Der Klimawandel hat uns längst fest im Griff. Die ersten Kipppunkte sind erreicht: Die Permafrostböden tauen auf. Das Eis an den Polen schmilzt. Urwälder werden abgeholzt und abgebrannt. Der Weltpolitik gelang es im Jahr 2015 zwar, sich auf das 1,5-Grad-Ziel zu einigen, doch an der globalen Durchsetzung dessen scheitert sie bislang. Das liegt nicht daran, dass es an Wissen fehlt, was zu tun ist. Es mangelt offensichtlich an Umsetzungswillen. Geeignete Maßnahmen, um den Klimawandel zumindest zu bremsen, sind bekannt. Wir stellen euch heute das 1,5-Grad-Business-Handbuch vor, das sich an diejenigen richtet, die in Unternehmen und Organisationen das Sagen haben, um diese nachhaltig auszurichten.
Die Verfasser des 15-seitigen “The 1.5°C Business Playbook” (auf Deutsch etwa: “Das 1,5-Grad-Business-Handbuch”), das ihr euch hier kostenlos aus dem Internet downloaden könnt, schreiben, dass es Unternehmen dabei helfe, den schnellsten wirtschaftliche Kurswechsel in der Geschichte zu vollziehen und den neuen, nachhaltigen Kurs beizubehalten.
Was steht im “Das 1,5-Grad-Business-Handbuch”?
- das rasche Reduzieren der unternehmenseigenen Emissionen
- das Verringern der
Emissionen in den eigenen Wertschöpfungsketten - die Skalierung von Produkten, Dienstleistungen und Projekten, die Emissionen verringern oder sogar Kohlenstoff aus der Atmosphäre abbauen.
- die Sichtbarmachung der eigenen Klimaschutzführerschaft und daraus resultierend die Einflussnahme auf ein breiteres Handeln in der Gesellschaft
Für wen ist “Das 1,5-Grad-Business-Handbuch” geschrieben?
Das Handbuch ist laut seinen Verfassern für Unternehmen und Organisationen aller Art geschrieben worden, die sich das 1,5-Grad-Ziel setzen wollen. Es sei demnach nützlich für kleine, mittlere und und größere Unternehmen, um ihre eigene Strategie zu stärken, beim Einbinden von Lieferanten und beim Aufstellen von
Anforderungen.
Unternehmen mit fortschrittlichen Klimastrategien, die bereits als Teil von Branchen-Klimainitiativen agierten, könnten mit dem 1,5-Grad-Business-Handbuch Benchmarks für ihren Ansatz formulieren und ihre Ambitionen erhöhen. Das Handbuch könne zudem helfen,
- eine klare Klimastrategie zu entwickeln,
- konkrete Ziele zu definieren, die auf Wissenschaft fundierten,
- Anforderungen an Lieferanten zu stellen und Lieferketten auszurichten
- und Wertvorstellungen mit der 1,5-Grad-Linie abzugleichen.
Das Handbuch fuße auf den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen und konzentriere sich auf Maßnahmen, die einfach und schnell umzusetzen seien. Es sei entworfen worden, um im Einklang mit bestehenden Standards und SchlüsselInitiativen wie Greenhouse Gas Protocol (GHG), Science Based Targets Initiative (SBTi), CDP, RE100, Mission Innovation’s 1. 5°C Avoided Emissions Framework und Chambers Climate Coalition zusammenzuarbeiten.
Die Klimakrise sei den Handbuch-Verfassern zufolge die aktuell dringendste Bedrohung für die Weltgesellschaft, aber sie dürfe nicht auf Kosten der Tierwelt und gefährdeter Gruppen angegangen werden. Mit der Umsetzung einer auf 1,5 Grad ausgerichteten Strategie könnten Unternehmen demnach auch dazu beitragen, die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zu unterstützen und Wildtiere, Wasser, Land und Ozeane zu schützen, die alle eng miteinander verbunden seien.
Was ist die 4-Säulen-Klima-Strategie im 1,5-Grad-Business-Handbuch?
