Wieso soll ich mich trotz niedriger Ölpreise für eine Solarthermieanlage entscheiden?

Die Heizölpreise liegen momentan bei unter 60 ct / Liter Heizöl. Selbst ein nicht ganz sparsames, älteres Haus kommt so mit unter 1.000 Euro Heizölkosten recht günstig über den Winter; ein Neubau ist noch viel sparsamer beim Verbrauch. Und im Moment scheinen die Ölpreise noch weiter zu sinken. Warum also über eine Solarthermieanlage nachdenken oder über andere Erneuerbare Heizquellen? Mir drängt sich da zuerst eine andere Frage auf:

Bleibt das Öl so billig?

Selbst ich als Techniktante habe verinnerlicht, dass Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen. Auf der Nachfrageseite stehen die Industrie- und Schwellenländer. Dabei können schon kleine Schwankungen bei großen Volkswirtschaften gravierende Auswirkungen haben: Die gegenwärtige Wirtschaftsflaute in China lässt den Ölpreis sinken – im Moment. Konkurrent Indien wächst derzeit schneller.

Die USA hingegen machten auf der Angebotsseite von sich reden: Durch die Erschließung der Schiefergas-Vorkommen reihten sie sich in die Riege der größten Erdölproduzenten weltweit ein. Doch ironischerweise ließ gerade der Preisrückgang auch das Fracking wieder unwirtschaftlich werden; der Fracking-Boom ist zuende. Momentan jedoch übersteigt das weltweite Ölangebot noch die Nachfrage.

Experten sind sich uneins

Wenn ich nach dem Ölpreis google, finde ich Widersprüchliches: Die einen sagen, dass sich der Ölpreis noch lange nicht erholt. Die anderen warnen bereits vor einer künstlichen Verknappung – schließlich schmälern die günstigen Preise den Gewinn der erdölfördernden Länder. Die OPEC-Staaten werden ihre Ölfördermengen bis auf Weiteres nicht einschränken. Die meisten Mitgliedsstaaten profitieren vom niedrigen Ölpreis, Venezuelas Wirtschaft hingegen leidet.

Wie sieht es mit der Versorgungssicherheit aus?

Und dann sind da auch noch die Nicht-OPEC-Förderländer – wie zum Beispiel Russland, das vergeblich versucht hat, die OPEC-Staaten zu einer Förderbegrenzung zu überreden. Also jede Menge Konfliktpotenzial. Die Krisenherde dieser Welt liegen auffällig oft in Erdölfördergebieten und da kann alles Mögliche passieren – vom Lieferengpass bis zum Boykott. Der Ölpreis hängt also auch davon ab, wer gerade an welcher Schraube dreht.

Mehr Unabhängigkeit, bitte!

Wenn ich mir diese Fakten so anschaue, komme ich mir vor wie ein Spielball der Geopolitik. Mehr Energieautarkie ist also gefragt. Die Sonne zum Beispiel kann nicht mal Herr Putin am Scheinen hindern. Solarthermie liefert kostenlos und ölpreisunabhängig Wärme. Deckungsgrade über 90 Prozent sind sogar im Altbau möglich; doch auch wer noch mehr zuheizen muss, spart Heizöl oder kann ganz darauf verzichten – zum Beispiel mit einer Pellet- oder Stückholzheizung. Kombinationspartner für die Solarthermieanlage gibt es viele.

Heizen mit Solarthermie ist vorausschauend

Dem Erneuerbaren Heizen gehört die Zukunft – umweltbewusste Bauherren suchen schon lange nach emissionsarmen Alternativen zum Öl. Zudem müssen alte Ölheizungen ohnehin ausgetauscht werden, und ein erneuerbarer Anteil an der Energieversorgung von Neubauten ist Pflicht. 

Solarthermie rechnet sich

Und rechnen tut sich das ganze auch – mit und ohne staatliche Förderung. Außer Betriebsstrom und regelmäßiger Wartung fallen keine Verbrauchskosten an; verglichen mit den reinen Brennstoffkosten einer fossilen Heizung kostet Solarthermie also „nichts“. Ein echter Vergleich ist aber nur über die Wärmegestehungskosten möglich, d.h. wenn auch die Investitionskosten (umgelegt auf die Amortisationsdauer der Anlage) mit einbezogen werden. Solarthermie ist gegenüber einer Ölheizung durchaus konkurrenzfähig. Bei größeren Anlagen sind Preise deutlich unter 10 ct/Kilowattstunde jetzt schon möglich – einschließlich der Investitionskosten und ohne Ölpreisrisiko.

Foto: TimToppik / photocase.de

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