Paradigma_Solarthermie_3 Gründer 25 Jahre später

Klaus Taafel oder die Kunst des Weglassens

Heute vor einem Jahr, am 3. Oktober 2018, verstarb Klaus Taafel (im Titelfoto links) – neben Alfred T. Ritter (Mitte) und Albrecht Martin (rechts) einer der drei Gründer unseres Unternehmens. Klaus Taafels großzügiges Herz schlug unermüdlich für ökologische Heiztechnik, seinem grandiosen Ingenieursverstand entsprang neben vielem anderem unser einzigartiges AquaSolar-System, sein Geist weht noch immer durch unsere Räume. Klaus Taafel bleibt bei uns und vielen unserer Partner-Handwerker unvergessen.

Klaus Taafel oder die Kunst des Weglassens

von Alfred T. Ritter und Moritz Ritter für Ritter Energie

Wer hat je vor der Wahl gestanden, entweder die Motoren für Porsche oder den Heizungsmarkt strömungstechnisch voranzubringen? Wer kann von sich behaupten, dass Freunde, Bekannte, Kollegen ihn als grandiosen Ingenieur UND als Menschenfreund sehen und schätzen? Und wer konnte vor 30 Jahren schon begreifen, dass „Hightech-Ökologie“ auch meint, alles Überflüssige wegzulassen?

Einen wie Klaus Taafel gibt es einfach kein zweites Mal. Das wird uns in diesen Tagen wieder bewusst. Weil immer wieder sein Name fällt. In Veranstaltungen, in denen es um ganz andere Themen geht. In Meetings, wenn mal wieder jemand sagt „wir müssen halt Gas geben“. Wir haben ihn nicht vergessen. Wie auch?

Unser Unternehmen hat seine DNA. Der bahnbrechende Systemgedanke, die erste Gasbrennwerttechnik, der Umstieg von Flach- zu Röhrenkollektor – das war Klaus Taafel. Begeisterung für Thema und Menschen – das war er auch. Und damit sind wir ganz am Anfang: Klaus Taafel hat seine Wahl getroffen. Statt bei Porsche Technik zu optimieren, was für ihn eine verlockende Tätigkeit gewesen wäre, steigt er ins Heizungsgeschäft ein, beschäftigt er sich mit Gasbrennwert. Geht nicht, gibt’s nicht. Wenn die Peripherie für die Geräte nicht stimmt, muss man sie eben technisch geradeziehen. Er entkoppelt Kessel- von Speicherkreislauf. Das war der erste von vielen Ingenieursstreichen. Es folgen: die Integration der Regelung, Speichertechnik, die weitere Optimierung der Produkte, immer mit dem Systemgedanken als Basis. Niemand sonst hatte das System so im Blick wie er. Er war fasziniert von Technik, die am besten keinen Müll produziert. Sein Ansporn war: Wir müssen uns in die Natur einpassen und dafür finde ich die Lösung. Das bringt ihm die Achtung unserer Partner im Handwerk ein.

Dann verfolgt er eine Vision, an die zunächst keiner glaubt: Eine Heizung, in deren Zentrum der Kollektor steht, also ein Sonnenkollektor serienmäßig integriert ist. Zielgruppe? Nicht der Bastler, sondern der engagierte Alt-Philologe. Und das Ganze dann auch noch ohne Frostschutzmittel. Das geht manchen wirklich zu weit. Klaus reduziert das Material, denn mit Vakuum braucht man weniger Teile und keine Isolierung. Die Stagnation im Kollektor? Im Griff, trotz hoher Temperaturen. Damit ist die Skalierung in Richtung Großanlagen möglich. Klaus Taafel hat alle technischen Grundlagen gelegt, auf denen wir heute noch stehen. Der Kompass dafür war immer: Weglassen, was man nicht wirklich braucht. Er hat uns damit weit gebracht. Mit Begeisterung und tiefem, sensationellen Verständnis für Technik. Beides zusammen machte ihn zu einem, der andere mit seinen Ideen ansteckt. An seine Vorträge erinnern sich noch viele: inhaltlich perfekt und fundiert. Rhetorisch besonders, weil seine Überzeugung aus dem Herzen kam, nicht aus den Worten. Jeder konnte spüren, dass da jemand sprach, der alles in Bewegung setzt, um das Mögliche umzusetzen. Für Paradigma, das Unternehmen, dem er immer loyal zur Seite stand. Was für ein Freudenfest war es für ihn, als vor 15 Jahren das AquaSolar System präsentiert wurde. Kollegen berichten noch heute von seinen strahlenden Augen während der Veranstaltung.

