Projekt 2 des Monats: Warmwasser für Hotel in der Ukraine mit solarer Deckung von 55 Prozent

Projekt des Monats 2 Mai 2017

Den letzten Blogbeitrag im diesjährigen Mai füllt die Geschichte zum zweiten Lieblings-Solarthermie-Projekt unseres Handwerkers des Monats Sergii Biliavets. Ich habe euch Sergii in einem ausführlichen Interview hier auf dem Blog bereits vorgestellt und auch sein erstes Projekt des Monats habe ich euch präsentiert.  Sergii ist als Verbindungsmann zu Paradigma im ukrainischen Unternehmen Sahara in Kiew tätig. Lest hier, warum das Hotelprojekt nicht nur eins seiner Lieblingsprojekte sondern auch sein bislang größter Erfolg in Sachen Solarthermie ist. 

Paradigma-Solaranlage auf Hotel in Ukraine

An der gelben Kappe erkennt man die Paradigma-Solarthermie-Kollektoren auf den ersten Blick. Foto: Tara Ugrak

Die Vorgeschichte unseres 2. Projekts des Monats Mai 2017

Bei dem zweiten Projekt des Monats handelt es sich um ein Hotel in der westukrainischen Stadt Iwano-Frankiwsk. Schon im Interview hat Sergii Bilivets uns die Vorgeschichte des Projekts erzählt, als ich ihn nach seinem bislang größten Erfolgserlebnis in Sachen Solarthermie fragte: „Ganz klar: Das war ein Hotel bei dem wir 2014 das alte Heizungssystem komplett erneuern sollten. Dieses Hotel gehört zu einer Kirchengemeinde, die einer deutschen Kirche untergeordnet ist, über die nicht nur die finanziellen Ausgaben kontrolliert sondern auch die eingesetzte Technik abgestimmt wurden. Natürlich haben wir für dieses Projekt eine Paradigma-Aqua-Solaranlage mit 6 x Aqua-Plasma-Kollektoren für die Warmwasserbereitung angeboten – aber unser Angebot wurde abgelehnt und als Alternative wurde von deutscher Kirchenseite eine Anlage mit Flachkollektoren (von einem deutschen Hersteller) vorgeschlagen. Für mich war das eine gute Gelegenheit und Herausforderung, unsere Aqua-Technik zu vertreten, deswegen habe ich eine Zusammentreffen mit dem Techniker aus Deutschland initiiert … aber nach fast zwei Stunden Diskussion gab’s noch immer keine Entscheidung … Erst nach drei Wochen kam eine offizielle Antwort von der Kirchengemeinde mit dem Zuschlag für unsere Planung. Das Projekt haben wir im August 2015 in Betrieb genommen, der Jahresgewinn beträgt stolze 17,81 MWh!“

Sergii Biliavets und sein Unternehmen Sahara realisierte das Hotelprojekt gemeinsam mit einem Partner: Taras Ugrak aus Iwano-Frankiwsk.

Über das Hotelgebäude und den Bauherren

Das Hotel befindet sich in den oberen drei Stockwerken eines siebenstöckigen Gebäudes im Stadtzentrum von Iwano-Frankiwsk. „Das Hotel gehört einer Kirchengemeinde der Griechisch-Katholischen Kirche. Dazu müssen Sie wissen: Unser Unternehmen Sahara arbeitet mit dieser Kirchengemeinde schon seit mehr als fünf Jahren zusammen und wir haben inzwischen viele gemeinsame Projekte realisiert. Das Hotel in Iwano-Frankiwsk war unser erstes Projekt mit einer Aqua-Plasma-Solar-Anlage von Paradigma“, berichtet Sergii Biliavets.

Das wünschte sich der Bauherr: 50 Prozent solare Deckung

„Der Bauherr stellt uns vor folgende Aufgabe: Wir sollten den Jahresenergieverbrauch für die Bereitstellung von Warmwasser (warmes Brauchwasser) halbieren. Im Jahr 2014 wurden zur Warmwasserbereitstellung etwa 32.500 Kilowatt (kW) benutzt. Wir rechneten und kamen auf die vom Bauherrn gewünschte Reduzierung des Energieverbrauchs um 50 Prozent mit einer 30 Quadratmeter (m2) großen Aqua-Plasma-Solaranlage“, sagt unser Handwerker des Monats.

„Der dem Bauherrn wichtigste Grund, überhaupt in eine Solaranlage zu investieren, war die Erhöhung des Gaspreises. Deswegen wurden auch die alten Gaskessel ausgetauscht. Die solarthermische Energie sollte ausschließlich nur für Warmwasserbereitung genutzt werden. Am Anfang hatte der Bauherr eine klassische solarthermische Anlage mit Flachkollektoren und einer Delta-T-Steuerung (Delta T = Temperaturänderung – Anmerkung der Redaktion) im Auge. Dazu muss man wissen, dass solche Anlagen mit Delta-T-Steuerung je nach Aufbauprinzip lediglich dem Vorwärmen des Wassers dienen, den Rest muss der Kessel übernehmen. Anders ist  das mit dem Aqua-Plasma-Vakuumröhrenkollektor von Paradigma: Der Solarkollektor und das ‚Eimer Prinzip‚, nach dem der Solarregler SystaSolar Aqua II arbeitet, sorgen quasi dafür, dass der Solarkollektor als der zweite Heizkessel arbeitet . Ein weiteres Argument für den Röhrenkollektor war das: Wasser als Wärmeträger. Hier musste man dem Kunden keine Vorteile erklären, sondern ihn davon überzeugen, dass die Frostschutzfunktion der Paradigma-Aqua-Plasma-Anlage nicht viel Energie verbraucht. Dafür haben wir die Datenauswertung einer laufenden Solaranlage verwendet und dem Kunden damit Zeitperioden mit der Außentemperatur von minus 21 Grad Celsius in Form einer Grafik präsentiert.“, beschreibt Sergii Biliavets stolz seine erfolgreiche Überzeugungsarbeit.

