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EU-Projekt TrustEE: leichteres Contracting für Solarthermie-Anlagen & Co.

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Wir haben euch kürzlich die Grundlagen von Contracting erklärt und die Kooperationsform Wärme-Contracting in Zusammenhang mit Solarthermie-Anlagen gebracht. Heute stellen wir euch das EU-Projekt TrustEE vor: Es soll Risiken technischer und ökonomischer Art minimieren sowie eine innovative Refinanzierung von Contractingmodellen sichern.

In seiner Online-Ausgabe berichtet das Magazin Sonne, Wind und Wärme (SW&W) vom 31. Alpbacher Finanzsymposium, das im Oktober stattfand. Dort hätten die österreichischen Projektpartner AEE INTEC Gleisdorf und REENAG GmbH ihr EU-Projekt TrustEE vorgestellt.

Laut der SW&W sagte Christoph Brunner, Leiter des Bereichs Industrielle Prozesse und Energiesysteme bei AEE INTEC, in Alpbach, dass die Umsetzung von Projekten im Bereich Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien in der europäischen Industrie deshalb schwierig sei, weil Investoren das Risiko dieser innovativen Projekte schwer einschätzen könnten. Außerdem bewertete Brunner die Kosten der schwierigen Vertragskonstruktionen, die für den Einstieg von Investoren notwendig seien, im Verhältnis zur Größe der Projekte bei KMUs (kleine und mittelständische Unternehmen – Anmerkung der Redaktion) und zum vergleichsweise geringen Kapitalbedarf als häufig zu hoch ein.

Was ist TrustEE?

Und genau da setze das EU-Projekt TrustEE an, indem es in enger Zusammenarbeit mit Anbietern von Technologien und Projektentwicklern

  • sowohl technische als auch ökonomische Risiken minimieren
  • und eine innovative Refinanzierung von Contracting-Modellen sichern

wolle. Dazu kombiniere TrustEE

  • Contracting,
  • Risikoabsicherung
  • und Fremdfinanzierung.

Die Vorteile, die der Industriekunde aus einem Contracting ziehe, seien vielzählig. Für Anlagenplaner sei das Contractng ein gutes Verkaufsargument, schreibt die SW&W weiter. Denn das Contracting

  • schone das jährliche Investitionsbudget des Kunden
  • und minimiert sein Risiko, da nur dann Zahlungen fällig würden, wenn es tatsächlich Einsparungen gebe.

Dennoch seien Contracting-Angebote vom Technologielieferanten kaum finanzierbar, da sie über lange Zeit viel Kapital binden würden. Das sagte Winfried Braumann, geschäftsführender Gesellschafter der REENAG GmbH laut der SW&W in Alpbach. „Unser Businessmodell basiert darauf, dem Technologielieferanten die Forderungen aus dem Contracting-Vertrag nach erfolgreicher Abnahme des Projektes abzukaufen“, beschreibt Braumann weiter.

Konkret soll das Ganze so funktionieren: Innerhalb von TrustEE werde eine sogenannte Verbriefungszweckgesellschaft unter dem Namen „Sustainable Future Trustee“ gegründet. Das sei für den Technologielieferanten insofern von Vorteil, als dass er seine Kreditfähigkeit verbessere, weil er sein im Projekt gebundenes Geld nach der Inbetriebnahme der Einsparmaßnahme schnell wieder erhalte, schreibt die SW&W.

Sustainable Future Trustee verbriefe demnach die Forderungen. Das bedeute, dass „das Recht auf Einzug der Forderung“ mit einem schriftlichen Vertrag auf die sogenannte Verbriefungszweckgesellschaft übergehe. Der Kauf der Forderungen werde mit handelbaren Wertpapiere (sogenannte Anleihen) refinanziert, die Sustainable Future Trustee potentiellen Investoren auf dem Kapitalmarkt anbiete. Um zu garantieren,  dass diese Wertpapiere dem höchsten Gläubigerschutzstandard gerecht werden, werde die Verbriefungszweckgesellschaft nach luxemburgischem Recht gegründet. Das regle Forderungsverbriefungen umfassend und mit den europaweit besten Investorenschutzvorschriften.