Die eingangs bereits genannten vier Wege zum Kurswechsel in Richtung 1,5 Grad entsprechen den vier Säulen der im Handbuch aufgestellten 4-Säulen-Klima-Strategie. Diese müssten von den Unternehmen und Organisationen angegangen werden.
Säule 1: Eigene Emissionen verringern
Die erste Säule konzentriere sich auf die Aktivitäten eines Unternehmen, um seine eigenen Emissionen gemäß des 1,5-Grad-Zieles zu mindern.
Säule 2: Emissionen in der Wertschöpfungskette verringern
Die zweite Säule konzentriere sich auf die Aktivitäten eines Unternehmens, um die Emissionen seiner Wertschöpfungskette zu mindern.
Säule 3: Klimastrategie in Geschäftsstrategie einbinden
Die dritte Säule befasse sich demnach mit der Ausrichtung des Portfolios und des Wertversprechens des Unternehmens auf ein 1,5°C-Ziel und der Beschleunigung von Lösungen zur Senkung und Beseitigung von Emissionen. Das heißt, dass Produkte und Dienstleistungen priorisiert werden müssten, die wesentlich dazu beitragen würden, die Menge der Kundenemissionen zu senken und Lösungen mit negativen Klimaauswirkungen zu unterdrücken. Dazu gehörten auch Investitionen in Projekte außerhalb der Wertschöpfungskette eines Unternehmens, die zur Beseitigung oder Vermeidung von Emissionen beitragen würden.
Säule 4: Klima-Bewusstsein und klimabewusstes Handeln in der Gesellschaft beeinflussen
Die vierte Säule beschreibe, wie man zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels über das eigene Geschäft hinaus beitragen könne. Zum Beispiel, indem man Politik beeinflusse oder seinen Mitarbeitern bei der Umstellung auf einen nachhaltigen Lebensstil helfe, Brancheninitiativen zur Anpassung an das 1,5-Grad-Ziel unterstütze und sicherstelle, dass die Organisationen, denen das Unternehmen angehört, nicht den eigenen Aktionen des Unternehmens entgegenwirkten.
Die vier Säulen sollten vorzugsweise in den iterativen Planungszyklus eines Unternehmens integriert werden, der mit der Messung und Analyse der aktuellen Situation beginne, dann Ziele und Prioritäten festlege und dann zur Umsetzung übergehe.
Um Ergebnisse zu messen, Korrekturmaßnahmen zu ergreifen und die Strategie neu zu evaluieren, sei es ratsam, eine erste Schleife zu durchlaufen. Die Säulen seien hinsichtlich eines Zeitplans und der Umsetzung nicht streng geordnet und könnten je nach Art des Geschäfts unterschiedlich sein, schreiben die Verfasser des Handbuchs. Dennoch gebe es eine Logik in der Reihenfolge: Säule 1 und 2 seien Anforderungen, zu deren Erfüllung alle Unternehmen ihr Möglichstes tun sollten. Säule 3 stelle eine Möglichkeit für Unternehmen dar, Klimaauswirkungen vollständig in ihre Geschäftsstrategie zu integrieren und gehe über den grundlegenden Fußabdruck des Unternehmens hinaus. Nicht zuletzt ergänze Säule 4 die Säulen 1, 2 und 3, indem sie die umfassendere Rolle eines Unternehmens als gesellschaftlicher Akteur berücksichtige.
Wer hat das 1,5-Grad-Business-Handbuch geschrieben?
Die Exponential Roadmap Initiative hat das 1,5-Grad-Business-Handbuch geschrieben. Nach eigenen Angaben bringe sie Technologie-Innovatoren, Wissenschaftler, Unternehmen und NGOs wie Future Earth, WWF, Ericsson, Sitra Innovation Fund, Stockholm Resilience Centre, Mission 2020, KTH, Royal Institute of Technology, Internet of Planet mit vielen unterstützenden Partnern zusammen.
In Teil 2 unserer kleinen Artikelreihe zum 1,5-Grad-Business-Handbuch stellen wir euch detailliert vor, wie die Säulen 1 bis 4 konkret anzugehen sind. Seid gespannt!
Grafiken: Screenshots vom The 1.5°C Business Playbook