Die Überzeugung im Herzen machte ihn, den Techniker, zutiefst menschlich. Er konnte, was wenige gut können: zuhören. Auf andere zugehen, auch in Situationen, in denen man ihnen eher den Rücken kehren will. Er hat das Joint Venture in China weiter betreut, als es, auch aufgrund kultureller und geschäftlicher Dissonanzen, kritisch wurde. Doch er konnte nach Konflikten verzeihen, seinen positiven Blick auf China hat er nie verloren und unter seinen Geschäftspartnern sind viele zu sehr guten Freunden geworden. Mit manchen hat er vor der Tür einfach geraucht, schweigend, weil keiner der Sprache des anderen mächtig war. Von Herz zu Herz hat man sich trotzdem verstanden. Und eines konnte man ihm sowieso nie nehmen: Seine Meinung. Die hat er beibehalten, mit der ihm eigenen ruhigen Art, die in gewisser Weise unbeeindruckt bleibt von äußeren Nickeligkeiten. Das ist selten in der Wirtschaftswelt.  Jeder, der mit ihm zu tun hatte, spürte, dass Klaus Taafel immer auch den Menschen vor sich sah. Menschenfreund und Lösungsfinder: Das war er.

Auch für die Mitarbeiter hier war er nahbar. Die offene Tür pflegte er schon, als es noch keine Floskel aus dem Führungskräfteseminar war, eine Vorzimmerdame gab es nicht. Jeder konnte zu ihm kommen, denn Star-Allüren waren ihm fremd. Auf Gruppenfotos steht er oft in der zweiten Reihe. Vielleicht deshalb, weil er viele überragt hat, aber auch, weil er es schlichtweg nicht nötig hatte, im Vordergrund zu stehen. Anpacken, um gemeinsam etwas voranzubringen, das war ihm wichtiger als die Show.  Wenn es also darum ging, in Höchstgeschwindigkeit eine Krisensituation zu entschärfen, hat er als Erster die Ärmel hochgekrempelt. Überhaupt: Geschwindigkeit und sportliche Leistung hatten es ihm angetan. Zeit zu vergeuden kam für ihn nicht in Frage. Kippen drehen beim Autofahren. Nachdenken beim Fahrradfahren. Immer einen Notizblock am Mann, für den Fall, dass er einen Gedanken festhalten wollte. Klaus Taafel war ein Arbeitstier, ein gut gelauntes, den großen Zusammenhang sehendes. Er selbst fuhr fast täglich mit dem Fahrrad über 60 Kilometer ins Büro und zurück. Zeit für sich selbst war das. Weniger aus asketischer Sicht als vielmehr aus Freude am Genuss, der bei ihm einfach dazugehörte: Gutes Essen mit noch besseren Getränken, liebe Menschen am Tisch, Gespräche und Lachen, das war die praktische Umsetzung seiner Philosophie: Es kommt wie Du willst – Du musst halt das Richtige wollen.

Er fehlt uns und wir denken an ihn, dankbar dafür, dass er seinen Verstand und sein Herz für die ökologische Heizung von heute eingebracht hat, dankbar dafür, dass wir ihn kennen durften.

Foto: Killig, Paradigma/Ritter Energie