Wärmewende energetische Gebaeudesanierung Heizungsmodernisierung

Gebäudesanierung samt Heizungsmodernisierung: Nutzen und Zusatznutzen

Veröffentlicht von

Das Rezept für die dringend notwendige Wärmewende in deutschen Heizungskellern hat nur zwei Zutaten: Die erste ist die Dekarbonisierung der Wärmeerzeugung, die zweite ist die Absenkung des Wärmebedarfs. Das heißt, dass das Heizen sehr viel umweltfreundlicher werden muss und die Gebäude so aufgestellt werden müssen, dass sie nur noch wenig Wärme benötigen, um sich darin wohlzufühlen. Die Wärmewende soll bis spätestens 2050 gelingen.  Viele der Gebäude, die dann zum Bestand gehören, stehen heute schon. Deshalb gilt es jetzt, die energetische Gebäudesanierung und Heizungmodernisierung voranzutreiben. Welche Vorteile diese neben der Energieeinsparung und CO2-Einsparung noch bringen, steht hier.

Energetische Gebäudesanierung und Heizungsmodernisierung sind dringend nötig

Gebäude verursachen laut dem Umweltbundesamt (UBA) in Deutschland etwa 35 Prozent des Endenergieverbrauchs und etwa 30 Prozent der CO2-Emissionen. Die Gründe für diese hohen Anteile sind: Noch wird ein Großteil der Heizungen in deutschen Heizungskellern fossil befeuert, vor allem mit Heizgas und Heizöl. Und mehr als die Hälfte (56 Prozent) der laufenden Heizungen ist mit mehr als 20 Jahren auf dem Buckel technisch veraltet und damit nicht in der Lage, nach heutigen und künftigen Ansprüchen effizient zu heizen. Von grün heizen ganz zu schweigen. Die mit dem Gebäudebereich hierzulande verursachten CO2-Emissionen beliefen sich laut Angaben des UBA im Jahr 2019 auf 122 Millionen Tonnen. Das sei ein Plus von 4,4 Prozent zum Vorjahr 2018. Vom Klimaschutzziel der Bundesregierung, diesen Wert im Jahr 2030 auf 70 Millionen Tonnen zu senken, sind wir damit noch weit entfernt.

Geht man davon aus, dass ein Haus für mindestens 50, im Schnitt 100 und bestenfalls sogar 150 Jahre gebaut wird, dann ist schon heute absehbar, dass

  1. die Gebäude, die heute gebaut werden
  2. ebenso wie viele der Gebäude, die heute stehen,

im Jahr 2030 und auch im Jahr 2050 zum Gebäudebestand gehören werden. Für Maßnahmen zur Energie-Einsparung wie die energetische Gebäudesanierung samt Heizungmodernisiserung ist es demnach schon jetzt an der Zeit. Noch besser: Sie müssen dringend forciert werden, denn die derzeitige Sanierungsrate liegt bei nur einem Prozent jährlich. Mit dem Sanierungstempo bräuchte Deutschland Jahrzehnte, um mit dem heutigen Gebäudebestand die Klimaziele zu erreichen.

Nutzen und Zusatznutzen von Maßnahmen zur energetischen Gebäudesanierung kalkulieren

Ganz klar, die Maßnahmen zur energetischen Gebäudesanierung kosten Geld. Doch wer angesichts der dafür nötigen Investitionskosten davor ganz zurückschrecke oder diese nur zögerlich anpacke, so schreibt es die Agentur für Erneuerbare Energien e.V. (AEE) auf ihrer Internetseite wärmewende, denke beziehunsgweise kalkuliere zu kurz. Es reiche demnach nicht, den Investitionskosten die zu erwartenden Energieeinsparungen gegenüberzustellen. Vielmehr müssten alle Nutzen und Zusatznutzen der energetischen Sanierung in das Kalkül einfließen.

Energetische Gebaeudesanierung
Die Grafik zeigt sämtliche Nutzen und Zusatznutzen für alle an der energetischen Gebäudesanierung Beteiligten auf. Grafik: AEE

Was bringt die energetische Gebäudesanierung und Heizungsmodernisierung den Bewohnern?