So könnte ein TrustEE-Projekt ablaufen

Das klingt euch zu theoretisch? Mir auch. Doch die Kollegen von der SW&W schreiben in ihrem Bericht auch von einem ersten konkreten Projekt: Georg Schoder von der österreichischen Firma Voigt + Wipp Engineers GmbH habe es in Alpbach vorgestellt, weil es von der TrustEE-Finanzierung profitieren könne.

Es gehe dabei darum, die Standorteffizienz bei einem Energieversorger im Energietrakt um fünf bis zehn Prozent zu steigern. Die Voigt + Wipp Engineers GmbH plane demnach, das Contracting-Projekt innerhalb von sechs Monaten umzusetzen, ohne dass der Energieversorger dazu den Betrieb unterbrechen müsse. Die Maßnahmen sollen sich für den Kunden in anderthalb Jahren amortisieren.

Die Rückzahlungen des Kunden pro Quartal ergeben sich demnach aus den Einsparungen bezogen  Bezug auf die sogenannte Baseline, also den Energiebedarf des Unternehmens bevor das TrustEE-Projekt realisiert wurde.

Das haben die TustEE-Partner vor

Die TrustEE-Partner wollen dem SW&W-Artikel zufolge in den kommenden Monaten zehn bis fünfzehn TrustEE-Projekte im Bereich Energieeffizienz und erneuerbare Energien akquirieren und

  • Banken,
  • Versicherungsanbietern
  • und Kapitalgebern

eine Anleihe zu deren Refinanzierung über die Sustainable Future Trustee anbieten.

Dabei käme es ihnen laut SW&W insbesondere auf die

  • Risikobewertung
  • und Aufbereitung der Maßnahmen

an.

„Es wird derzeit eine Online Plattform aufgebaut, in die die Planer oder Technologieanbieter in einem ersten Schritt relevante Daten zum Vorhaben eingeben, so dass das Projekt vollautomatisch wirtschaftlich und technisch bewertet werden kann“, habe Jürgen Fluch von AEE INTEC demnach in Alpbach dazu erklärt.

Falle die Beurteilung des Projekts seitens der genannten Parteien positiv aus, würde man die

  • technische Optimierung des Vorhabens
  • und die rechtliche und versicherungstechnische Vorbereitung der Refinanzierung

einleiten.

Zu den langfristigen Plänen gehöre, dass sich sowohl Anlagen- als auch Technologielieferanten über TrustEE qualifizieren und registrieren lassen könnten und so ein Pool zertifizierter Lieferanten aufgebaut werde, mit denen sich Rahmenverträge über die Projektentwicklung und Finanzierung abschließen lassen würden.

Über das Alpbacher Finanzsymposium

Das dreitägige Symposium sei mit rund 500 Teilnehmern das größte Finanzforum für die österreichische Wirtschaft. Neben Plenarthemen wie Digitalisierung und Early Stage Investments seien auch 2017 wieder mehrere Workshops abghalten worden, darunter der zu TrustEE unter dem Titel „Risikoabsicherung und Finanzierung von Energieeffizienz und Erneuerbarer Energie in der Industrie.

Laut der SW&W würden die TrustEE Projektpartner nach weiteren Projekten vorrangig aus dem Bereich industrielle Prozesswärme suchen. In Frage kämen demnach zum Beispiel Solarthermie- oder Biogasanlagen sowie Wärmepumpen oder Wärmerückgewinnungsanlagen, die industriegerechte Amortisationszeiten erreichen würden.

Endnutzer, Planer oder Technologieanbieter können solche Projekte einreichen. Zur Kontaktaufnahme diesbezüglich solle man sich per E-Mail melden: contact@nulltrust-ee.eu

Foto: inkje/photocase

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