Bilder sagen mehr als tausend Worte. Deshalb darf ich euch ein Bild aus der Fachzeitschrift SWW – Sonne, Wind und Wärme präsentieren. Klaus Mischensky, der Geschäftsführer von Austria Solar hat mich darauf aufmerksam gemacht und wird nun nicht müde auch seine Branchenkollegen auf diesen Misstand immer wieder hinzuweisen. Es ist aber auch wirklich traurig. Sehet selbst.
Wir prangern hier schon seit fast sehr langer Zeit an, dass es an Transparenz in der Branche fehlt. In so ziemlich jeder anderen Energieform ist es möglich, sich über Erträge und Kosten der einzelnen Technologien zu informieren auch ohne einen Experten oder Handwerker ausquetschen zu müssen. Gerade die jüngere Generation, die langsam anfängt Häuser zu bauen, ist es gewohnt alle möglichen Informationen online oder offline selbst zu erheben. Vor kurzem hab ich auch einen sehr guten Satz gehört, leider ist mir der Urheber entfallen, er möge sich melden, wenn er sich wieder erkennt.
“Worüber man sich nicht schlau machen kann, existiert bald nicht mehr”
Genau dieses Schicksal droht gerade der Solarthermie. Weil ich euch aber Bilder versprochen habe, die diese These untermauen. Here we go.
Mit welchen Werten kommunziert die Solarthermie im Vergleich zur Wärmepumpe?
Klaus Mischensky hat uns dazu einen direkten Bildervergleich aus der Branchenzeitschrift Sonne Wind & Wärme zur Verfügung gestellt. In grün gehalten sind die Werte mit denen die Wärmepumpenindustrie kommunziert und in orange jene Wert aus der Solarthermiebranche. Auf der ersten Seite bei den Wärmepumpen kommen nach dem Produkt- und Herstellernamen SOFORT die Leistungsdaten wie Nennleistung, Arbeitsleistung und Jahresarbeitszahl. Wie ist das nun bei der Solarthermie? Na schau ma mal… entschuldigt bitte den Sarkasmus, es ist eigentlich zum heulen.
- Anbieter (ok – lass ich mir einreden als ersten Punkt)
- Modell ( auch noch ok)
- Herstellung (das führt schon mal zur ersten Verwirrung… kein Mensch weiß, was OEM bedeutet und, dass das in der Solarthermiebranche total normal ist, es bedeutet übrigens Original Equipment Manufacturer)
- Markteinführung (Aha, wieso ist das so wichtig?)
- Bruttokollektorfläche (Der heilige Gral der Branche über den man streiten kann ist auf Platz 5.)
- – 16. Materialinfos (Kann mir jemand erklären, warum diese Details so viel wichtiger sind, als der Ertrag?)
- 17.- 21. Aperturflächeninfos (Über dieses Drama haben wir hier berichtet)
WAS SEHE ICH DA??? Schon auf Platz 22. kommt der einzige Wert, der mich interessiert!!!!!
22. Kollektorjahresertrag (kWh/a) Na wer sagt’s denn?? Am Ende einer sehr langen Liste kommt endlich der wichtigste Wert, der mich als Endkunde aber auch als Installateur interessiert und auf Platz 24. der zweitwichtigste Wert, der Nettolistenpreis.
Wir werden gleich sehen, warum es die Endkunden der Solarthermie derzeit nicht sehr leicht machen, und daran sind leider nicht nur die Kunden Schuld.
Keine Angabe dominiert die gesamte Kollektordatenbank
Nun, hier kommt die schlechte Nachricht. Jetzt hab ich als Endkunde in Zeile 22 endlich den Wert gefunden der mich interessiert und was dann? Keine Angabe!!! Echt jetzt? Und damit nicht genug, auch im Nettolistenpreis sehe ich keine Angabe. Dabei wäre es doch so fein diese beiden Werte zu dividieren, dann hätte ich einen echten Preis/Leistungsvergleich aka Gestehungskosten wie das bei jedem anderen Produkt möglich ist. Ich weiß, dass das mit dem Preis alles nicht so einfach ist, deshalb wäre ich ja schon genügsam, wenn zumindest der Ertrag da stünde, der ist ja seit 2013 endlich durch die Solar Keymark vereinheitlicht…
Leistungsdaten dominieren im Wärmepumpenvergleich
Zum Vergleich auch nochmal aus dem selben SWW-Heft die Übersicht bei den Luftwärmepumpen. Fein säuberlich und schon auf der ersten Seite sind die Leistungsdaten aufgelistet. Ich bin mir sicher, dass es auch da innerhalb der Branche Diskussionen gab, welche Werte man wie normiert und wie diese dann angegeben werden. Dort konnte man sich offensichtlich auf einen gemeinsamen Nenner einigen.
