der Fernwärmeversorgung oft von den Kommunen ausgenutzt, indem sie die Preise für die Wärmeversorgung unverhältnismäßig anheben. Die betroffenen Kunden können ihrerseits nicht aus dem Vertrag aussteigen, da bei Fernwärmeversorgung oftmals Anschlusszwang besteht und andere Wärmeversorgungsmöglichkeiten nicht erlaubt sind. Für Nahwärmenetze gilt vielleicht etwas anderes.

    1. Sabine E. Rädisch Post Author

      Hallo Ramona, das ist ein berechtigter Einwand. Tatsächlich hielt das Bundeskartellamt einige Fernwärmeanbieter für zu teuer und geht wohl auch gegen sie vor. Allerdings besteht die Gefahr ja nicht nur im Wärmebereich, sondern überall dort, wo Ver- und Entsorger eine Monopolstellung haben. Trotzdem kommt kaum jemand noch auf die Idee, einen eigenen Brunnen oder eine eigene Kläranlage betreiben zu wollen, wo eine Wasserversorgung bzw. ein Abwasserkanal vorhanden ist (auch hier besteht Anschluss- und Benutzungszwang). Für Abwassergebühren zum Beispiel gibt es harte gesetzliche Vorgaben, was in diese Gebühren hineingerechnet werden darf und was nicht. Das ist sicher auch für Fernwärmeversorgung denkbar bzw. für alle Bereiche, wo es keine Alternative zum Anbieter gibt. Der Anschlusszwang ergibt aus meiner Sicht Sinn, da ansonsten die genannten Kostenvorteile nicht zum Tragen kommen – und die müssen freilich in Form angemessener Preise an die Endverbraucher weitergegeben werden. Im Idealfall sind die Preise einer gemeinschaftlichen Versorgung tatsächlich niedriger als die von Einzelanlagen.

      Wo ziehen Sie denn die Grenze zwischen Fern- und Nahwärmenetzen? (Cornelia hat sich hier schon mal mit der Frage beschäftigt). Meinen Sie, dass bei der Versorgung eines kleineren Gebiets, z.B. eines Stadtviertels oder eines Dorfes, die Gefahr einer Preissteigerung geringer ist, als wenn größere Energieversorger ihre Markmacht ausnutzen? Es sind ja auch Genossenschaftsmodelle denkbar, bei denen die Endverbraucher selbst Eigentümer ihrer Energieversorgung sind.

      Wenn Sie vor allem bei den überregionalen, nicht-kommunalen Anbietern die Gefahr sehen – die Ersteller des Positionspapiers sehen ja vor allem die Kommunen selbst als „Motoren“ der Fern/Nahwärmewende und sie weisen auch explizit auf deren hohe Verantwortung hin.

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