Die Pufferspeicher der Solarthermie-Anlage im „Heizungskeller“ im Obergeschoss des Hotelgebäudes (8. Etage). Foto: Taras Ugrak

Über die Solarthermie-Anlage

Die 30 m2 Bruttokollektorfläche der Anlage ergaben sich mit sechs Aqua-Plasma-Röhrenkollektoren des Typs 19/50 mit jeweils 5,01 m2 Bruttokollektorfläche und einem spezifischen jährlichen Kollektorertrag nach Solar Keymark (in Bezug auf die Bruttofläche) von jeweils 661 kWh/m2.

Zur Anlage gehören zwei Pufferspeicher mit jeweils 1.000 Litern Fassungsvermögen und eine Frischwasserstation (Leistung: 200 kW). Als weitere Wärmeerzeuger dienen dem Hotel zwei Gasbrennwertkessel mit einer Leistung von jeweils 150 kW.

„Der Heizungsraum des Hotels befindet sich auf dem Dachgeschoss, also im 8. Stockwerk. Das war eine richtige Herausforderung für unsere Montageleute“, erklärt Sergii Biliavets. „Die gesamte Technik da hoch zu kriegen, das war gar nicht so einfach. Die Solarthermie-Kollektoren haben wir mit dem Autokran auf das Dach hochgehoben. Und das war nicht die einzige Herausforderung: Wir mussten auch noch vier Tage lang auf passendes Wetter dafür warten: Wenn es gerade nicht geregnet hat, dann herrschte ein starker Wind … Aber schließlich hat alles gepasst“, beschreibt Biliavets die Montagearbeiten.

Die Überwachung der Solarthermie-Anlage mit der  Solarstation STAqua II garantiert eine schnelle Reaktion auf gegebenenfalls auftretende Systemfehler. Foto Taras Ugrak

Die Anlage wird überwacht: „Meiner Meinung nach ist das ein Muss für ein Hotel“, erklärt unser Handwerker des Monats. „Falls ein Fehler auftreten würde, würde unsere Servicedienst eine E-Mail oder eine SMS bekommen und könnte rechtzeitig reagieren, so dass die Hotelgäste gar nichts bemerken würden.“

Brennstoffverbrauch im Vorher-Nachher-Vergleich

Im Jahr 2014 schlug der Brennstoffverbrauch – wie von Sergii Biliavets – angegeben mit 32.500 Kilowatt zu Buche. Von August 2015, als die Anlage in Betrieb genommen wurde, bis August 2016 erwirtschaftete die Solarthermie-Anlage 17.810 kW. Das sind mehr als die Hälfte der 2014 zur Warmwasserbereitstellung verbrauchten kW – der Anspruch des Bauherrn wurde damit sogar übererfüllt!

Solarer Deckungsgrad liegt im ersten Betriebsjahr bei 55 Prozent!

Der solare Deckungsgrad liegt mit 55 Prozent sogar deutlich über den vom Bauherren gewünschten 50 Prozent. Statt der 2014 verbrauchten 32.500 kWh fielen im ersten Betriebsjahr der Solarthermie-Anlage nur noch 14.600 kWh an.

Das 2. Projekt des Monats auf einen Blick

Baujahr der Anlage:August 2015 
Pufferspeicher:2 x Aqua Expresso mit 1.000 Liter Fassungsvermögen und angeschlossener Frischwasserstation
Zusatzheizung:2 x Gasbrennwertkessel (Leistung: je 150 kW)
Kollektoren6 x Aqua Plasma 19/50 von Paradigma6 x 661 kWh/a je m2 nach Solar Keymark Datenblatt (50° C Würzburg)
Anlagengröße:30,06 m2 (6 x 5,01 m2)
Ertrag/Jahr:August 2015- August 2016: 17.810 kWh/a
Brennstoffbedarf:2014: 32.500 kWh/aAugust 2015 bis August 2016: 14.600 kWh/a
Trinkwassererwärmung:ja
Solarer Deckungsgrad:kalkuliert: 50 Prozenttatsächlich: August 2015 bis August 2016: 55 Prozent
Heizungsunterstützung:nein
Ausführender Betrieb:
Sahara, Sahara, Novokostiantynivska Str. 1w in 04080 Kiew, Ukraine, E-Mail: s.biliavets@nullsahara.com.ua, Internet: www.sahara.com.ua, Internet: www.sahara.com.uaInterview mit Sergii Biliavets

Fotos: Taras Ugrak / Sergii Biliavets Sahara

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