Fast alle Wärmepumpen A++ und es ist sichtbar
Vor allem was die Effizienzklassen betrifft, hat man sich in der Branche offensichtlich auf eine Normierung einigen können, die alle halbwegs guten Geräte mit A++ ausweist. Mit der von der EU gewählten Form der Effizienzklassenbewertung, bei der die Solarthermie als Heiztechnologie völlig vergessen wurde, weil sie einfach nicht ins Schema von energieverbrauchenden Technologien passt, haben die meisten Wärmepumpen ein A++ und und auch beim
Kollektorlabel fallen die meisten Kollektoren übrigens in eine Klasse.
Leider sehen Endkunden aber nur das A++ bei den Wärmepumpen und NICHTS bei der Solarthermie, was den Rückschluss zulässt, dass es vielleicht eine schlechtere Technologie ist. Natürlich wissen wir, dass dem nicht so ist, wir haben hier schon erklärt, dass das einer der Hauptgründe für das Kollektorlabel ist. Aber es ist jedenfalls allerhöchste Zeit die Scheuklappen abzunehmen und mit der Geheimniskrämerei aufzuhören.
“KEINE ANGABE IST KEINE OPTION”
PS: Dies ist nicht als Kritik von SWW zu verstehen. Ich mag mir gar nicht vorstellen wie mühsam es für die Redakteure sein muss immer nur mit “keine Angabe” abgespeist zu werden. Ich bin immer sehr genervt, wenn wir nur die halben Infos von den Handwerkern bekommen, aber es gibt anscheinend noch kein Bewusstsein dafür, dass es tatsächlich Menschen da draussen gibt, die sich auch für das Kleingedruckte interessieren.
Bilder: Sonne Wind & Wärme 10/2015, Titelbild: jock+scott / photocase.com
Ob es sinnvoll ist, hier Wert auf irgendwelche bunte Label zu legen, bezweifle ich.
Der tatsächliche Ertrag (Ernte) einer Solarthermischen Anlage (STA) lässt sich leicht mittles WMZ innerhalb einer Jahresbilanz ermitteln. Da kommt in einem EFH nachträglich häufig die totale Ernüchterung auf, denn die tatsächlichen Ergebnisse liegen meist erheblich unter den Ertragsprognosen. Während EnEV- und KfW-Nachweise Deckungsraten von 50..60% für WW auf dem bunten Papier ausweisen, sind real 8…20 %, je nach Randbedingungen, feststellbar.
Die Ursachen sind dabei vielfältig. U.A. wesentlich, das jahres- und tageszeitlich schwankende Leistungsangebot der Sonne. Prognosesoftware geht von der vollständigen Nutzung aus, was technisch nahezu unmöglich ist, je nach Ladezustand eines Speichers und Verbrauchsverhalten.
Bei Gewerbe und Industrie ist solarthermische Nutzung durchaus sinnvoll, in EFH meist unwirtschaftlich.
Als TGA Planer verwende ich häufig LWP, sofern die Randbedingungen und Notwendigkeiten des spezifischen Bauvorhabens für eine Verwendung geeignet sind.
Energieeffizienzklasssen bei LWP sind ebenfalls kritisch zu bewerten. Ich verlasse mich nie auf die “bunten Aufkleber”, sondern verwende ausschließlich die herstellerseitig bereitgestellten COP- und Leistungskennlinien f(AT,VLT).
Hersteller, die mir diese notwendigen Daten nicht zur Verfügung stellen wollen oder können, berücksichtige ich bei meinen Planungen grundsätzlich nicht, völlig egal wieviele “+++” der Aufkleber aufweist!