Wie sieht der Heizungsmarkt der Zukunft aus?

Manchmal wäre es schön, eine Glaskugel zu haben, mit der wir in die Zukunft schauen können – doch zum Glück ist die Zukunft nicht unabänderlich vorherbestimmt, sondern das Ergebnis dessen, was wir heute entscheiden – besonders auf die Wärmewende trifft das zu. Deshalb mache ich mir heute ein paar Gedanken darüber, wie der Heizungsmarkt der Zukunft aussehen könnte und wen oder was es braucht, damit ecoquente Heizkonzepte auf den Weg gebracht werden.

Das Ende des Fossilzeitalters

Fest steht: Rein fossiles Heizen ist nicht mehr zeitgemäß und auch nicht mehr gesetzeskonform. Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) verpflichtet dazu, Erneuerbare Energien beim Heizen einzusetzen; alte Ölkessel müssen ausgetauscht werden und die Anforderungen an den Gebäudestandard werden immer höher. EU-Richtlinien sorgen dafür, dass es in den anderen europäischen Ländern ähnlich aussieht; manche Länder machen auch schon mehr, als sie müssen, wie z.B. Dänemark. Viele Menschen wollen so oder so weg von Gas und Öl – aus Überzeugung, weil sie unabhängiger von den politisch brisanten Erdöl- und Gaslieferstaaten werden wollen oder schlicht aus finanziellen Gründen.

Alter von Ölheizungen: Viele haben ihre Lebensdauer schon erreicht

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Was heißt das für den Heizungsmarkt der Zukunft?

Alternativen zur herkömmlichen fossilen Einzelheizung werden also immer wichtiger – als da wären:

  • Solarthermie für Warmwasser und/oder Raumwärme
  • Holz- oder Pelletofen (als Einzelheizung) und andere Biomasse-Heizungen, z.B. großmaßstäblicher als Blockheizkraftwerke
  • Wärmepumpen in ihren vielen Varianten: Geothermie, Wärme aus Grundwasser, Umgebungsluft oder zur Nutzung von Abwärme aus anderen Energieumwandlungsprozessen
  • modernisierte Gas- oder Ölheizung, mit effizienter Brennwerttechnik ausgestattet und geringerer Leistung als zuvor, da sie mit Erneuerbaren kombiniert werden
  • Fernwärme aus Erneuerbaren Energien, z.B. eine Kombi aus Solarthermie und Biomasse wie in Büsingen
  • Heizen mit Strom ist immer wieder ein kontrovers diskutiertes Thema; für geringen Wärmebedarf und vor allem zu Zeiten, in denen ein Überangebot an Photovoltaikstrom da ist, kann es durchaus sinnvoll sein
  • Solarthermieanlagen für solare Prozesswärme

Der Heizungsmarkt der Zukunft braucht Kreativität und Konzepte

Bei den Einzelheizungen werden Hybridsysteme immer wichtiger: Die Kombination von fluktuierenden Energiequellen wie Sonne oder Umweltwärme mit kontinuierlich verfügbaren Energien. Da ist Kreativität gefragt und natürlich Technologie: Speichertechnik, (Weiter)entwicklung von Hochleistungskollektoren, intelligente Solarregler, Effizienzsteigerung bei den Wärmepumpen, Senkung des Wärmebedarfs von Gebäuden, Erschließung neuer (Ab)Wärmequellen. Die Technologie muss von innovativen Herstellern kommen und kundige Haustechnikplaner und Handwerker setzen sie dann vor Ort in ertragsoptimierte Heizanlagen um. Unsere Projekte des Monats sind gute Beispiele dafür, was findige Fachleute aus einer Anlage herausholen können. Und unsere Handwerker des Monats sind durchwegs Überzeugungstäter.

Zwischen Zwang und Anreiz: Gesetze, Förderprogramme und der Wettbewerb

Mit dem Verbieten und Gebieten ist es hingegen so eine Sache – doch ohne (sanften) Druck vom Gesetzgeber tut sich auch nichts. Deshalb finde ich z.B. die Nutzungspflicht im EEWärmeG für Erneuerbare richtig. Strenge Regeln sorgen immer erst für Unmut, aber sofern die Regeln sinnvoll sind, finden es irgendwann alle normal – so wie die Anschnallpflicht im Auto. Eingriffe wie eine Anschlusspflicht an Fernwärmenetze sind allerdings mit Vorsicht zu genießen – sogar das Bundeskartellamt hat sich schon damit beschäftigt, ob dies zu einer Wettbewerbsverzerrung führt. Ideal ist freilich, wenn die Menschen überzeugt werden und nicht gezwungen – wenn sie selbst Einfluss nehmen können, wie und womit sie heizen wollen und für gute Lösungen belohnt werden – zum Beispiel mit einer Förderung. Zukunftsweisend ist hier die kürzlich eingeführte ertragsbezogene Förderung für Solaranlagen ab 20 Quadratmeter.

Zwei Mädels auf der Sonnenseite des Lebens

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Gemeinsam stark

Viele Menschen nehmen ihre energetische Zukunft auch gleich selbst in die Hand: Energiegenossenschaften sind ein gutes Beispiel dafür. Und auch private Bauherren können gut gemeinschaftliche dezentrale Lösungen umsetzen – eine Solarthermieanlage für ein Mehrfamilienhaus beispielsweise oder auch ein Blockheizkraftwerk. Wie eine Wohnungseigentümergemeinschaft ihre in die Jahre gekommene Anlage energetisch saniert hat, könnt ihr in diesem Artikel nachlesen. Die Finanzierung spielte dabei eine entscheidende Rolle. Denn:

Letztlich entscheidet doch der Preis – oder?

Ein Argument, das wir auf unserem Blog öfter lesen, ist: “letztlich muss es sich rechnen / bezahlbar sein” – und da erscheinen die Investitionen für einen Vakuumröhrenkollektor vielen auf einmal zu teuer. Was viele nicht wissen bzw. nicht bedenken: Preise für Solarwärme von deutlich unter 10 ct pro Kilowattstunde sind durchaus möglich – über einen Zeitraum von 25 Jahren gerechnet. Dafür ist der Preis über diesen Zeitraum auch stabil, was man vom Öl- und Gaspreis nicht erwarten kann. Contracting-Anbieter können dem Abnehmer einen Preis für den Amortisationszeitraum garantieren – und das ist schon fast so gut, wie in die Zukunft schauen zu können.

Recherchieren, informieren, kommunizieren

Hier wird noch viel Aufklärungsarbeit und Kommunikation zu leisten sein – und zwar auf allen Ebenen, die ich vorhin schon angedeutet habe: technologisch und politisch, im Journalismus allgemein und im Bewusstsein jedes und jeder einzelnen. Die Energieblogger haben darum kürzlich in einem offenen Brief an den WDR-Intendanten Tom Buhrow eine Lanze für den investigativen (Energie)Journalismus gebrochen.

Ecoquent Positions leistet seinen Beitrag für den Heizungsmarkt der Zukunft

Unser Beitrag zur Aufklärungsarbeit besteht neben den technisch orientierten “Erklärbärartikeln” in meinungsstarken Markteinblicken – dafür ist Cornelia Daniel unsere Expertin – und darin, dass wir Akteure der Energiewende zu Wort kommen lassen. Sie erklären uns Zusammenhänge und zeigen Visionen und Konzepte für die Zukunft auf. Es lohnt sich, einen Blick auf die spannendsten (Gast)beiträge und Interviews der letzten Zeit zu werfen:

Titelfoto: BSW-Solar/de Groot; Grafik: IWO; Bild: Paradigma

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