Hurra Hurra, der Branchenretter der ist da!!

Wir haben kürzlich ja dazu aufgerufen, dass sich Startups der Solarthermiebranche bei uns melden sollen. Ich dachte mir damals schon: In der Branche steckt so viel Potenzial und es gibt noch so viele Kinderkrankheiten, da MUSS es doch irgendwo Leute geben, die sich dem annehmen und was auf die Beine stellen. Nun bin ich aber doch überrascht, wie konkret sich so manche schon ans Probleme lösen machen. Ein beeindruckender Kerl dieser Sorte ist mein Landsmann Michael Ruthensteiner. Ich habe ihn nach unserem Aufruf persönlich kennengelernt und ihn kurzerhand zum Branchenretter ernannt. Er bietet mit seinem Startup ruvi solar etwas an, das viele vor ihm versucht haben: Solarthermie sexy machen!

Michael, erzähl uns kurz was es mit ruvi auf sich hat?

ruvi ist ein junges Start Up aus Österreich und wurde Anfang 2014 gegründet. Ich habe ja eigentlich Politikwissenschaft studiert, hatte aber immer schon großes Interesse an erneuerbaren Energien. Nach Abschluss meines Studiums habe ich dann genug Zeit gefunden, um meine Vision zu verwirklichen. Zentrales Ziel von ruvi ist es, der Solarthermie mit unserer IT-Lösung solar neuen Schub zu geben. Großes Augenmerk haben wir vor allem auf die Zufriedenheit der Endkunden und -kundinnen mit ihren Solarthermie-Anlagen gelegt und uns die Frage gestellt, wie wir diese verbessern können. Die Antwort war eigentlich recht einfach: Wer Wärme aus Sonnenenergie herstellt, tut für sich und andere etwas Gutes und Wichtiges und sollte das auch spüren und merken. Wir haben daher eine Lösung entwickelt, die es jedem Betreiber und jeder Betreiberin von solarthermischen Anlagen ermöglicht, auf graphisch ansprechende Art und Weise mittels Web-Browser genau zu sehen, was diese geleistet hat. Und zwar nicht nur die Ersparnisse für die eigene Geldbörse, sondern auch wie viele CO2 Emissionen verhindert wurden. Darauf aufbauend haben wir ein Tool entwickelt, das noch zusätzlich vollautomatisch Optimierungsmöglichkeiten, sowie Fehlfunktionen in der Solarthermie-Anlage findet und an die Betreiber meldet, damit diese eine Reparatur veranlassen können. Damit ist die Anlage rund um die Uhr abgesichert.

Du hast mir bei unserem Gespräch die wirklich tolle Entstehungsgeschichte erzählt. Sie klingt ein bisschen wie der Stoff aus dem Startup-Träume sind. Erzähl mal bitte:

Die Geschichte dazu ist tatsächlich ziemlich lustig und fast schon zu stereotyp: 2009 habe ich meinen Eltern bei der umfangreichen thermischen Sanierung ihres Hauses geholfen. Im Zuge dessen wurde neben einer 30m² Photovoltaik-Anlage auch eine 20m² Solarthermie-Anlage installiert. Wo es bei der PV ziemlich leicht war, sich die Produktionsdaten auch am PC darstellen zu lassen, gab es so eine Lösung für die Solarthermie defacto nicht. Das, was ich am Markt fand, war mir einfach nicht gut genug und so entschied ich mich, es einfach selbst zu entwickeln. Einige Monate nach Inbetriebnahme dieser Visualisierungslösung kam dann mein Vater auf mich zu und meinte zu mir, ob ich mir nicht die Daten mal genauer ansehen könnte, weil er irgendwie das Gefühl habe, dass da was nicht richtig funktioniert. Ich habe mich also hingesetzt, mich den Graphen einige Stunden gewidmet und tatsächlich eine Fehlfunktion gefunden! Bei meinen Eltern war die Solarpumpe verkehrt eingebaut – wie ich heute weiß, ein häufiger Fehler, und noch dazu einer, der das gesamte System massiv beeinträchtigt. Ich bin dann mit diesen Erkenntnissen zu dem Installateur gegangen, der die Anlage errichtet hat. Er hat es sich nur kurz angesehen und gemeint „Ja, stimmt – diese Möglichkeiten, um so etwas zu zeigen und festzustellen hätte ich auch gerne.“ Et voilá – hier ist ruvi und solar.

Mittlerweile ist dieser Installateur – die Firma Peter Doppler GmbH in St. Christophen – übrigens einer unserer wichtigsten Entwicklungpartner. Schwer vorstellbar, ob wir ohne ihn heute auch an diesem Punkt wären. An dieser Stelle also ein herzliches Danke!

Du bist wie ich ein Fan von Photovoltaik UND Solarthermie. Von denen gibt es wenige, weil die Befürworter der einzelnen Technologien meiner Meinung nach zu wenig voneinander wissen. Warum brennst du so für die Solarthermie?