Bewohner von energetisch sanierten Gebäuden dürften laut der AEE-Grafik nicht nur mit niedrigeren Energiekosten, sondern vor allem mit Komfortsteigerungen und Verbesserungen des Gesundheitsschutzes rechnen.

Hausbesitzer würden zudem davon profitieren, dass sie die energetische Sanierung mit baulichen Veränderungen zugunsten ihrer persönlichen Bedürfnisse, zum Beispiel einem altersgerechten Umbau, kombinieren könnten.

Als problematisch für Mieter bewertet die AEE, dass Vermieter bis zu 8 Prozent der Sanierungskosten auf die Jahresmiete umlegen könnten, sodass es die Mieter nach einer energetischen Sanierung trotz fortan niedrigerer Energiekosten mit insgesamt höheren Wohnkosten zu tun bekämen. Die AEE rät daher, dass verantwortliche Vermieter längere Refinanzierungszeiträume einplanen und einen geringeren Prozentsatz der Kosten auf die jährlichen Mieten umlegen sollten. Sie könnten zudem einen frühzeitigen Austausch mit den Mietern suchen, um die Akzeptanz der enrgetischen Sanierungsmaßnahmen zu erhöhen und diese so auszugestalten, dass die Sanierung zum beiderseitigen Vorteil ausgeführt werde.

So könnte das Dämmen einer Fassade mit einer Vergrößerung der Fensterflächen einhergehen. Damit ließe sich die extra Verschattung infolge der dickeren Außenwände ausgleichen, schreibt die AEE. Außerdem weist die AEE darauf hin, dass vielen Eigentümern und/oder Mietern nicht bewusst sei, wie stark sich das Wohnumfeld auf die individuelle Gesundheit auswirken könne. Aus diesem Grund könne auch ein Monitoring der für die Gesundheit relevanten Indikatoren dabei unterstützen, dass Sanierungsmaßnahmen mitgetragen würden.

Allein die Installation einer Solarthermie-Anlage (siehe Titelfoto) parallel zum Gaskessel hilft (Gas plus Solar), Brennstoff und daraus resultierende Brennstoffkosten sowie CO2-Emissionen einzusparen. Denn die Solarwärme liefert die Sonne gratis aufs Dach:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Noch mehr Einsparungen bringt der Kesseltausch alt (Heizwert) gegen neu (Brennwert). Und maximale Einsparungen sind zu erwarten, wenn der Systemwechsel im Heizungskeller von fossil auf erneuerbar vollzogen wird, zum Beispiel könnte ein Umstieg von fossilem Heizgas auf nachwachsendes Holz plus Solar stattfinden.

Was bringt die energetische Gebäudesanierung und Heizungsmodernisierung den Besitzern?

Das Interesse der Immobilienbesitzer sei laut der AEE vor allem darauf ausgerichtet, dass ihre Gebäude erwirtschafteten. Dazu gelinge am ehesten mit niedrigen anfallenden Kosten und verlässlichen Mieteinnahmen. Eine energetische Sanierung könne den Wert der Immobilie steigern und die Zufriedenheit der Mieter erhöhen. Infolgedessen ließen sich die Mieterfluktuation senken und die Mieteinnahmen blieben stetig. Zugleich vermeide man damit Risiken, denn die Immobilie hätte nach der energetischen Sanierung einen hohen technischen und umwelttechnischen Stand.

Staat fördert energetische Sanierung und Heizungmodernisierung so hoch wie nie zuvor

Nicht zu vergessen: Energetische Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden werden staatlich gefördert. Die Fördergelder für die Heizungsmodernisierung und den Umstieg von fossilem Heizen aufs Heizen mit Erneuerbaren Energien wie Solarthermie, waren noch nie so hoch, wie seit Jahresbeginn. Es gilt: Je weniger Energie das Gebäude nach der energetischen Sanierung verbraucht, desto höher fällt die Förderrate aus.

Foto: Paradigma, Grafik: AEE