Photovoltaik ist toll und meiner Meinung nach ein ganz wichtiger Faktor in der Stromerzeugung, aber sehen wir uns Energieproduktion insgesamt an, kommt sie mit der Solarthermie – sorry dafür – einfach nicht mit. Moderne PV-Zellen haben einen Wirkungsgrad von 20%, können also 1/5 der Energie, die auf sie geworfen wird, in Strom umwandeln. Moderne Solarthermie-Kollektoren erreichen das vierfache, nämlich 80%. Wer da kein Fan von Solarthermie wird, dem ist aus meiner Sicht nicht zu helfen. Wenn wir uns anschauen, welche riesige Energiemenge jeden Tag von der Sonne auf die Erde gestrahlt wird, dann ist aus meiner Sicht die Erzeugung von Wärme mittels Solarthermie alternativlos. Jedes andere Heizsystem benötigt Brennstoffe wie Öl, Gas, Pellets oder Stückholz – nicht nur dass durch deren Verfeuerung Emissionen in unsere Atmosphäre geblasen werden, was bei der Solarthermie natürlich entfällt, ich muss die Brennstoffe sogar noch extra kaufen. Die Sonne scheint für uns alle umsonst – der „Brennstoff“ der Solarthermie ist also vollkommen kostenlos. Noch dazu ist in jeder Solarthermie-Anlage schon fix ein Speicher eingeplant. Und das darin eingesetzte Speichermedium ist in den meisten Fällen einfach nur klares Wasser. Ich fasse also mal zusammen: Praktisch KEIN Primärenergieeinsatz, GRATIS Brennstoff, KEINE Emissionen, KLARES Wasser als Speichermedium, EINFACHES Recycling der verbauten Materialien, mind. 25 Jahre Anlagenlaufzeit, und und und… Nicht schlecht, oder?

Wenn man mit dir redet, sieht man sofort, dass du viel vor hast. Was ist deine große Mission?

Wenn wir uns ansehen, auf welch niedrigem Niveau die Solarthermie aktuell in Österreich und Europa steht, kann die Mission nur sein, sie da herauszuholen. Wir haben heute mit modernen Techniken so umfangreiche Möglichkeiten die Solarthermie zu promoten und zu pushen, um sie dorthin zu bekommen, wo sie hingehört: Nicht als wenig ernst genommenes „nice to have“ für die besonders Umweltfreundlichen unter uns, sondern als primäres Heizsystem mit über 70% solaren Deckungsgrades eines jeden Gebäudes, dass neu gebaut oder renoviert wird. In meinen vielen Gespräch mit Kollektor- und Gesamtsystemherstellern von Solarthermie-Anlagen bin ich zu der festen Überzeugung gekommen, dass es schon heute möglich ist, den überwiegenden Großteil des Heizbedarfs von Ein- und Mehrfamilienhauses, aber auch von gewerblich und industriell genutzten Gebäuden über Solarthermie zu decken. So hohe Deckungsgrade sind meistens nur mit Solarthermie und eben nicht mit Photovoltaik zu erreichen. Und zwar ohne sich dafür in Unkosten stürzen zu müssen. Heizen mit der Sonne ist schon jetzt leistbar – und es lohnt sich in so vielerlei Hinsicht massiv auf diese Technik zu setzen. Sei es aus Gründen des Umweltschutz, wegen der nicht existenten Energiekosten oder weil der überwiegende Mehrteil der Wertschöpfung in Europa bleibt. Daher muss es unser Ziel sein, dass sowohl privat, gewerblich und – hoffentlich in Zukunft auch – politisch massiv auf die Solarthermie gesetzt wird.

 Was ist deiner Meinung nach in der Vergangenheit falsch gelaufen?

Aus meiner Sicht sind die großen Fehler in der Vergangenheit vor allem auf schlechtes Marketing und Mängel in der Produktpositionierung zurückzuführen. Bis vor wenigen Jahren hat jeder, der sich für Sonnenenergie interessiert hat, automatisch an Solarthermie gedacht. Heute steht Sonnenenergie für Photovoltaik und die Solarthermie ist in kollektive gesellschaftliche Vergessenheit geraten. Die Solarthermie-Branche hat es leider nicht geschafft, sich komplementär zur Photovoltaik zu präsentieren, sondern ist immer stärker in ein Konkurrenz-Muster hineingefallen. Und bei der Überschwemmung des europäischen Marktes mit billigen PV-Modulen sind nicht nur viele bekannte Photovoltaik-Unternehmen Europas unter die Räder gekommen, sondern hat es eben auch die Solarthermie insgesamt erwischt.

Zusätzlich dazu hat es die Branche leider auch verabsäumt, die Personen, die der Solarthermie positiv gegenüber gestanden sind (oder ihr immer noch positiv gegenüber stehen) soweit zu unterstützen, dass diese in ihrem sozialen Umfeld weiter Werbung für die Solarthermie machen. Wenn ich mit Freunden oder Arbeitskolleginnen zusammen bin und ihnen zeigen kann, wie viele Kilowatt meine Solarthermie-Anlage gerade produziert – und das ist selbst bei kleinen Anlagen echt eine Menge! – und wie viele Euro Heizkosten ich mir damit erspare, dann hat das natürlich eine enorme Auswirkung auf diese Personen und auf deren zukünftigen Entscheidungen bei der Wahl eines Heizsystems. Aber bis heute gab es einfach keine Lösung, die das einfach und schön aufbereitet möglich gemacht hat.

Deine Zielgruppe sind vor allem Installateure aber auch Kollektorhersteller. Warum sollten diese mit euch zusammenarbeiten?

Die Installateure sind deswegen von zentraler Bedeutung, weil sie es sind, die bei den Kunden und Kundinnen stehen, gute Qualität liefern wollen (und auch müssen), um auch in Zukunft weitere Aufträge zu bekommen. Installateure, die mit uns zusammenarbeiten, bekommen ein Tool, mit dem sie die von ihnen verkauften und errichteten Solarthermie-Anlagen auf ein ganz neues Qualitätsniveau heben können. Die umfangreiche Visualisierung verbessert die Zufriedenheit der Betreiber und Betreiberinnen der Solarthermie-Anlagen nicht nur mit dem Produkt an sich, sondern auch mit dem Installateur selbst und mit seiner Arbeit. Und gleichzeitig bietet die umfassende Absicherung des Betriebes durch die Fehlerdiagnose-Funktionen von solar die Möglichkeit, ein ganz neues Service im Sinne von care-Paketen anbieten zu können. Dazu haben wir unsere Lösung auch mit einer Funktion ausgerüstet, in der Fehlermeldungen – sofern von den Kunden und Kundinnen nicht explizit deaktiviert – automatisch an den Installateur geschickt werden, damit dieser sofort eine Wartung oder Reparatur durchführen kann.

Kollektorhersteller sind in vielen Fällen ja nicht nur reine Hersteller von Kollektoren, sondern bieten zumeist Gesamtsysteme an, die sie dann von Partner-Installateuren errichten lassen. So haben natürlich auch diese großes Interesse daran, dass ihre Produkte optimale Leistungen bringen und von den Betreibern und Betreiberinnen positiv wahrgenommen werden. Das und die bereits erwähnte Funktion der automatischen Fehlermeldung gibt also nicht nur den Kunden und Kundinnen sowie den Installateuren, sondern eben auch den Kollektorherstellern die Sicherheit, dass alles einwandfrei funktioniert.

Darüber hinaus bieten wir natürlich auch noch weitere Leistungen im Bereich der IT an, was Datenauswertung oder Hilfe bei der Produktentwicklung betrifft. Wir sind also auch wichtige Partner, wenn es darum geht, Installateure und Kollektorhersteller fit für die digitale Zukunft zu machen.

Vor allem im Bereich Datenschutz und IT-Sicherheit – enorm wichtige Themen, die leider bisher zu wenig Aufmerksamkeit bekommen – haben wir in den letzten Wochen und Monaten feststellen müssen, dass noch viel Aufholbedarf besteht. Daher sind alle unsere Lösungen so umfangreich es nur geht gegen Datendiebstahl oder -missbrauch abgesichert und wir liefern auch regelmäßig Sicherheitsupdates aus.

Was können Endkunden von eurem Produkt erwarten. Wie schaffst du es wirklich die Solarthermie „sexy“ zu machen?

So einfach es klingt, so schwierig ist es dann in Wirklichkeit: Seit Beginn der Entwicklungsarbeit habe ich schon zig Versionen unserer Weboberfläche zur Visualisierung der Erträge und Einsparungen von Solarthermie-Anlagen erstellt und wieder verworfen. Im Grunde geht es immer darum, einen doch eher komplexen Sachverhalt so einfach wie möglich darzustellen – und das ist verdammt schwer. Unter kWh kann sich der durchschnittliche User vielleicht wenig vorstellen, aber wenn ich das in Verbindung setze mit eingesparten Heizkosten in Euro und verhinderten CO2-Emissionen dann wird es für jede Person einfacher und besser nachvollziehbar. Wir bedienen uns außerdem noch verschiedener Darstellungsmöglichkeiten wie Graphiken, Diagrammen und Statistiken, um Endkunden -und kundinnen ein so umfangreiches Bild wie möglich liefern zu können, aber ohne dabei darauf zu vergessen, dass nicht alle mit kühlen Zahlen und kalten Graphen etwas anfangen können. Wir stehen daher – obwohl wir mit dem Launch von solar am Ende unserer Produktentwicklung sein sollten –eigentlich erst am Anfang, weil wir jeden Tag – und ich meine wirklich jeden Tag – unser gesamtes Konzept hinterfragen und versuchen, es noch weiter zu verfeinern und zu perfektionieren, um den Wünschen unserer Kunden und Kundinnen bestmöglich zu entsprechen. Und auch wenn das vielleicht mühsam klingt – wir machen das wirklich gerne!

Also, ich sag euch, von dem Herren werden wir noch viel hören. Wir bleiben auf jeden Fall dran! Demnächst kommt noch ein Interview mit einem Startup. Natürlich freuen wir uns nach wie vor über weitere Hinweise zu anderen neuen Unternehmen, die die Branche voranbringen wollen. 

Bild: yanking999 – Fotolia.com

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